DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Verpackungshersteller Gerresheimer verschafft sich mit dem Verkauf zweier Geschäftsbereiche finanziell Luft. Die US-Tochter Centor sowie das Segment Primary Packaging Plastics würden an den Finanzinvestor Apex Partners veräußert, teilte der Spezialist für Pharmaverpackungen am Mittwoch in Düsseldorf mit. Basis sei ein Unternehmenswert inklusive Schulden von rund 1,5 Milliarden Euro. Das Geld soll in den Schuldenabbau fließen.

"Mit dieser Transaktion gewinnen wir unternehmerische Handlungsspielräume zurück", sagte Gerresheimer-Chef Uwe Röhrhoff. Aus Sicht von Finanzchef Wolf Lehmann wird sich die weitere Umsetzung des laufenden Umbaus zudem positiv auf den operativen und den freien Barmittelfluss auswirken. Der Centor-Verkauf soll bis Ende des Geschäftsjahres 2025/26 abgeschlossen sein, also bis Ende November. Der Verkauf des Primary-Packaging-Plastics-Geschäfts soll im ersten Halbjahr 2026/27 folgen.

Der Kurs der Gerresheimer-Aktie sprang am Mittwoch zeitweise bis auf 13 Euro nach oben und erreichte den höchsten Stand seit Oktober. Zuletzt betrug das Plus noch gut 10 Prozent auf 29,34 Euro. Damit bringt es das Unternehmen auf einen Börsenwert von gut einer Milliarde Euro.

Angesichts des finanziellen Drucks hatte Gerresheimer den Centor-Verkauf bereits angekündigt. Wie seit Ende Juni bekannt, fiel im Geschäftsjahr 2025 ein Konzernverlust von fast 319 Millionen Euro an. Grund waren Wertminderungen von mehr als einer halben Milliarde. Sie betrafen im Wesentlichen Technologie- und Entwicklungsprojekte der Schweizer Tochter Sensile Medical, Firmenwerte sowie Vermögenswerte der Gerresheimer Moulded Glass Chicago.

Das Moulded-Glass-Werk in Chicago werde im Zuge des Umbaus zum Ende des laufenden Geschäftsjahres geschlossen, hatte das Unternehmen schon Ende Juni bei der Bilanzvorlage mitgeteilt.

Dass die Geschäftszahlen für das alte Jahr erst so spät vorgelegt wurden, hängt mit Fehlern in der Bilanzierung vorangegangener Geschäftsjahre zusammen. Das Unternehmen hatte daher eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Erfassung von Umsatzerlösen und Bilanzierung in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 beauftragt. Wegen der verspäteten Vorlage des Berichts für 2025 war Gerresheimer im Frühjahr auch aus dem Nebenwerte-Index SDax geflogen.

Im September vergangenen Jahres hatte die deutsche Finanzaufsicht Bafin eine Prüfung des Konzernabschlusses 2023/24 und des Lageberichts eingeleitet. Dabei ging es um sogenannte "Bill-and-Hold"-Vereinbarungen. Die Bafin sah bei Gerresheimer bei einigen Verträgen konkrete Anhaltspunkte, dass der jeweilige Umsatz schon im Geschäftsjahr 2024 erfasst worden sei, obwohl die Verfügungsgewalt nicht an den Kunden übergegangen sei.

Das Unternehmen teilte Ende Oktober mit, dass eine Untersuchung einer von ihm beauftragten Kanzlei tatsächlich Kritikpunkte gefunden habe. Gerresheimer hatte daraufhin seine Bilanzierungspraxis geändert.

Nach mehreren Gewinnwarnungen, der Talfahrt des Aktienkurses und dem Bafin-Verfahren verließ der langjährige Vorstandschef Dietmar Siemssen das Unternehmen Ende Oktober. Bereits zuvor war Finanzchef Bernd Metzner gegangen. Auf ihn folgte Wolf Lehmann; und seit November führt Uwe Röhrhoff übergangsweise die Geschäfte. Er war schon von 2010 bis 2017 Gerresheimer-Chef./mis/stw/jha/

Quelle: dpa-Afx