FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax tut sich nach seinem in der vergangenen Woche erreichten Rekordhoch weiter schwer. Schwache Übersee-Vorgaben, steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen dämpfen am Dienstag das Interesse der Anleger an Aktien, während sich die erhoffte Lösung im Iran-Krieg weiterhin nicht abzeichnet.
Am Nachmittag sank der deutsche Leitindex um 0,3 Prozent auf 26.250 Punkte. Damit entfernt er sich nochmals ein Stück von seiner am vergangenen Mittwoch erreichten Bestmarke von knapp 26.574 Punkten.
Während der MDax 0,7 Prozent auf 32.127 Zähler verlor, gab der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx um weniger als ein halbes Prozent nach. In New York zeichneten sich an der Nasdaq-Börse Gewinnmitnahmen ab.
"Die Renditen 10- und 30-jähriger Bundesanleihen sind gestern auf neue 15-Jahres-Hochs geklettert", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Ein ähnliches Bild ergäben die Renditen in Frankreich oder den USA. Er spricht in dieser Situation von einer größer werdenden Anlage-Konkurrenz für Aktien. Steigende Marktzinsen verteuerten außerdem die Refinanzierung von Staaten und Unternehmen.
Wieder steigende Ölpreise tragen laut Altmann ihr Übriges zur derzeit gedämpften Stimmung bei, da sie die Inflationssorgen befeuerten. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg erneut über 90 US-Dollar je Barrel. Die Aussicht auf eine baldige Lösung im Krieg zwischen den USA und dem Iran haben sich weiter eingetrübt. Die Mitte Juni in einem Rahmenabkommen vereinbarte Frist ist mittlerweile ohne diplomatische Fortschritte abgelaufen.
Unternehmensseitig ist es derzeit wieder ruhiger, nachdem die Berichtssaison so gut wie beendet ist. Bei den zuletzt erholten KI- und Chipwerten wurde Kasse gemacht. Unter den deutschen Einzelwerten fielen die Papiere von Siemens Energy um 3,6 Prozent zurück, nachdem sie in den vergangenen Tagen auf dem höchsten Niveau seit Anfang Juli gestanden hatten. Noch etwas stärker abverkauft wurden Chipwerte wie Infineon oder Branchenausrüster wie Aixtron oder Suss Microtec .
Die Aktien von Hugo Boss reagierten mit minus 0,3 Prozent kaum darauf, dass die Frasers Group ihren Anteil an dem Modekonzern auf knapp unter 48 Prozent erhöhen konnte. Im Juni hatte der britische Einzelhändler den Boss-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot unterbreitet, dessen offizielle Frist am 13. August ausgelaufen ist.
Aus dem SDax gab Einhell detaillierte Halbjahreszahlen bekannt, in deren Rahmen der Umsatzausblick auf das Gesamtjahr bestätigt wurde. Der Kurs des Werkzeugherstellers konnte davon mit einem Abschlag von 2,3 Prozent aber nicht profitieren.
Einige Aktien wurden stärker bewegt von Umstufungen durch Analysten. So hat Analyst David Dymonds von der französischen Investmentbank Exane BNP dem Spezialchemiekonzern Lanxess jetzt mit "Underperform" ein negatives Votum verpasst. Die Titel büßten daraufhin im MDax 3,6 Prozent ein.
Es gab aber auch bewegende, positive Analystenstimmen: Der Sixt -Kurs stieg um 3,6 Prozent nach einer Hochstufung durch die Privatbank Berenberg. Angesichts der schwachen Konsumstimmung spreche zwar das Bauchgefühl gegen die Kaufempfehlung, die Aussichten sprächen aber für die Münchner, schrieb sie und erwartet unter anderem ein starkes Sommer-Reisegeschäft in Europa.
Schott Pharma wurde von einer positiven Erwähnung der Barclays Bank um 3,2 Prozent hoch getrieben. Nach drei Jahren sinkender Gewinnprognosen erwartet Jonathon Unwin nun eine Trendwende bei dem Pharma-Verpackungsspezialisten. Als Impulsgeber sieht er neu verhandelte Verträge und das Wachstum im Bereich "Ready-to-use"-Primärverpackungen sowie Spezialfläschchen für instabile Medikamente./tih/mis
Quelle: dpa-Afx