NOWOROSSIJSK (dpa-AFX) - Die Ukraine hat nach russischen Angaben bei einem Angriff mit Seedrohnen ein international wichtiges Ölterminal im Schwarzmeerhafen Noworossijsk schwer beschädigt. Eine Anlegestelle des Terminals sei nicht mehr nutzbar, teilte das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) mit. Das Unternehmen sprach von einer "zielgerichteten Terrorattacke mit unbemannten Booten". Die Ukraine setzt solche mit Sprengstoff beladenen Wasserfahrzeuge - Seedrohnen - immer wieder gegen russische Ziele ein.

Verletzt worden sei niemand. Es war bereits der dritte Angriff auf eine Anlage des auch von Kasachstan betriebenen Konsortiums. Das kasachische Energieministerium kritisierte die Attacke als Angriff auf die wirtschaftlichen Interessen der ölreichen Republik in Zentralasien. Das Ministerium wolle nun alternative Transportwege suchen.

Portal: Zwei Öltanker der russischen Schattenflotte getroffen

Die Ukraine nimmt in ihrem Abwehrkampf gegen Moskaus Angriffskrieg immer wieder Ziele in Russland ins Visier. Besonders geht es dabei um Schäden für die Ölindustrie, die wesentlich ist für die Finanzierung der russischen Kriegsmaschinerie. Die Angriffe wirken sich massiv auf den Export aus.

Während der ukrainischen Angriffe seien alle Ladeoperationen im Hafen von Noworossijsk eingestellt und die Öltanker weggefahren worden. Auch die Pipelines seien geschlossen gewesen zum Zeitpunkt der Explosion. Nach ersten Erkenntnissen sei kein Öl ins Schwarze Meer geraten, hieß es.

Das ukrainische Onlineportal "Ukrajinska Prawda" berichtete unter Berufung auf den Geheimdienst SBU, dass Kiew bei einer Spezialoperation im Schwarzen Meer zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte mit seinen Seedrohnen angegriffen und in Brand gesetzt habe. Die Schiffe sollen demnach leer auf dem Weg nach Noworossijsk gewesen sein, um dort eine neue Ölfracht aufzunehmen.

Türkei spricht von Vorfall in internationalen Gewässern

Auch die Türkei meldete Explosionen auf zwei Tankern im Schwarzen Meer. Der Tanker "Virat" sei nach Russland unterwegs gewesen, wiederholt angegriffen worden und habe kleinere Schäden erlitten, erklärte das türkische Verkehrsministerium auf der Plattform X. Der Vorfall soll sich in internationalen Gewässern ereignet haben. Der Kapitän der "Virat" habe einen Drohnenangriff gemeldet, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf den türkischen Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu.

Bereits am Freitag seien 25 Besatzungsmitglieder des zweiten Tankers "Kairos" von türkischen Rettungsteams evakuiert und an Land gebracht worden, so Uraloglu. Das Schiff soll von Ägypten nach Russland unterwegs gewesen sein. Es gab von offizieller türkischer Seite keine Details darüber, wie genau der Vorfall verlaufen sein soll.

Russische Ölindustrie

Im Februar war die größte Ölpumpstation des Konsortiums CPC in Russland bei einem Drohnenangriff im südrussischen Gebiet Krasnodar außer Betrieb gesetzt worden. Im Mai nahm sie die Arbeit wieder auf. Im September wurde das Büro des Konsortiums in Noworossijsk bei einem Drohnenangriff beschädigt, zwei Mitarbeiter seien verletzt worden, hieß es damals.

CPC transportiert nach eigenen Angaben Öl von großen Ölfeldern der zentralasiatischen Republik Kasachstan. Im vergangenen Jahr waren das demnach rund 63 Millionen Tonnen Öl; zwei Drittel davon entfielen demnach auf ausländische Unternehmen, darunter ExxonMobil , Eni und Shell ./mau/DP/he

Quelle: dpa-Afx