AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen hat das Margenziel für dieses Jahr gesenkt und für die kommenden Jahre gleich ganz gestrichen. So rechnet das Unternehmen im laufenden Jahr bei der Marge gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) jetzt nur noch mit einem Wert von 50 Prozent und damit rund zwei Prozentpunkte weniger als bisher. Das mittelfristige Ziel einer Marge von mehr als 55 Prozent wurde ganz gestrichen. An der Börse sorgte dies für zweistellige Verluste.

Mit dem gestrichenen 2028er-Margenziel will sich das Adyen-Management um die beiden Chefs Pieter van der Does und Ingo Uytdehaage mehr Flexibilität beim Ausbau des Geschäfts verschaffen. Es stellt also erst mal Investitionen in das Wachstum über den Anstieg des Gewinns. Angaben zur Profitabilität und zum Gewinn im dritten Quartal machte der Konzern wie üblich im Herbst nicht.

Der Umsatz legte in den drei Monaten bis Ende September um 23 Prozent auf 738 Millionen Euro zu, wie das Unternehmen am Mittwoch in Amsterdam mitteilte. Das Wachstum fiel damit etwas stärker als erwartet aus. Das Umsatzziel für das laufende Jahr wurde bestätigt. Demnach rechnet Adyen im laufenden Jahr unter anderem dank der Zukäufe der Unternehmen Talon.One und Orb mit einem um Währungseffekte bereinigten Anstieg von 21 bis 23 Prozent.

Im dritten Quartal sei der Umsatz währungsbereinigt um 22 Prozent, also in der Mitte der anvisierten Bandbreite, gestiegen. Das Volumen der über Adyen-Technik abgewickelten Zahlungen zog um 30 Prozent auf 451 Milliarden Euro an - damit wurde den Angaben des Unternehmens zufolge einmal mehr das Marktwachstum übertroffen.

An der Börse half das nicht weiter. Im Gegenteil: Die gekappte Margenprognose belastete die im EuroStoxx 50 notierte Aktie stark. Sie fiel am späten Vormittag elf Prozent auf 840 Euro und baute damit ihr Jahresminus auf 39 Prozent aus. Damit knüpfen die Adyen-Anteile an die schwache Entwicklung der vergangenen Jahre an. Seit dem Rekordhoch von 2.835 Euro vor gut fünf Jahren sank der Börsenwert um 70 Prozent auf zuletzt nur noch knapp 27 Milliarden Euro.

Das Unternehmen ist seit 2018 an der Börse. Das Papier war von Anfang an stark gefragt. Am ersten Handelstag hatte sich der Kurs vom Ausgabepreis in Höhe von 240 Euro fast verdoppelt. Die Bewertung ist von rund 7,5 Milliarden Euro zum Start bis auf knapp 90 Milliarden Euro in der Corona-Pandemie gestiegen. Damals schnellte die Nachfrage nach Online-Zahlungen nach oben. Zudem verschwand mit der Wirecard-Insolvenz ein wichtiger Konkurrent.

Adyen wurde 2006 gegründet und profitiert vom Boom bei Zahlungen mit Karten in Geschäften und dem stark anziehenden Onlinehandel. Zu den Kunden zählen unter anderem Booking.com , Delivery Hero , Ebay , Easyjet , Spotify und Zalando .

Viele Experten wie Barclays-Experte Sven Merkt stuften die gesenkte 2026er-Margenprognose und das gestrichene Mittelfristziel als zunächst negativ ein. Positiv sei, dass dies Spielraum für weitere Investitionen in die Technik oder Zukäufe gebe, um langfristig stark zu wachsen. So bestätigte er seine Kaufempfehlung. JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande sieht dies ähnlich.

Er geht aber davon aus, dass die durchschnittliche Gewinnerwartung in diesem Jahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich sinken könnte. In den Jahren danach könnte es sogar mehr sein. Deshpande empfiehlt das Papier wie der Großteil der von Bloomberg erfassten 41 Analysten zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt aktuell noch bei knapp 1.400 Euro. Das dürfte aber in den kommenden Tagen sinken./zb/lew/stk

Quelle: dpa-Afx