STUTTGART (dpa-AFX) - Die Lage bei Mercedes-Benz
Die Stuttgarter hatten am Vortag Eckdaten zum Quartal vorgelegt und ihren Ausblick für die Gewinne in der Pkw-Sparte und damit auch im Konzern empfindlich gestutzt. Ein Gewinnanstieg unter dem Strich im dritten Quartal konnte die Stimmung bei Anlegern da auch nicht heben. Nachdem die Aktie am Vortag als Dax-Schlusslicht fast vier Prozent verloren hatte, notierte sie am Mittwochnachmittag um rund ein Prozent erholt. Bei 40 Euro dümpelt der Kurs weiterhin auf dem niedrigsten Niveau seit dem Markteinbruch im Covid-Krisenjahr 2020.
Neben dem schwachen Chinageschäft rechnet der Konzern im laufenden vierten Quartal auch noch mit höheren Kosten für Rohstoffe und die Modellpflege. Gegenüber dem China-Effekt mache das aber nur wenig aus, sagte Finanzchef Harald Wilhelm. Der Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern dürfte 2026 nur noch auf dem Niveau des Vorjahres liegen statt deutlich darüber, wie bisher erwartet wurde. In der Pkw-Sparte wird wohl nur noch eine bereinigte Gewinnmarge von 2 bis 3 Prozent erreicht anstelle der zuletzt angesteuerten 3 bis 5 Prozent.
Källenius: Marktbedingungen noch herausfordernder geworden
Die Marktbedingungen seien im Laufe des Jahres noch herausfordernder geworden, insbesondere in China, sagte Källenius. "Konsequente Kostendisziplin und starke Ergebnisbeiträge von Mercedes-Benz Vans und Mercedes-Benz Financial Services helfen uns, den Gegenwind abzufedern", sagte Källenius. Der Autoboss hob das anhaltende Absatzwachstum in Europa und in den USA sowie einen Rekord bei vollelektrischen Fahrzeugen hervor. Dies zeige, dass die neuen Modelle bei den Kundinnen und Kunden ankämen.
Auch im vierten Quartal sei außerhalb Chinas mit Wachstum zu rechnen - inklusive der Volksrepublik aber gehe es im Jahresvergleich weiter runter, sagte Källenius. In der Pkw-Sparte schloss Finanzchef Wilhelm einen operativen Verlust im Schlussquartal nicht aus. Die Marge dürfte leicht um die operative Gewinnschwelle herum liegen.
Jefferies-Analyst Philippe Houchois ist skeptisch auch für das kommende Jahr. Erste Aussagen dazu, dass die Pkw-Sparte sich 2027 ähnlich wie das laufende zweite Halbjahr entwickeln könne - also mit einer operativen Marge von um die 1,5 Prozent - bedeuteten zusätzliche Risiken für die Markterwartungen, so der Experte.
Der Konzerngewinn stieg im dritten Quartal um rund 28 Prozent auf rund 1,52 Milliarden Euro. Allerdings kommen die Schwaben von einem niedrigen Niveau. Im Vorjahreszeitraum drückten unter anderem hohe Sonderbelastungen für einen Stellenabbau auf das Ergebnis. Vor Zinsen und Steuern erzielte Mercedes im Berichtszeitraum ein Ergebnis (Ebit) von 1,77 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor mit 750 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 4,5 Prozent auf 30,7 Milliarden Euro.
Absatzrückgang im dritten Quartal
Im dritten Quartal hatte Mercedes vor allem wegen der schlechteren Geschäfte in China erneut weniger Autos verkauft. In dem stark umkämpften Markt ging der Absatz um fast ein Drittel (31 Prozent) zurück. Insgesamt lag der Absatz bei 407.200 Pkw, ein Rückgang von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Außerhalb Chinas legte der Absatz um ein Prozent zu.
Positiv entwickelten sich zuletzt die E-Auto-Verkäufe. So stieg der Absatz von batterieelektrischen Pkw im dritten Quartal um 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Abfindungsprogramm wird neu aufgelegt
Um perspektivisch Kosten zu sparen, hatte Mercedes Ende September angekündigt, sein Abfindungsprogramm aus dem vergangenen Jahr in Deutschland für Beschäftigte in indirekten Bereichen - also nicht in der Produktion - neu aufzulegen. Das neue Programm werde ab Dezember starten, teilte Mercedes nun mit.
Es handele sich um ein sehr attraktives Programm, sagte Finanzchef Wilhelm auf Nachfrage. Beim vergangenen Abfindungsprogramm hätten sich in sehr kurzer Zeit sehr viele Kolleginnen und Kollegen dazu entschlossen, hiervon Gebrauch zu machen. Eine konkrete Anzahl nannte er nicht. Mercedes gehe davon aus, dass es auch dieses Mal entsprechend hohen Zuspruch geben werde.
Der Autobauer hatte in den vergangenen Jahren mit Gewinneinbrüchen und Absatzrückgängen zu kämpfen. Entsprechend steuerte der Konzern gegen und drehte an den Kostenschrauben. Zuletzt hatte Mercedes auch eine Diskussion über Arbeitszeiten und Arbeitskosten in Deutschland angestoßen. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden, hieß es in einem Schreiben des Vorstands. Der direkteste und fairste Weg sei es, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten. In der Folge kam es zu Protesten von Beschäftigten./rwi/men/tav/jha/
Quelle: dpa-Afx