(neu: Aussagen aus der Analystenkonferenz, Kurs)

JENA (dpa-AFX) - Der Technologiekonzern Jenoptik profitiert weiter vom KI-Boom und hat im zweiten Quartal überraschend viel verdient. Vor allem wegen der starken Entwicklung im Halbleiterbereich formuliert das Management seine Jahresziele nun etwas optimistischer. Schub gab zuletzt ein starker Auftragseingang nicht allein aus der Chipindustrie. Das hohe Buchungsniveau müsse sich aber nicht zwangsläufig auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, warnte Finanzchefin Prisca Havranek Kosicek in einer Analystenkonferenz am Mittwoch.

Unter dem neuen Vorstandschef Dominic Dorfner ist zudem die nach einem Personalwechsel oft übliche strategische Überprüfung angelaufen. Ergebnisse soll es aber nicht vor Jahresende geben. Der studierte Physiker löste Anfang August seinen langjährigen Vorgänger Stefan Träger an der Unternehmensspitze ab, der bereits Mitte Februar das Unternehmen verlassen hatte.

An der Börse blieb von den morgendlichen Gewinnen von bis zu 7 Prozent am Nachmittag noch ein Plus von rund vier Prozent. Damit setzt sich die jüngste Erholung fort, nachdem der Kurs zuvor von seinem Rekordhoch bei 48,42 Euro um fast ein Fünftel gefallen war. Mit 40,84 Euro kostet die Aktie aber immer noch mehr als doppelt so viel wie zum Jahreswechsel.

Jenoptik peilt für das Gesamtjahr nun einen Umsatz und die operative Marge (Ebitda-Marge) jeweils in der oberen Hälfte der bisherigen Prognosespannen an. Bislang ist für 2026 ein Erlösplus im einstelligen Prozentbereich vorgesehen und eine Marge von 19 bis 21 Prozent.

Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz im Vorjahresvergleich um 3 Prozent auf 262 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 28 Prozent auf 54,5 Millionen Euro, die Marge von 16,7 auf 20,8 Prozent. Analysten hatten weniger erwartet. Nach Steuern verdiente Jenoptik 23 Millionen Euro, 43 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der Konzern profitierte neben den Kostensenkungen des Vorjahres von einem besseren Produktmix, höherer Auslastung und einem kräftigen Ergebnissprung im Halbleiterbereich. Auch im Geschäft mit optischen und digitalen Systemen für Verkehrsüberwachung und öffentliche Sicherheit zog der Betriebsgewinn deutlich an. Das Segment "Metrology & Production Solutions" schrieb im zweiten Quartal dagegen rote Zahlen, unter anderem wegen der weiterhin schwierigen Lage der Autoindustrie.

Analysten reagierten positiv. Jefferies-Experte Henrik Paganetty sprach von einem starken Bericht. Der Auftragseingang habe im zweiten Quartal 15 Prozent über den durchschnittlichen Erwartungen gelegen. Auch Malte Schaumann von Warburg Research hob den starken Auftragseingang hervor.

Noch im vergangenen Jahr hatte Jenoptik unter der schwächeren Nachfrage aus Chip- und Automobilindustrie gelitten und Umsatz und Gewinn eingebüßt. Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 stabilisiert sich aber das Halbleitergeschäft, und seit Jahresbeginn ist eine echte Trendwende mit stark steigenden Aufträgen zu beobachten. Treiber ist das KI-Geschäft, da die Branche massiv in Rechenzentren und immer effizientere Chips für Künstliche Intelligenz investiert.

Im zweiten Quartal zog Jenoptik mit 366,6 Millionen Euro gut ein Drittel mehr Aufträge an Land als vor einem Jahr. Der Konzern beliefert unter anderem den weltgrößten Chipindustrieausrüster ASML . Laut Finanzchefin Havranek Kosicek trugen auch große Buchungen im Photonikbereich bei, insbesondere aus den Branchen Life Science und Verteidigung, die früher als erwartet eingingen.

Im Halbleiterbereich sei der Aufschwung "voll im Gange", ergänzte die Managerin. Für das zweite Halbjahr zeigte sie deshalb für das Halbleitergeschäft zuversichtlich, da es bisher keinerlei Vorzieheffekte gegeben habe. Eine direkte Fortschreibung der zuletzt außergewöhnlich hohen Bestellniveaus sei aber nicht zwingend zu erwarten.

Für den Hochlauf im Halbleitergeschäft baut Jenoptik selbst Kapazitäten und Belegschaft aktuell aus und fährt parallel die Lieferketten hoch. Echte Engpässe gebe es derzeit nicht, die Situation werde aber genau beobachtet.

Jenoptik ist aus dem Carl-Zeiss-Konzern hervorgegangen und hat in den vergangenen Jahren den Umbau zur Photonik vorangetrieben. Das Unternehmen fokussiert sich auf Wachstumsmärkte wie Halbleiter und Elektronik, Medizintechnik, Biowissenschaften und Smart Mobility.

Dazu trennte sich der Konzern von diversen Unternehmensteilen, etwa 2022 von der Militärtechniksparte Vincorion. Auf der Verkaufsliste steht noch der Automatisierungsspezialist Prodomax. An den strategischen Verkaufsabsichten habe sich trotz der zuletzt leicht verbesserten Auftragslage beim kanadische Unternehmen nichts geändert, so die Finanzvorständin./tav/mne/jha/

Quelle: dpa-Afx