(Neu: Schlusskurse, Bank of America)

NEW YORK (dpa-AFX) - Der Online-Händler Amazon war am Freitag nach den vorgelegten Zahlen der nächste Treiber einer fortgesetzten Erholung an der Nasdaq-Börse. Die Titel des Handelsriesen sprangen um mehr als 15 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende Mai. Inklusive der Erholung am Vortag haben zwei Handelstage gereicht, um die Verluste von mehreren Wochen wieder aufzuholen.

Amazon hob sich mit dem Kurssprung positiv von Apple ab, die in den vergangenen Wochen mit einer Rekordserie aber auch einen besseren Lauf hinter sich hatten. Ein enttäuschender Umsatzausblick ließ die Titel des iPhone-Herstellers letztlich um 7,4 Prozent absacken. Amazon dagegen meldete das stärkste Quartalswachstum seiner Cloud-Sparte seit 2021 und beruhigte die Anleger, was den milliardenschweren Ausbau der KI-Infrastruktur betrifft. Sorgen, ob sich die Gelder lohnen, hatten zuletzt Aktien mit KI-Bezug belastet.

Damit geht die Schere bei den Kursentwicklungen großer Technologieriesen erneut auseinander. Am Vortag waren schon die Kurse von Microsoft und Meta in unterschiedliche Richtungen gelaufen. Im Gesamtbild an der Nasdaq hatte am Donnerstag die Erleichterung über Microsoft überwogen. Am Freitag hatte nun Amazon positiven Einfluss auf die Kurse im breiten Technologiesektor, auch wenn der Nasdaq 100 Index zeitweise um seine Gewinne kämpfen musste.

Amazon steigerte den Umsatz und Gewinn im Quartal deutlich. Der Handels- und Technologiekonzern profitierte dabei weiter vom KI-Boom, vor allem überzeugte die Cloud-Sparte AWS die Anleger. "Die AWS-Beschleunigung schaltet einen Gang höher", schrieb Justin Post von der Bank of America. Das zweite Quartal sei genau nach dem Geschmack der Bullen gewesen, kommentierte Analyst Brad Erickson von RBC. Ronald Josey von der Citigroup bewertet seinen "Top Pick" nach den Ergebnissen jetzt noch positiver.

Wegen gestiegener Speicherchip-Preise steckt Konzernchef Andy Jassy mit 220 Milliarden Dollar noch 20 Milliarden Dollar mehr in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur. Anders als in manch anderen Fällen beunruhigte dies die Anleger aber nicht mehr. Doug Anmuth von JPMorgan kommentierte dazu, dass sich die KI-Investitionen im Falle von Amazon auszahlen würden. Angesichts der Nachfrageentwicklung seien die erhöhten Ausgaben gerechtfertigt, hieß es vom Jefferies-Fachmann Brent Thill.

Apple machen dagegen vor dem erwarteten Start der nächsten iPhone-Generation Engpässe bei wichtigen Bauteilen zu schaffen. Problematisch seien aktuell vor allem knappe Produktionskapazitäten bei kombinierten Chipsystemen, die das Herzstück von Apple-Geräten wie iPhones und Mac-Computern sind, so Konzernchef Tim Cook. Bei den Anlegern kam das nicht gut an. Analystin Asiya Merchant von der Citigroup will ihren Fokus aber nun auf das neue iPhone und eine KI-gestützte Version des Sprachassistenten Siri legen. Wamsi Mohan von der Bank of America bleibt mit Blick auf das Smartphone optimistisch wegen großer Nachfrage.

Das Rennen um das wertvollste Unternehmen hat mit dem Apple-Kursrutsch am Freitag eine neue und zugleich alte Führung bekommen: Durch seine Kursgewinne hat Nvidia Apple wieder abgelöst. Die jüngste Rally hat dem iPhone-Hersteller also nur vorübergehend eine Rückkehr an die Spitze beschert. Beide Unternehmen waren die ersten, die jemals eine Marktbewertung von mehr als 5 Billionen US-Dollar erreichen konnten, Nvidia war damit aber viel früher dran als Apple. Mittlerweile wurde sie von beiden Aktien wieder unterschritten./tih/edh/he

Quelle: dpa-Afx