(neu: Vorbörslicher Kurs, Analystenstimmen)
MENLO PARK (dpa-AFX) - Facebook-Gründer Mark Zuckerberg trifft mit seinen großen KI-Visionen auf eine skeptische Wall Street. Trotz seiner Versprechen, den Alltag der Nutzer mit Künstlicher Intelligenz rund um die Uhr zu verändern, fiel die Aktie des Facebook-Konzerns Meta
Sollte Meta im regulären Handel so stark wie vorbörslich sinken, würde sich das Jahresminus auf rund ein Fünftel belaufen. Seit dem Rekordhoch von fast 800 US-Dollar würde der Verlust auf rund ein Drittel steigen. Damals war das Unternehmen mehr als zwei Billionen Dollar wert; inzwischen sind es wieder weniger als 1,5 Billionen. Da Unternehmenschef Zuckerberg auch viele Meta-Aktien hält, zählt er mit rund 200 Milliarden zu den vermögendsten Menschen der Welt.
JPMorgan-Experte: Klarheit zu Produkt-Pipeline und Ausgabenplanung fehlt
Meta übertraf nach Einschätzung des Jefferies-Experten Bent Thill mit dem Ergebnis die Erwartungen zwar leicht, doch zu den Investitionen in KI äußerte er sich kritisch. Der massive Ausbau im Bereich KI schreite weiter voran, noch bevor sich konkrete Erträge abzeichneten, monierte er. "Da keine Cloud-Deals angekündigt wurden und sich das Wachstum im dritten Quartal voraussichtlich erneut verlangsamen wird, bleibt die langfristige Kapitalrendite umstritten."
JPMorgan-Analyst Dough Anmuth bemängelte, dass es bei Meta an Klarheit gefehlt habe zu Produkt-Pipeline und Ausgabenplanung, auch wenn er das Potenzial etwa bei der Weiterentwicklung von Modellen und neuer Möglichkeiten der KI-Monetarisierung nach wie vor positiv sehe. "Investoren hatten sich mehr Klarheit über den Zeitplan und den Umfang neuer Geschäftsmöglichkeiten erhofft. Wir erfuhren jedoch kaum Neues", resümierte er.
KI-Wettlauf
Bei der Prognose für die Investitionen in KI-Infrastruktur hob Meta diesmal nur das untere Ende der Spanne von 125 auf 130 Milliarden Dollar an. Die erwartete Obergrenze bei den Kapitalinvestitionen blieb bei 145 Milliarden Dollar. 2025 gab der Konzern dafür gut 72 Milliarden aus.
Konzernchef Zuckerberg hat große Ambitionen, Rivalen wie den ChatGPT-Entwickler OpenAI sowie Google
Einige Experten und Anleger zweifeln unterdessen, ob das Geld wieder verdient werden kann. Zuckerberg betonte dagegen in einer Telefonkonferenz mit Analysten, es gebe aktuell nicht annähernd genug Angebot an Rechenleistung gemessen an der Nachfrage. Er signalisierte erneut, dass Meta überschüssige Kapazitäten an andere verkaufen könnte.
Das Geld für den KI-Ausbau liefert nach wie vor das boomende Werbegeschäft des Facebook-Konzerns. Im vergangenen Quartal steigerte Meta den Umsatz im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar. Unter dem Strich gab es einen Gewinn von rund 15,85 Milliarden Dollar - das waren 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Enttäuschte Erwartungen
Beim Ergebnis pro Aktie - dem Wert, auf den die Investoren achten - kam Meta auf 6,18 Dollar statt der von Analysten im Schnitt erwarteten 7,22 Dollar. Der Konzern musste im vergangenen Quartal rund 2,4 Milliarden für Rechtsstreitigkeiten zurückstellen. Unter anderem steht Meta im Mittelpunkt mehrerer US-Klagen, in denen dem Konzern unzureichender Schutz junger Nutzer vorgeworfen wird.
Meta stellte für das laufende Vierteljahr einen Umsatz zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar in Aussicht, während Analysten im Schnitt mit rund 63 Milliarden Dollar gerechnet hatten.
Auf mindestens eine Meta-App griffen zuletzt 3,6 Milliarden Nutzer zu. Drei Monate zuvor waren es 3,56 Milliarden gewesen. Zum Konzern gehören auch der Chatdienst WhatsApp, die Foto- und Video-Plattform Instagram sowie Threads, eine Alternative zu Musks Twitter-Nachfolger X./so/DP/zb/jha/
Quelle: dpa-Afx