ZÜRICH (dpa-AFX) - Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé baut nach einem Gewinnrückgang sein Geschäft um. Künftig wollen sich die Schweizer auf ihre stärksten Marken konzentrieren, die in den vier Kernbereichen Kaffee, Tierfutter, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks zusammengefasst werden. Die bisherigen Bereiche Ernährung und Gesundheit werden künftig zu einer Einheit, wie der Konzern am Donnerstag in Vevey mitteilte. Damit will der neue Nestlé-Chef Philipp Navratil das Geschäft vereinfachen und Einsparungen erzielen. Vor Journalisten kündigte er auch höhere Markeninvestitionen und leistungsorientierte Anreize für die Belegschaft an.

An der Börse kam die Jahresbilanz gut an, die Aktie legte zuletzt um gut 3 Prozent zu. Nestlé habe solide Zahlen vorgelegt, hieß es von den Bernstein-Analysten. Sie widersprächen den pessimistischen Prognosen der letzten Wochen.

Bei dem Umbau der Bereiche handele es sich nicht um einen umfassenden Umbau der Konzernorganisation, betonte Navratil. Die Maßnahmen sollten vor allem klarstellen, wo Nestlé investieren werde und welche Geschäfte Priorität hätten. Die Geschäftssteuerung erfolge weiterhin nach Regionen mit eigener Ergebnisverantwortung.

Parallel dazu will Nestlé sein Sortiment deutlich straffen und sich auf größere Kernmarken konzentrieren. Die Zahl der Marken soll von mehr als 400 im Jahr 2024 deutlich sinken, wie Navratil sagte. Gleichzeitig trennt sich der Konzern von Randgeschäften, etwa durch den geplanten Verkauf des Speiseeisgeschäfts und die Ausgliederung von Marken für Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsergänzungsmittel im Massenmarkt. Der Verkauf des Wassergeschäfts soll voraussichtlich bis 2027 abgeschlossen werden.

Neue Vergütungssysteme für das Management und die Mitarbeitenden sollen sicherstellen, dass Wachstum primär über Volumen statt über Preiserhöhungen erzielt wird. Details zum Anreizsystem nannte Navratil nicht.

Nestlé steht nach schwachen Geschäften unter Druck: Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn um 17 Prozent zum Vorjahr auf gut neun Milliarden Franken (rund 9,88 Mrd. Euro). Der Umsatz ging um zwei Prozent auf rund 89,5 Milliarden Franken zurück, aus eigener Kraft konnte der Konzern aber Zuwächse erzielen.

Dem Konzern macht die Inflation zu schaffen. Wie andere Konsumgüterhersteller hat Nestlé in den vergangenen Jahre die Preise erhöht, um gestiegene Rohstoffkosten an Kunden weiterzureichen. Doch wegen hoher Lebensmittelpreise setzen Verbraucher vermehrt auf günstige Eigenmarken oder kaufen beim Discounter.

Navratil will zudem mehr Geld in Marketing und Innovationen stecken. Das Geld soll aus dem laufenden Sparprogramm kommen. Der Manager hatte kurz nach seinem Einstand im Oktober angekündigt, weltweit rund 16.000 Stellen binnen zwei Jahren abzubauen. Das sind fast 6 Prozent der weltweit knapp 280.000 Jobs. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland entfallen, steht noch nicht fest. Mit dem Stellenabbau sollen bis Ende 2027 insgesamt jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Franken erzielt werden. 20 Prozent davon seien bereits erreicht, hieß es nun.

Trotz des hohen Schuldenbergs hält der Konzern an seiner Dividendenpolitik fest: Die Auszahlung steigt zum 30. Mal in Folge, und zwar auf 3,10 Franken je Aktie nach 3,05 Franken im Jahr davor.

Derweil dürfte nach Konzernangaben der Rückruf verunreinigter Babynahrung das Wachstum von Nestlé 2026 um 20 Basispunkte bremsen. Bereits 2025 seien beim Nahrungsmittelhersteller im Zusammenhang mit dem Rückruf Kosten von insgesamt 185 Millionen Franken für Produktrückgaben und Bestandsabschreibungen angefallen, hieß es. Chef Navratil glaubt jedoch nicht an einen langfristigen Schaden für das Unternehmen, wie er betonte.

Nestlé hat turbulente Zeiten hinter sich. Im vergangenen September entließ der Konzern den damaligen Vorstandschef Laurent Freixe, der eine Liebesbeziehung zu einer ihm unterstellten Managerin hatte. Es war bereits der zweite Chefwechsel in einem Jahr./to/tt/uh/AWP/tav/als/DP/tav/mis

Quelle: dpa-Afx