(neu: Äußerung aus der Telefonkonferenz, Citigroup-Analyst)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Geschäfte des Herstellers von Halbleiterwafern zur Chipproduktion Siltronic nehmen Schwung auf. Nach einem deutlichen Umsatzwachstum im dritten Quartal blickt Firmenlenker Michael Heckmeier optimistischer auf das Gesamtjahr. "Mit der Erweiterung unserer 300 mm-Kapazitäten in Singapur begleiten wir das insbesondere durch Künstliche Intelligenz getriebene Marktwachstum", sagte der Manager laut Mitteilung vom Mittwoch. An der Börse griffen die Anleger bei den Aktien zu.

Die Nachfrage nach Siliziumwafern mit einem Durchmesser von 300 Millimetern sei stark. Bei 200-Millimeter-Wafern ist dies zunehmend ebenso seit dem zweiten Halbjahr, wenngleich hier der Produktmix noch eher unvorteilhaft ist, wie aus einer Präsentation hervorgeht. Zudem stiegen die Preise für 300-Millimeter-Wafer mittlerweile etwas an, bei den kleineren Siliziumscheiben gebe es eine Stabilisierung mit ersten positiven Anzeichen.

Es sei aber nicht ungewöhnlich, dass in einem neuen Aufwärtstrend in der Branche zuerst die Verkaufszahlen anzögen und dann die Preise folgten, so Heckmeier in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Rückenwind kommt vorwiegend vom starken Wachstum des Marktes für Server, der vom weltweit boomenden Bau von KI-Rechenzentren angetrieben wird. Die Nachfrage von Smartphone-Herstellern und seitens der klassischen PC-Industrie schwächelt hingegen, was vor allem am Mangel von Speicherchips liegt. So produzieren Speicherchiphersteller lieber lukrative Breitband-Speicherchips statt Standardware für normale PCs und Smartphones.

Branchenexperte Pavan Daswani von der Citigroup sieht unter anderem wegen des leicht verbesserten Verkaufsmix zugunsten der Nachfrage nach KI-Servern Unterstützung für die Gewinndynamik bis ins Jahr 2027 hinein.

Für 2026 rechnet die Siltronic-Führung wegen der Nachfrageentwicklung sowie wegen positiver Wechselkurseffekte durch den zum US-Dollar schwächeren Euro nun mit einem Umsatz auf dem Vorjahresniveau von knapp 1,35 Milliarden Euro. Bisher ging das Management von einem Rückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Analysten hatten ebenfalls einen leichten Erlösrückgang auf dem Zettel.

Vom Umsatz sollen im laufenden Jahr 22 bis 24 Prozent als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) übrig bleiben und damit am unteren Ende der Spanne 2 Prozentpunkte mehr als bisher erwartet.

Im dritten Quartal steigerte Siltronic den Umsatz im Jahresvergleich um gut 18 Prozent auf 355,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis wuchs um fast ein Viertel auf 81,3 Millionen Euro.

Unter dem Strich fiel bei der Beteiligung von Wacker Chemie aber erneut ein Verlust an, der mit 55 Millionen Euro höher war als die knapp 44 Millionen Euro vor einem Jahr. Das Minus geht auf hohe Abschreibungen zurück, die auch mit dem Bau einer Fabrik in Singapur in Zusammenhang stehen, die 2024 eingeweiht wurde.

Analyst Constantin Hesse vom Investmenthaus Jefferies schrieb in einer ersten Reaktion von einer überraschend guten Geschäftsentwicklung im dritten Quartal. Mit Blick auf die neuen Jahresziele hob er insbesondere den Margenausblick hervor, der eine verbesserte zugrundeliegende Profitabilität signalisiere.

Nach dem deutlichen Kursrückgang aufgrund der jüngsten Rotation vieler Investoren heraus aus Aktien mit KI-Bezug dürften die Resultate eine Kurserholung unterstützen, erwartet Hesse.

Der Aktienkurs von Siltronic schnellte zur Wochenmitte um 6,4 Prozent auf 63,30 Euro nach oben. Damit nimmt ein Erholungsversuch langsam Form an, nachdem die Aktien seit dem Hoch Ende Mai bis gegen Ende Oktober rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt hatten./mis/men/jha/

Quelle: dpa-Afx