BREMEN (dpa-AFX) - Der Entwickler und Betreiber von Wind- und Solarparks Energiekontor hat am Donnerstagabend das am Morgen mit dem Halbjahresbericht noch bestätigte Gewinnziel für 2026 gesenkt. Grund für die kurzfristige Senkung seien deutlich spätere Netzanschlusstermine mehrerer schottischer Windparkprojekte und daraus resultierende Auswirkungen auf bisher vorgesehene ergebnisrelevante Projektverkäufe, teilte das Unternehmen am Abend in Bremen mit. Zwei der drei betroffenen Projekte seien zentraler Bestandteil der Prognose gewesen. Anleger waren bedient.

Nachdem sie bereits den Halbjahresbericht am Vortag mit knapp 7 Prozent Kursminus abgestraft hatten, brach die Aktie am Freitag kurz nach Handelsbeginn um weitere fast 16 Prozent ein. Der Abwärtstrend seit Mitte Mai setzt sich damit beschleunigt fort: Damals hatte ein Anteilsschein noch mehr als 50 Euro gekostet. Nun wurde das Tief von Mitte März bei gut 30 Euro durchbrochen. Zuletzt kostete eine Aktie 27,40 Euro. Seit dem Jahreswechsel steht ein Abschlag von rund einem Viertel zu Buche.

Energiekontor erwartet 2026 nun nur noch ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 5 bis 10 Millionen Euro. Noch am Donnerstagmorgen war das alte Ziel von 40 bis 60 Millionen bestätigt worden. Vom Unternehmen befragte Analysten hatten rund 50 Millionen erwartet.

Entgegen der im Halbjahresbericht bestätigten Ergebnisprognose haben sich im Nachgang zu dessen Veröffentlichung neue Entwicklungen bei den Netzanschlussterminen mehrerer schottischer Windparkprojekte ergeben, hieß es weiter. Infolge der nun deutlich späteren Netzanschlusstermine sei aus heutiger Sicht nicht mehr davon auszugehen, dass die ursprünglich geplanten Ergebnisbeiträge aus den vorgesehenen Projektverkäufen im Geschäftsjahr 2026 realisiert werden könnten. Aktuell sei eher von einer Ergebnisverschiebung ins nächste Geschäftsjahr auszugehen.

Demnach realisieren sich die bislang für 2029 vorgesehenen Netzanschlusstermine für drei schottische Windparkprojekte erst 2031. Grund ist laut dem Unternehmen ein laufendes Rechtsverfahren gegen die an den Netzbetreiber (Scottish Power Transmission) erteilte Genehmigung für den Bau einer für den Netzanschluss erforderlichen Überlandleitung. Eine gerichtliche Klärung wird in der ersten Jahreshälfte 2027 erwartet, bis dahin können die erforderlichen Arbeiten aber nicht fortgeführt werden.

Energiekontor wurde 1990 gegründet und ging im Jahr 2000 an die Börse. Seit 2022 sind die Aktien im SDax gelistet. Über die Hälfte der Papiere befindet sich in den Händen der beiden Gründer. Die Bremer Firma beschäftigt 260 Angestellte./lew/jha/err/jha/

Quelle: dpa-Afx