Die Sektorrotation an den Börsen ist unübersehbar – und sie lässt sich derzeit besonders gut am Motto „Raus aus Software“ festmachen. Werden Investoren nun im großen Stil von Growth- in Value-Aktien umschichten?

Nach Jahren, in denen Cloud-, Plattform- und KI-getriebene Techwerte nahezu jede Marktphase dominierten und die Magnificent-7-Aktien billionenschwer wurden, ziehen Anleger nun Kapital aus Software- und Wachstumsaktien ab. Stattdessen fließt Geld in Branchen, die lange als langweilig galten: Konsumgüter, Energie, Industrie und klassische Finanzwerte. Diese Bewegung markiert mehr als nur eine kurze Korrektur – sie steht möglicherweise für ein Comeback des Value-Stils.

Was Investoren derzeit verunsichert

Der Auslöser für die Rotation liegt in einer wachsenden Skepsis gegenüber den erzielbaren Renditen auf die hunderte Milliarden teuren KI-Investitionen. Anleger bewerten Tech-Unternehmen heute differenzierter als je zuvor: Hohe Ausgaben für Rechenzentren und künstliche Intelligenz werden akzeptiert – aber nur, wenn die Gewinne überzeugen. Enttäuschen die Ergebnisse, werden die hohen KI-Ausgaben schnell als Fehlinvestition interpretiert. Das zeigte sich jüngst besonders deutlich bei Alphabet, dessen Quartalszahlen zwar solide ausfielen, dessen angekündigte höhere Investitionen aber für heftige Kursausschläge sorgte. Genauso wie am Donnerstagabend nach entsprechenden Ankündigungen von Amazon. Die Reaktion des Marktes war symptomatisch: weniger Euphorie, mehr Nüchternheit.

Gleichzeitig vollzieht sich an der Nasdaq seit rund zwei Monaten eine klare Verschiebung weg von Technologie hin zu anderen Marktsegmenten. US-Software-Titel litten besonders stark: Der Sektor liegt seit Jahresbeginn zweistellig im Minus. Auslöser war unter anderem die Sorge, dass neue KI-Tools – etwa im Bereich juristischer Workflow-Software – traditionelle Geschäftsmodelle unter Druck setzen könnten. Unternehmen wie Thomson Reuters erlebten daraufhin historische Kurseinbrüche. Die Botschaft ist eindeutig: Wer potenziell von KI verdrängt werden kann, wird von Investoren gnadenlos abgestraft.

Diese Entwicklung hat auch systematische Investoren – insbesondere Quant-Fonds – überrascht. Viele Strategien basieren auf Momentum, also der Annahme, dass Gewinner weiter steigen und Verlierer weiter fallen. Doch zuletzt kam es zur stärksten Umkehr dieser Logik seit dem „Vaccine Day“ (Erfindung des Covid-Impfstoffs) im November 2020. Value-Aktien schlugen Momentum-Titel mit ungewöhnlicher Wucht – ein seltenes und marktprägendes Ereignis.

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Auf der Suche nach attraktiven Value-Aktien

Vor diesem Hintergrund suchen Investoren am Markt nun gezielt nach Value-Titeln. Gefragt sind Unternehmen mit stabilen Cashflows, moderaten Bewertungen und geringer direkter Tech-Exponierung. Besonders profitierten zuletzt Konsumgüterhersteller, Versorger, Energieproduzenten und ausgewählte Industriewerte. Der Russell 1000 Value Index hat seit November deutlich besser abgeschnitten als sein Growth-Pendant, und der Rebound im Bereich Consumer Staples war besonders auffällig: Mit Walmart kletterte erstmals ein Einzelhändler auf eine eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar.

Da US-Werte derzeit unter einem trump-bedingten Imageproblem leiden, bieten sich diesseits des Atlantiks folgende Unternehmen als Value-Investments an: Nestlé, Unilever, TotalEnergies, Novartis, Iberdrola, Allianz und Munich Re. Diese Unternehmen passen gut zur aktuellen Value-Rotation, weil sie weniger von teuren KI-Investitionen abhängen als viele Software- und Cloudfirmen und damit geringere Technologie- und Bewertungsrisiken tragen. Sie verfügen über stabile, planbare Cashflows und verlässliche Dividenden, was sie besonders attraktiv macht, wenn Momentum-Titel schwächeln. Zudem sind sie fest in der Realwirtschaft verankert – etwa in Konsumgütern, Energie, Industrie, Versicherung oder Infrastruktur – und profitieren eher von einer robusten Konjunktur als von kurzfristigem Tech-Hype.

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