Leverkusen (dpa-AFX) - Der durch US-Glyphosatklagen von hohen Schulden belastete Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer verschafft sich durch einen Milliardendeal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo mehr finanziellen Spielraum. Apollo erhalte eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Verhütungsmitteln (LARC) einbringe, teilte der Dax-Konzern am Freitag mit. Dadurch sichert sich Bayer den Angaben zufolge 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital.

Bayer behält die Anteilsmehrheit an der Gesellschaft sowie die vollständige operative Kontrolle über das LARC-Geschäft, das Teil des Kerngeschäfts der Pharmasparte bleibt. Der Abschluss der Transaktion werde für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Zur aktuellen Umsatz- und Gewinnentwicklung der Sparte macht Bayer keine Angaben. Laut Geschäftsbericht erzielte das Unternehmen 2025 mit Produkten wie den Hormonspiralen Mirena, Kyleena und Jaydess Erlöse von fast 1,4 Milliarden Euro.

Bayer ist in den USA seit Jahren mit einer milliardenteuren Klagewelle wegen angeblicher Krebsrisiken seiner glyphosathaltigen Unkrautvernichter konfrontiert. Allerdings schloss das Unternehmen im Februar einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar (knapp 6,4 Mrd Euro) zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten, der bereits vorläufig genehmigt wurde. Die Anhörung für eine endgültige Genehmigung soll am 19. August stattfinden.

Im Zuge der Bekanntgabe des Sammelvergleichs hatte Bayer gesagt, dass eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung nicht geplant sei. Vielmehr sei die Finanzierung des Vergleichs sowie bestimmter Anleihefälligkeiten durch eine Kreditlinie von 8 Milliarden US-Dollar gesichert. Die Kreditlinie soll dann über Anleihen sowie Instrumente refinanziert werden, die Ratingagenturen als eigenkapitalähnlich einstufen. Der aktuelle Deal dürfte zu den Refinanzierungsmaßnahmen gehören.

Zudem hatte Bayer erst jüngst einen wichtigen Erfolg vor dem Obersten Gericht in den USA erzielt. Dem Urteil des US Supreme Court zufolge kann Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden. Bayer verneint ein Krebsrisiko von Roundup.

Für die Bayer-Aktie ging es am Freitag unter den Favoriten im deutschen Leitindex Dax um rund ein halbes Prozent auf 50,92 Euro nach oben. Damit nähert sich der Kurs wieder dem jüngsten Zwischenhoch. So hatte das für Bayer positive Urteil des US Supreme Court für einen Befreiungsschlag gesorgt und den Kurs Ende Juni nach oben katapultiert. Für 2026 steht aktuell ein Kursgewinn von rund 38 Prozent auf dem Zettel./mis/men/stk

Quelle: dpa-Afx