NEW YORK (dpa-AFX) - In gegensätzliche Richtungen dürften am Donnerstag die Kurse der beiden US-Technologiegiganten Microsoft und Alphabet laufen. Beide hatten am Vorabend nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vorgelegt, wobei Anleger einmal mehr auf das derzeit zentrale Thema der Investitionen in KI-Infrastruktur schauen und fragen, ob sich diese irgendwann rentieren.

Im vorbörslichen New Yorker Handel sackten die Anteile der Google -Mutter am Donnerstag um 10 Prozent ab, während jene von Microsoft sich um 3 Prozent verteuerten. Der Kursrutsch von Alphabet bedeutet einen Börsenwertverlust von rund 200 Milliarden US-Dollar.

Microsoft war besser als von Experten erwartet in das laufende Geschäftsjahr gestartet, angetrieben von einem abermals hohen Wachstum der Cloud-Plattform Azure. Zudem überraschte Microsoft bei den Investitionen positiv. Diese waren nicht ganz so hoch wie erwartet.

Die Microsoft-Aktien könnten am Donnerstag ihr bisheriges Rekordhoch von etwas mehr als 555 Dollar aus dem Sommer 2025 übertreffen. Sowohl die Geschäftszahlen als auch der gesenkte Ausblick für die Investitionen sollten die Optimisten in ihrer Erwartung einer Wachstumsbeschleunigung bestärken, hieß es in einer Einschätzung von JPMorgan.

Die Investitionsausgaben von Microsoft stiegen um 30 Prozent auf gut 45 Milliarden Dollar, lagen damit aber unter den Erwartungen. Jonathan Neilson, Leiter der Abteilung Investor Relations, erklärte dies mit Verzögerungen bei der Bereitstellung von Cloud-Kapazitäten durch Drittanbieter.

Die Experten von Index Radar werten es vor allem positiv, dass Microsoft trotz der Investitionen von rund 45 Milliarden Dollar einen freien Mittelzufluss von 18,6 Milliarden Dollar erwirtschaften und damit die Erwartungen klar übertreffen konnte. "Die Botschaft: Der KI-Ausbau kostet enorme Summen, lässt sich aber weiterhin aus dem laufenden Geschäft finanzieren", lobte Index Radar. Bei Alphabet falle die Rechnung weniger überzeugend aus. Steigenden Investitionen stehe ein mit rund neun Milliarden Dollar ins Minus gerutschter freie Cashflow gegenüber.

Der Google-Mutterkonzern hatte im vergangenen Quartal mit seinem Umsatz die Erwartungen am Markt verfehlt und enttäuschte auch beim Ergebnis. Die Kapitalinvestitionen kletterten auf gut 51 Milliarden Dollar weiter hinauf.

"Bei Microsoft erkennen Anleger zunehmend, wie sich die hohen KI-Ausgaben in Wachstum und Cashflow niederschlagen. Alphabet muss dagegen beweisen, dass die Investitionen nicht nur das Cloud-Geschäft antreiben, sondern auch das lukrative Werbegeschäft langfristig stärken", hieß es weiter von Index Radar. Denn ausgerechnet die Suchmaschine, die den KI-Ausbau finanziere, könnte durch neue KI-Anwendungen unter Druck geraten./ajx/bek/jha/

Quelle: dpa-Afx