FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Gabelstapler-Hersteller Kion kann mit seinen Maschinen nicht überzeugen. In einem wachsenden Markt für Flurförderzeuge konnte das Stapler-Segment nicht mit der Marktentwicklung Schritt halten, wie das Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt bei der Vorlage des Quartalsberichts mitteilte. Dies gilt den Angaben zufolge insbesondere im hochpreisigeren Segment. Im dritten Quartal ging der Auftragseingang um knapp ein Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro zurück.

Kion bedient mit seinen verschiedenen Marken für Gabelstapler und Lagertechnik unterschiedliche Preisklassen: Vor allem die Premium-Produkte von Linde und Still kommen momentan offenbar bei den Kunden nicht gut an. Und auch bei den etwas günstigeren Staplern von Baoli ist die Nachfrage gebremst. So verkaufte Kion in den ersten neun Monaten zwar eine höhere Anzahl Maschinen, aber der Wert des Auftragseingangs ist im Jahresverlauf rückläufig.

Das lag Kion zufolge auch an dem starken Wachstum in der asiatisch-pazifischen Region. Dort legten die Bestellzahlen um ein Fünftel zu - aber dort werden tendenziell eher günstigere Maschinen gekauft. JPMorgan-Experte Akash Gupta hofft daher in der am Nachmittag anstehenden Telefonkonferenz mit Analysten auch auf Hinweise darauf, wann mit einer Erholung der großen Stapler zu rechnen ist.

Anleger waren von den Neuigkeiten wenig beeindruckt: Die im MDax notierte Aktie lag zuletzt leicht im Minus. Seit Jahresbeginn hat sie allerdings rund die Hälfte an Wert verloren. Seit dem Rekordhoch von etwas mehr als 100 Euro vor fünf Jahren beläuft sich das Minus auf rund zwei Drittel. 2021 war die Aktie wegen des weltweiten E-Commerce-Booms in der Corona-Pandemie und der entsprechend hohen Nachfrage nach Lagerautomatisierung stark gefragt.

Die Frankfurter hatten bereits vor rund zwei Wochen vorläufige Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, die nun bestätigt wurden. Mitte Oktober hatte Kion zudem seine Jahresprognose gesenkt und das Erreichen des mittelfristigen Ziels einer zweistelligen Marge auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Im abgelaufenen Jahresviertel verdienten die Frankfurter knapp 102 Millionen Euro und damit rund 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Für 2026 erwartet das Management um Rob Smith mittlerweile einen Umsatz zwischen 11,45 und 11,75 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bei 815 bis 875 Millionen Euro liegen. Und das ursprünglich für nächstes Jahr avisierte Ziel einer zweistelligen operativen Marge wird erst nach 2027 zu erreichen sein.

Lucas Ferhani von Jefferies merkte an, dass Analysten momentan selbst für 2030 lediglich eine konzernweite Marge von 9,8 Prozent auf dem Zettel haben. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die für Kion ziemlich holprig verlaufenen vergangenen Jahre: Im Stapler-Segment konnte die zweistellige Marge zwar zwischenzeitlich erreicht, aber nicht gehalten werden.

Und im Geschäft mit Automationssystemen für Lager litt Kion lange Zeit darunter, in bestehenden Verträgen keine Preisklauseln für Inflationsanpassungen gehabt zu haben. Der Großteil dieser verlustbringenden Verträge ist zwar mittlerweile abgearbeitet, aber noch nicht alle./lew/tav/zb

Quelle: dpa-Afx