(neu: Kurse aktualisiert und weiterer Analystenkommentar)

FRANKFURT/NEW YORK/SEOUL (dpa-AFX) - Überraschend hohe Inflationsdaten aus den USA am Vortag haben einen weltweiten Ausverkauf von Halbleiterwerten ausgelöst. Bei Anlegern im Technologiesektor allgemein geht am Donnerstag die Angst um. Die Furcht vor höheren Zinsen nimmt zu und belastet vorwiegend die stark finanzierungsabhängigen Technologiewerte rund um den Globus.

Anleger von CoreWeave etwa mussten am Vortag einen Kurssturz von 15,5 Prozent verkraften. Die Anleihen des Anbieters von KI-Cloud-Computing-Diensten waren auf ein Niveau abgesackt, das in der Regel auf finanzielle Schwierigkeiten hindeutet. Dies warf ein Schlaglicht auf die erheblichen Finanzierungsrisiken, die mit dem schuldenfinanzierten Aufbau der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz (KI) verbunden sind, etwa für Rechenzentren. Und diese Risiken nehmen noch zu, falls die Zinsen nun tatsächlich stärker steigen sollten.

"Der schuldenfinanzierte Ausbau der KI-Infrastruktur treibt manchen Investoren zunehmend Sorgenfalten auf die Stirn", hieß es am Morgen von der Commerzbank. Analyst Gil Luria vom Finanzdienstleister D.A. Davidson sagte: "Die Aufnahme von Krediten zu sehr hohen Zinssätzen, um Rechenzentren zu errichten, die außerhalb der Hyperscaler zunehmend zu einer Massenware werden, könnte sich letztlich als keine gute Investition erweisen. Je mehr Fremdkapital wir für den Bau von Rechenzentren einsetzen, desto mehr Risiko bringen wir in das System ein."

Von dem Boom von Rechenzentren profitiert auch der Dax -Konzern Siemens Energy als Lieferant von Energietechnik erheblich. Mit den jüngsten Sorgen sackte der Kurs um 7,2 Prozent ab. Papiere von Hochtief verloren 2,2 Prozent, auch der Baudienstleister mit einem starken Standbein in den USA gilt als Profiteur des Baus von Rechen- und Datenzentren für Künstliche Intelligenz.

Schwer traf es die Halbleiterbranche. Aktien von Infineon waren mit einem Abschlag von 7,6 Prozent größter Verlierer im Dax. Im MDax reichten die Verluste für Chip-Branchenwerte wie Suss Microtec , Aixtron , Jenoptik , Elmos Semiconductor und Siltronic von 4,6 bis 8 Prozent.

Die Verkaufswelle, die am Vortag an der Nasdaq begonnen hatte, setzte sich an diesem Donnerstag in Asien fort. Dabei ging es einmal mehr für den sehr schwankungsanfälligen koreanischen Kospi, aber auch für den japanischen Nikkei kräftig nach unten. In Seoul brachen die Anteile des Chipherstellers SK Hynix um fast 12 Prozent ein, jene von Samsung um fast 11 Prozent.

Höhere Zinsen können Technologiewerten in vielerlei Hinsicht schaden. So trifft die mit einer strafferen Geldpolitik verbundene Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivitäten die konjunktursensiblen Tech-Unternehmen besonders.

"Wir sehen am Aktienmarkt gerade die zweite Welle der KI-Sorgen", kommentierte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Es seien keine klassischen Gewinnmitnahmen, sondern Ausdruck echter Bedenken hinsichtlich einer massiven Korrektur.

Angesichts der ausgeprägten Tech-Schwäche konnten auch gute Geschäftszahlen des taiwanischen Chipriesen TSMC die Stimmung nicht aufhellen. Das Unternehmen meldete für das September-Quartal einen überraschend hohen Gewinn. Die auch an der US-Börse Nasdaq gelistete Aktie verlor dort im vorbörslichen Handel gut zwei Prozent./ajx/la/ck/bek/mis

Quelle: dpa-Afx