VEVEY (dpa-AFX) - Der Schweizer Nahrungsmittelhersteller Nestlé hat vorsichtig auf die in Russland verfügte Zwangsverwaltung zweier Tochtergesellschaften reagiert. Das Unternehmen spricht von einer "vorübergehenden" externen Verwaltung. Die Tochtergesellschaften sollen laut russischem Dekret künftig von der russischen Firma L.E.V. Management verwaltet werden.

"Nestlé ist entschlossen, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um seine Rechte zu wahren und die Kontinuität des Geschäftsbetriebs im Interesse aller Beteiligten, insbesondere seiner Mitarbeiter, sicherzustellen", teilte das Unternehmen in Vevey am Genfersee mit.

Kreml erklärt Entscheidung

Kremlchef Wladimir Putin hatte das Russland-Geschäft von Nestlé und anderen Unternehmen, darunter der französische Warenhauskette Auchan, am Freitag per Dekret unter Zwangsverwaltung gestellt. Es gehe bisher ausschließlich um eine externe Verwaltung, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. "Bisher sind keine anderen Entscheidungen getroffen worden", antwortete er auf die Frage, ob auch die Aktiva einem neuen Eigentümer übergeben würden. Die für die Fremdverwaltung ausgewählte Firma passe am besten zu den Unternehmen. Details nannte er nicht.

Die Entscheidung sei gefallen, weil es sich um Unternehmen aus unfreundlichen Ländern handle, deren Staatsführungen durch die Hilfe für Kiew in den Ukraine-Krieg verwickelt seien, erklärte Peskow. Die Militärhilfe aus diesen Ländern werde aktiv von Kiew für Schläge gegen die zivil-wirtschaftliche Infrastruktur in Russland genutzt, sagte Peskow. Die Ukraine wehrt sich auch mit Drohnenangriffen im russischen Hinterland gegen den Angriffskrieg, den Putin vor mehr als viereinhalb Jahren begonnen hatte.

Sechs Standorte

Nestlé produziert in Russland an sechs Standorten unter anderem Süßwaren, Babynahrung und Tierfutter. Am Konzernumsatz von heute gut 89 Milliarden Franken machte das Geschäft in Russland vor der russischen Vollinvasion in der Ukraine 2022 etwa zwei Prozent aus. Analysten schätzten den Wert der Geschäfte in Russland auf umgerechnet bis zu 1,7 Milliarden Franken.

Nestlé hatte sein Geschäft nach der russischen Vollinvasion im Nachbarland Ukraine 2022 nicht eingestellt. Sein Argument war, auch in Konfliktregionen brauche die Bevölkerung Nahrungsmittel. Andere wie der französische Lebensmittelkonzern Danone , die dänische Brauerei Carlsberg und das niederländische Unternehmen Heineken waren in Russland ebenfalls unter staatliche Verwaltung gestellt worden und hatten das Geschäft dann verkauft./oe/DP/stw

Quelle: dpa-Afx