BERLIN (dpa-AFX) - In der Debatte über umstrittene KI-Vertragsklauseln für Synchronstimmen will ein deutscher Sprecher Klage gegen den Streamingriesen Netflix
Bei dem Fall geht es den Angaben zufolge um eine Datenauskunft an Klemm von Netflix. Aus dieser soll angeblich hervorgehen, dass der Konzern bereits in der Vergangenheit und ohne Klemms Wissen und Einwilligung mit seinen persönlichen Sprachaufnahmen KI-Systeme trainiert habe. Gefragt wurde Klemm seinem Anwalt zufolge nicht, auch habe er keine Bezahlung erhalten.
Das sagt Netflix
Netflix teilte auf dpa-Anfrage mit, die aktuellen Diskussionen ernstzunehmen und verwies auf eine Vereinbarung, die das Unternehmen im vergangenen Jahr mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) zu KI getroffen habe, um den Schutz von Sprecherinnen und Sprechern zu stärken. "Die Nutzung von KI durch Netflix erfolgt im Einklang mit geltendem Recht", hieß es weiter.
Ein Netflix-Sprecher sagte dazu: "Die Vereinbarungen, die Netflix im vergangenen Jahr proaktiv mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) zu KI getroffen hat, zeigen, dass uns der Schutz der Sprecherinnen und Sprecher wichtig ist." Dazu gehöre unter anderem die Vorgabe, dass die Nutzung einer mittels KI generierten Nachbildung einer Stimme nur mit ausdrücklicher und gesonderter Zustimmung der betroffenen Sprecherinnen und Sprecher erfolgen dürfe.
Zu der von Klemm angekündigten Klage äußerte sich Netflix zunächst nicht.
Was die Vertretung der Sprecher beklagt
Der Verband Deutscher Sprecher:innen sieht darin keinen Einzelfall. "Viele Konzerne haben sich über Jahre an urheberrechtlich geschützten Werken und persönlichen Daten zum Training ihrer KI-Systeme bedient, ohne die Menschen dahinter zu fragen", sagte Verbandschefin Anna-Sophia Lumpe. Die Klage solle klären, ob sie das gedurft hätten. Klemm erklärte: "Wir brauchen dringend einen Präzedenzfall, denn es betrifft die gesamte Kreativbranche."
Neue KI-Klauseln umstritten
Das Thema KI-Trainings und Synchronstimmen hatten Anfang dieses Jahres für Aufmerksamkeit gesorgt. Synchronsprecherinnen und -sprecher richteten Protest gegen neue Vertragsklauseln bei Streamingproduktionen, unter anderem des Anbieters Netflix. Nach Angaben des VDS ermöglichen es diese, bereits aufgenommene Stimmen zum Training von KI-Systemen zu nutzen. Viele Künstler würden diese Regelungen ablehnen und Verträge nicht unterschreiben. In der Folge gerieten erste Synchronproduktionen ins Stocken.
Unterstützt wird die Klage Klemms von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF). Laut GFF soll die Klage Ende 2026 eingereicht werden - wo, dazu gab es zunächst keine Angaben./thn/DP/zb
Quelle: dpa-Afx