ESSEN (dpa-AFX) - Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung der Thyssenkrupp
Eine unmittelbare Beteiligung der bisherigen Thyssenkrupp-Aktionäre sei aktionärsfreundlich und eröffne die Chance auf eine eigenständige Be- und Verwertung der Aktie. Das Geschäft von TK Accelis sei solide und robust, so Tüngler. "Das ist der richtige Weg", sagte auch Daniel Voss von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Die Hauptversammlung stimmte den Plänen am Ende mit 99,99 Prozent der Stimmen zu.
Philipp Weinmann von der Fondsgesellschaft DWS nannte die Logik der Verselbstständigung "nachvollziehbar", bemängelte jedoch einen zu großen Einfluss der Konzernmutter auf Aufsichtsräte der neuen Gesellschaft. "Das für die Bereitstellung und Überwachung der Geschäftsführung maßgebliche Kontrollorgan bleibt vollständig oder zumindest weit überwiegend durch die Konzernmutter geprägt." Von einer überzeugenden Verselbstständigung könne unter diesen Voraussetzungen kaum die Rede sein, sagte er.
Konzernchef López: Nächster Schritt auf Weg zu Finanzholding
Thyssenkrupp-Chef Miguel López hatte zuvor in seiner Rede die Vorteile der Verselbstständigung betont. "Als eigenständiges Unternehmen kann TK Accelis schneller investieren, Marktchancen entschlossener verfolgen und seine Wachstumsstrategie aus eigener Kraft umsetzen", sagte López. Er verwies auch auf die Bedeutung der Eigenständigkeit für den Gesamtkonzern. Die Verselbstständigung sei der nächste Schritt der Thyssenkrupp AG auf dem "Weg zu einer attraktiven Finanzholding mit starken, eigenständigen Unternehmen unter einem gemeinsamen Dach".
Thyssenkrupp ist in fünf Segmenten tätig, die schrittweise verselbstständigt werden sollen: Marineschiffbau, Werkstoffe, Stahl, Autoteile und grüne Technologien. Die Thyssenkrupp AG wird dabei in eine Finanzholding umgebaut. Grundsätzlich soll die AG Mehrheitsbeteiligungen an den verselbstständigten Unternehmen halten. In der Stahlsparte hält das Unternehmen auch eine Minderheitsbeteiligung für möglich. Die Marinesparte TKMS
TK Accelis beschäftigt rund 15.300 Menschen
Der Traditionskonzern beschäftigte Ende März weltweit knapp 91.000 Menschen. Im Geschäftsjahr 24/25 (zum 30.9.) erwirtschaftete die Sparte, die bis Juni unter der Bezeichnung "Materials Services" geführt wurde, einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Die Sparte beschäftigte weltweit Ende März gut 15.300 Menschen. TK Accelis handelt weltweit mit Werkstoffen, die auf Wunsch auch vorbearbeitet werden. Das Unternehmen ist auch als Dienstleister für Lieferkettenmanagement aktiv. Laut Thyssenkrupp ist das Unternehmen in Europa führend, in den USA sei man drittgrößter Anbieter.
Die Thyssenkrupp-Aktionäre sollen für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien einen Anteilsschein an TK Accelis erhalten. Die Thyssenkrupp AG bleibt über eine neue Holding-Gesellschaft Mehrheitsgesellschafterin mit einem Anteil von 51 Prozent. Thyssenkrupp rechnet damit, dass die neue Gesellschaft Ende Oktober in die Handelsregister eingetragen wird. Direkt danach soll die Aktie des mit vollem Namen TK Accelis Group AG & Co. KGaA genannten Unternehmens an der Börse notiert werden./tob/DP/nas
Quelle: dpa-Afx