STUTTGART (dpa-AFX) - Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg geht die Gewerkschaft auf Konfrontationskurs. IG Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch sagte in Stuttgart, zu zentralen Fragen wie sicheren Arbeitsplätzen und einer Zukunft für die Standorte blieben die Arbeitgeber Antworten schuldig. "Liebe Arbeitgeber: So wird das nichts. Und genau deshalb bekommt ihr jetzt unsere laute Antwort - mit Warnstreiks." Die Friedenspflicht endet mit Ablauf des 31. Oktober. Warnstreiks sind damit ab diesem Sonntag möglich.
In der Regel mobilisierte die Gewerkschaft in vergangenen Tarifrunden bei großen Unternehmen wie Porsche, Mercedes-Benz
Der Arbeitgeberverband Südwestmetall verurteilte die angekündigten befristeten Arbeitsniederlegungen scharf. Die Lage der Branche sei äußerst kritisch, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Oliver Barta. "Wir rufen die Gewerkschaft dazu auf, gemeinsam mit uns Lösungen am Verhandlungstisch zu suchen. Tarifpolitik mit der Brechstange ist angesichts der größten Strukturkrise in der Geschichte der Bundesrepublik völlig fehl am Platz." Einer aktuellen Verbandsumfrage zufolge gehen 51 Prozent der Unternehmen im Südwesten davon aus, im kommenden halben Jahr Personal abbauen zu müssen.
Verhandlungen ergebnislos vertagt
Südwestmetall hatte in der zweiten Verhandlungsrunde zwar ein Angebot an die Gewerkschaft vorgelegt, jedoch wies die IG Metall dieses als unzureichend zurück. Die Arbeitgeber bieten demnach eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027. Das entspreche in Baden-Württemberg 700 Euro. Die Zahlung könne allerdings von Firmen mit geringer Profitabilität verschoben und gegebenenfalls gestrichen werden. Eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent soll es dann ab Juli 2028 geben. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 gelten.
Das Angebot stehe unter dem "Vorbehalt der Einführung eines betrieblichen Instruments zur Sicherung von Investitionen, Innovationen, Standorten und Beschäftigung", hieß es laut Mitteilung.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr für Beschäftigte
Die IG Metall hat für die etwa 900.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten fünf Prozent mehr Geld gefordert. Die Beschäftigten arbeiten in ganz unterschiedlichen Branchen wie der Autoindustrie, dem Maschinenbau, der Elektrotechnik oder der Rüstungsindustrie. Branchen wie die Autoindustrie stehen derzeit wirtschaftlich stark unter Druck.
Zudem wolle man mit den Arbeitgeberverbänden über die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandeln und eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in profitablen Firmen erreichen, hatte die Gewerkschaft vor der Tarifrunde mitgeteilt. Für Beschäftigte und Auszubildende in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben strebt die Gewerkschaft zudem eine tarifliche Gewinnbeteiligung an./ols/DP/zb
Quelle: dpa-Afx