TOULOUSE (dpa-AFX) - Der weltgrößte Flugzeughersteller Airbus steuert trotz eines Sommers mit Produktionsmängeln weiterhin auf ein Rekordjahr zu. Wie geplant sollen rund 870 Verkehrsflugzeuge den Weg zu den Kunden finden und damit etwas mehr als die 863 Jets aus dem Spitzenjahr 2019, kurz vor der Corona-Pandemie. Im dritten Quartal musste sich Airbus jedoch mit technischen Mängeln an gleich zwei Flugzeugtypen herumschlagen. Die Auslieferungen stockten, und der Umsatz und der Gewinn im Tagesgeschäft gingen zurück. Vorstandschef Guillaume Faury zeigte sich dennoch zuversichtlich, seine Jahresziele zu erreichen.

Die Airbus-Aktie reagierte am Abend kaum auf die Neuigkeiten. Im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate wurde sie zuletzt auf dem Niveau des Xetra-Schlusskurses von 192 Euro gehandelt.

Im dritten Quartal musste Airbus ein Problem am Seitenleitwerk des Großraumjets A330neo lösen - und neue Maschinen des Typs konnten zunächst nicht ausgeliefert werden. Außerdem fand der Hersteller an Längsversteifungen seines stark gefragten Mittelstreckenjets A321neo Unregelmäßigkeiten beim Oberflächenschutz. Laut dem Fachmedium "The Air Current" waren sogar mehrere hundert Flugzeuge betroffen. Allerdings habe es sich nicht um ein Sicherheitsproblem gehandelt, betonte Faury.

Trotz des laufenden Produktionsausbaus lieferte Airbus im dritten Quartal etwas weniger Verkehrsflugzeuge aus als ein Jahr zuvor. Hinzu kam ein aus Sicht des Herstellers ungünstigerer Produktmix.

Entsprechend ging Airbus' Umsatz im Jahresvergleich um zwei Prozent auf knapp 17,5 Milliarden Euro zurück, während Analysten mit einem Anstieg gerechnet hatten. Der Gewinn im Tagesgeschäft sank etwa wie erwartet um neun Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro, wobei die Rüstungs- und Raumfahrtsparte deutlich zulegte. Der Überschuss des Konzerns wuchs auch dank positiver Sondereffekte um ein Fünftel auf gut 1,3 Milliarden Euro.

Hatte Faury den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney Anfang 2026 für schleppende Lieferungen kritisiert, zeigte er sich am Mittwochabend zufrieden. Airbus habe inzwischen genügend Bauteile, um seine Ziele für 2026 zu erreichen. Im Februar und im April hatte Faury der Tochtergesellschaft des US-Konzerns RTX die Schuld daran gegeben, dass der weltgrößte Flugzeughersteller seine Produktion nicht schneller ausweiten kann.

Zudem zeigte sich Faury weiterhin optimistisch, dass der Konzern seinen bereinigten operativen Gewinn im Gesamtjahr wie vorgesehen auf rund 7,5 Milliarden Euro steigern kann. Nach den ersten neun Monaten stehen 4,5 Milliarden in den Büchern, und Analysten hatten für das Gesamtjahr zuletzt schon 7,7 Milliarden auf dem Zettel. Für die kommenden Jahre hat er sich seit dem Sommer noch deutlich mehr vorgenommen: Bis 2029 soll dieses Ergebnis auf 12 bis 13 Milliarden Euro klettern.

Dabei kann die Airbus-Führung auf tausende Bestellungen bauen. Ende September saß der Hersteller über alle Modelle hinweg auf einem Auftragsbestand von mehr als 9.300 Passagier- und Frachtflugzeugen. Die Bestellungen reichen rechnerisch für mehr als zehn Jahre. Der Konzern treibt deshalb seit Jahren den Ausbau seiner Produktion voran, doch wichtige Zulieferer wie Triebwerkshersteller können bislang kaum so viel liefern wie gewünscht.

Mit Blick auf die hohen Öl- und Kerosinpreise sprach Faury von einem schwierigen Umfeld für die Luftfahrtbranche. Fluggesellschaften ächzen unter den stark gestiegenen Treibstoffkosten, und erste Airlines haben schon Insolvenz beantragt.

Moderne Jets mit einem geringeren Treibstoffverbrauch sind seit Jahren stark gefragt - nicht erst seit der Iran-Krieg die Kerosinpreise in diesem Jahr extrem in die Höhe getrieben hat. Die großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing können die Nachfrage kaum befriedigen - nicht nur wegen knapper Bauteile.

So steckt der US-Konzern Boeing seit den tödlichen Abstürzen zweier Mittelstreckenjets in den Jahren 2018 und 2019 in einer Dauerkrise und musste seine Produktion drosseln, statt sie auszubauen. Inzwischen geht es bei Boeing wieder aufwärts, doch seine modernisierten Flugzeugtypen wie der Großraumjet 777X und die Langversion des Mittelstreckenjets 737 Max haben etliche Jahre Verspätung./stw/tih/he

Quelle: dpa-Afx