BERLIN/STOCKHOLM (dpa-AFX) - Nach zwei Jahren Stillstand kommen die größten Börsenunternehmen Deutschlands beim Frauenanteil in Spitzenpositionen wieder ein wenig voran. In den Vorständen der 40 im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen liege der Frauenteil jetzt bei 28,5 Prozent und damit um 2,8 Prozentpunkte höher als vor rund einem Jahr, wie aus einem Bericht der gemeinnützigen deutsch-schwedischen AllBright Stiftung hervorgeht. Allerdings hinken die Autoindustrie sowie die mittleren und kleineren Börsenunternehmen deutlich hinterher.

Für den Bericht nahm die AllBright-Stiftung den Frauenanteil in den Top-Etagen führender Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweden sowie in den USA unter die Lupe. Am 1. September 2026 hatte demnach jedes vierte Dax-Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent im Vorstand - die Stiftung sieht bei dieser Quote ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern.

Dax-Konzerne holen etwas auf

Sowohl in Großbritannien (34,6 Prozent), Frankreich (31,5 Prozent) und den USA (30,7 Prozent) sei der Frauenanteil im Top-Management der jeweils 40 größten Unternehmen zwar noch immer teils deutlich höher als bei den Dax-Unternehmen, hieß es. Erstmals aber sei das Wachstum bei den deutschen Firmen größer gewesen als in den Unternehmen der anderen Länder, sodass die deutschen Konzerne etwas aufholen könnten.

Bessere Rahmenbedingungen gefordert

Ob man schon vom Beginn eines neuen Aufschwungs beim Frauenanteil in den Unternehmensspitzen sprechen könne, sei nicht sicher, erklärten die Geschäftsführerin und der Geschäftsführer der AllBright Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg. "Sicher ist aber: Die Vorstände der Dax-Konzerne können in acht Jahren paritätisch aufgestellt sein - wenn es gewollt ist." Dazu müssten die Aufsichtsräte jetzt die richtigen Prioritäten setzen und die Modernisierung der Führung ebenso ernst nehmen wie andere drängende Themen. Zudem brauche es geeignete steuerliche Anreize, eine paritätisch aufgeteilte Elternzeit und einen massiven Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen.

Autoindustrie als "Bremsklotz"

Als "Bremsklotz" unter den Dax-Konzernen beim Thema Frauen in Top-Positionen erwiesen sich dem Bericht zufolge die deutschen Autohersteller: Sowohl BMW als auch Mercedes-Benz und Volkswagen hätten nur je eine Frau in ihren mit sieben beziehungsweise acht Mitgliedern sehr großen Vorstandsteams. Auch bei den beiden nicht im Dax notierten Branchenunternehmen Porsche und Traton sitze nur je eine Frau im Vorstand. Als Positiv-Ausnahme verweist die AllBright Stiftung dagegen auf Daimler Truck mit einer weiblichen Vorstandsvorsitzenden und mittlerweile drei Frauen in der obersten Führungsebene.

Mittlere und kleinere Börsen-Unternehmen hinken hinterher

Dagegen liege der Frauenanteil auf Top-Positionen bei den 50 mittelgroßen börsennotierten Unternehmen im MDax lediglich bei 19,1 Prozent, und bei den 70 im SDax gelisteten Firmen sei der Anteil mit 14 Prozent nicht einmal halb so hoch wie bei den 40 Dax-Konzernen. Von den insgesamt 58 börsennotierten deutschen Unternehmen, die noch immer keine Frau im obersten Führungsteam haben, seien 57 in MDax oder SDax notiert, hieß es./csc/DP/zb

Quelle: dpa-Afx