ZWICKAU (dpa-AFX) - Der befürchtete große Rechtsruck bei der Betriebsratswahl im Zwickauer Volkswagen -Werk ist ausgeblieben. Die IG Metall erhielt zwar weniger Stimmen als vor einem Jahr, holte aber trotzdem mehr als 81 Prozent, wie aus einer Mitteilung der Gewerkschaft hervorgeht. Das als AfD-nah geltende "Bündnis freie Betriebsräte" kam auf 11,5 Prozent, die Liste 1 "Die Andere Liste" auf gut 7,3 Prozent. Etwa 8.200 Mitarbeiter waren zur Wahl ihrer neuen Mitarbeitervertretung aufgerufen.

"Mit diesem Rückhalt gehen wir als Team IG Metall gestärkt und selbstbewusst in die bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Zukunft des Standortes - und damit der gesamten Automobilregion", erklärte der erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Thomas Knabel. "Der im Vorfeld vielfach vermutete Rechtsruck hat sich als medialer Scheinriese erwiesen. Diese Belegschaft weiß sehr genau, wer für ihre Interessen einsteht und wer nicht - auch das zeigt das eindeutige Ergebnis."

Rösler: Kommende Jahre entscheidend für Automobilregion

Der Spitzenkandidat der IG Metall-Liste, Mike Rösler, sprach von einer Zeit, in der viele Beschäftigte verunsichert seien. "Die kommenden vier Jahre werden entscheidend für die Zukunft unserer gesamten Automobilregion sein", so der bisherige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. "Wir werden alles dafür tun, dass es hier am Standort auch über 2030 hinaus weitergeht, für sichere Arbeitsplätze und eine starke Industrieregion Zwickau."

Wegen Überkapazitäten an seinen deutschen Standorten baut Volkswagen bis 2030 bundesweit 35.000 Stellen ab. Das trifft auch die Standorte in Sachsen. Während die Gläserne Manufaktur in Dresden die Autoproduktion ganz eingestellt hat, muss das Fahrzeugwerk in Zwickau auf absehbare Zeit die Fertigung mehrerer Modelle abgeben. Statt wie bisher in drei Schichten wird hier nur noch in zwei Schichten gearbeitet.

Jobabbau auch bei VW in Zwickau

Infolgedessen wurden den Angaben nach bereits 1.200 Arbeitsplätze abgebaut - durch altersbedingte Abgänge, Aufhebungsverträge und weil befristete Verträge nicht verlängert wurden. Mancher befürchtet, dass die Autoproduktion ganz eingestellt werden könnte, wenn die aktuelle Standortgarantie nach 2030 ausläuft. Die Auto-Fabrik ist innerhalb des VW-Konzerns Vorreiter in der E-Mobilität. Hier werden ausschließlich Elektroautos gebaut.

Bei der letzten Wahl vor gut einem Jahr hatte die IG Metall bei Volkswagen in Zwickau mit fast 89 Prozent noch größeren Zuspruch erhalten als bei der aktuellen Wahl. Allerdings gab es dieses Mal mit insgesamt drei Listen auch mehr Konkurrenz. Von den 35 Sitzen im neuen Gremium entfallen nun 29 auf die IG Metall, 4 auf das Bündnis freie Betriebsräte und 2 auf "Die Andere Liste"./hum/DP/mis

Quelle: dpa-Afx