(Angaben der Lufthansa zum Flug im Auftrag der Bundesregierung)

FRANKFURT/DUBAI/BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundesregierung will ihre Rückholaktion für Kinder, Kranke und Schwangere unter den in Nahost gestrandeten Deutschen an diesem Mittwoch starten. Ein erster Flug sei nach Maskat geplant, der Hauptstadt des Oman, kündigte Außenminister Johann Wadephul (CDU) im Sender Welt TV an.

Wegen der Eskalation des Nahost-Konflikts seit dem Wochenende sitzen weiterhin Zehntausende Menschen fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. Viele Staaten haben ihren Luftraum geschlossen, Kreuzfahrtschiffe liegen in Häfen fest.

"Wir müssen schauen, wen wir dort mitnehmen können"

Die Bundesregierung werde versuchen, alte, kranke und schwache Menschen sowie schwangere Frauen und Kinder nach Deutschland zurückzubringen. "Wir müssen schauen, wen wir dort mitnehmen können", sagte Wadephul.

Die Lufthansa nannte Details zu dem geplanten Evakuierungsflug im Auftrag der Bundesregierung: Demnach soll ein Jet vom Typ Airbus A340-300 in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die Menschen nach Hause bringen. Die Maschine hat in der Konfiguration der Lufthansa 279 Passagiersitze.

Wie viele Passagiere mit an Bord sein könnten, wollte der Minister nicht sagen. Dies werde sich nach der Größe des Flugzeuges richten, die er noch nicht exakt kenne. Es werde aber eine Maschine in der Größenordnung sein, mit der auch sonst üblicherweise Touristen über entsprechend große Entfernungen transportiert würden.

Passagiere müssen über Landweg nach Oman reisen

Man müsse "ein bisschen danach gehen, welche Personen da sind", sagte Wadephul. Die Passagiere müssten teils zunächst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in den Oman ausreisen. Das Auswärtige Amt habe in diesem Zusammenhang sein Personal verstärkt. "Aber es hängt natürlich auch davon ab: Wer schafft diesen Landweg. Wer kann sich ein Fahrzeug besorgen." Hier sei man auf eine enge Zusammenarbeit mit den Reiseverkehrsunternehmen angewiesen. Zudem werde der eine oder andere auch individuell anreisen.

Allen anderen deutschen Staatsbürgern außerhalb dieser besonders hilfsbedürftigen Gruppe müsse man entweder noch einen längeren Aufenthalt zumuten oder anbieten, direkt von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus nach Deutschland zu fliegen. "Ich bin guter Dinge, dass wir jetzt in den nächsten Tagen vorankommen", so dass "die allermeisten der deutschen Touristen endlich zurückkommen können nach Deutschland", sagte Wadephul.

Emotionales Wiedersehen: Flieger aus Dubai in Frankfurt gelandet

Unterdessen landete nach den zahlreichen Flugausfällen wegen des Iran-Krieges am Dienstag ein erstes Flugzeug der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai wieder in Frankfurt am Main. Der Linienflieger landete um kurz nach 13.30 Uhr. Ein Ehepaar wartete am Gate sehr besorgt auf den Sohn, eine Frau hatte rote Rosen für ihren Partner dabei.

Einige Passagiere zeigten sich erleichtert, wieder in Deutschland zu sein. Bei einer Begrüßung flossen Tränen. Ein Fluggast erzählte, dass er das Ticket selbst am Montagabend bei Emirates gebucht habe. Andere berichteten, sie hätten Hilfe vom Hotel bekommen oder am Flughafen noch Tickets erhalten. Wie viele Passagiere insgesamt an Bord waren, teilte die Airline zunächst nicht mit.

Am Münchner Flughafen sollte am Abend eine Sondermaschine von Emirates aus Dubai ankommen. An Bord sind nach Angaben eines Sprechers des Reisekonzerns Tui voraussichtlich rund 200 Tui-Gäste.

Emirates: Begrenzte Zahl an Rückkehrer-Flügen läuft wieder

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Samstag eine teilweise Schließung ihres Luftraums angekündigt und alle Flüge an den Flughäfen von Dubai ausgesetzt. Am Montag teilte das Medienbüro von Dubai am Abend mit, es werde wieder eine kleine Anzahl an Flügen möglich. Emirates erklärte, eine begrenzte Zahl an Rückkehrer- und Frachtflügen laufe wieder. Etihad Airways mit Sitz in Abu Dhabi flog laut Flugzeugtrackern unter anderem London, Paris, Amsterdam und Moskau an.

Warum die Flüge nun teils wieder aufgenommen wurden, teilten die emiratischen Behörden nicht mit. Denn die Gefahr iranischer Angriffe im Land und der Region besteht weiterhin. Ziel ist vermutlich, zumindest teilweise eine Heimkehr für gestrandete Touristen zu ermöglichen. Die Emirate wollen auch den Eindruck vermitteln, dass der Alltag im Land trotz der Angriffe weitergeht - dazu zählt auch eine schrittweise Normalisierung des Flugverkehrs.

Nach Angaben des DRV sind derzeit allein rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter betroffen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts nannte dies "eine einigermaßen verlässliche Größe".

Kritik am Vorgehen der Bundesregierung

Aus der Opposition kommt weiter Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann forderte einen entschlosseneren Einsatz zur Rückholung deutscher Staatsbürger. "Die Bundesregierung muss jetzt dafür Sorge tragen, dass die Zivilistinnen und Zivilisten, die in der Region festsitzen, weil es keine Möglichkeit für Flüge gibt, nach Deutschland kommen können", sagte sie. "Wir haben hier eine Schutzverantwortung."

Außenminister Wadephul korrigierte derweil eine Äußerung im ZDF-"heute-journal" zum Zeitpunkt einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amts für die Golfstaaten. "Ich bedaure den Irrtum im @heutejournal gestern", schrieb der CDU-Politiker auf X. Die formelle Reisewarnung für die Golfstaaten bestehe in der Tat seit dem 28. Februar, ergänzte er. Das deutsche Außenministerium warne seit Mitte Januar vor einer möglichen Eskalation und Einschränkungen im Flugverkehr. Wadephul hatte am Montagabend in der Sendung auf mehrere Nachfragen von Moderatorin Marietta Slomka mehrfach darauf beharrt, dass es bereits vor dem 28. Februar eine Reisewarnung gegeben habe.

Auch erste Rückholflüge von Reiseveranstaltern geplant

Deutsche Reiseveranstalter arbeiten parallel weiter an der Rückreise festsitzender Urlauber. "Es geht darum, die Gäste zu beruhigen, Sachlichkeit, transparente Kommunikation mit ihnen zu haben, damit eben keine Panik ausbricht", sagte Anke Budde, Präsidentin der Allianz Selbstständiger Reiseunternehmen, im rbb-Inforadio. Zugleich warnte sie vor wirtschaftlichen Folgen, falls mit Dubai und Doha wichtige internationale Drehkreuze länger eingeschränkt bleiben. "Es herrscht eine große Unsicherheit."

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) setzt auf enge Abstimmung mit Behörden. DRV-Sprecher Thorsten Schäfer bekräftigte im Deutschlandfunk die Empfehlung des Auswärtigen Amts, "im Hotel zu bleiben und sich nicht auf eigene Faust in ein anderes Land oder zum Flughafen zu begeben"./pls/DP/stw

Quelle: dpa-Afx