SEPANG (dpa-AFX) - Über die Software-Farce im Regen von Sepang konnte Max Verstappen nach seinem erlösenden Premierensieg in dieser Saison sogar erst noch scherzen. "Es war wie bei dem Lego-Rennen", sagte der Triumphator bei der turbulenten Malaysia-Rückkehr der Formel 1 und lachte: "Das war der Wahnsinn."

Als hätte dieser Grand Prix, der nachträglich für das aufgrund des Iran-Kriegs abgesagte Rennen in Bahrain in den Kalender aufgenommen wurde, nicht schon für Dramen und Turbulenzen genug gesorgt. Wolkenbrüche, Gewitter, packende Duelle, die Vorentscheidung im Titelkampf zugunsten des zweitplatzierten Kimi Antonelli (20) nach dem Drama-Defekt bei Teamkollege George Russell kurz vor Schluss.

Viel Rede- und Klärungsbedarf

Oder eben Verstappens erster Sieg seit dem 7. Dezember 2025 und sein 72. an dem Ort, wo er 2017 seinen zweiten gefeiert und Sepang damit aus dem Rennkalender verabschiedet hatte. Oder eine einmal mehr fragwürdig-seltsame Ferrari-Strategie sowie die anschließende Aufholjagd von Lewis Hamilton vom Ende des Feldes auf Platz drei.

Rede- und noch viel mehr Klärungsbedarf herrschte im mittlerweile schon dunklen und abendlichen Sepang aber vor allem wegen der Szenen, die dem Image einer Klasse, die sich doch so gern als "Gipfel des Motorsports" rühmt, nicht würdig waren. "Ich musste auf der Strecke anhalten, das Auto und den Motor abstellen und dann neu starten. Das habe ich noch nie gemacht", betonte Hamilton, der mit 41 Jahren bald seinen 400. Grand Prix bestreiten wird.

Es habe "große Panik" geherrscht, als sie alle keine Power hatten, erinnerte sich der Brite an die absurden Szenen, als hoch gezüchtete Formel-1-Rennwagen im Schritttempo auf der Formationsrunde über den nassen Asphalt schlichen oder gar stehen blieben. Verstappen hatte es auch erwischt. "Das ist nicht gerade das, was man sich für den Sport wünscht, oder?", betonte er.

"Ein unwürdiges Schauspiel"

Gas geben - aber nichts passiert. Nach dem Wolkenbruch, der vor dem Rennen eingesetzt und schon zu einer Verspätung geführt hatte, sorgte ein Software-Problem für noch mehr Verzögerung.

"Es war insgesamt eine Kombination von mehreren Ereignissen", erklärte der Technische Direktor des Automobil-Weltverbandes Fia, Nikolas Tombazis: "Das hat die Software durcheinander gebraucht, so dass die Autos nicht mehr beschleunigen konnten." Aus Sicherheitsgründen wegen des Regens und der nassen Strecke waren die Settings verändert worden für die Antriebe - in diesem Jahr kommen 50 Prozent der Leistung vom Verbrennermotor, 50 Prozent von der Batterie. Doch das ging schief - weil die Erfahrung mit solchen Verhältnissen fehlte.

"Ein unwürdiges Schauspiel für die Königsklasse des Motorsports", schrieben die "Salzburger Nachrichten". "Die Formel 1 verwandelte sich (...) in Malaysia in eine "Formel Farce", als die angeblich modernsten Autos der Welt auf nasser Fahrbahn nicht vorankamen", spottete die "Daily Mail " aus England. Die Fia kündigte eingehende Untersuchungen an. Schon am kommenden Wochenende steht das nächste Rennen im benachbarten Singapur an.

Galgenhumor beim Briten: Russells Hoffnung ist praktisch dahin

Und dort kann Antonelli den nächsten Schritt auf dem Weg zum großen Triumph machen. 84 Punkte hat der 20-jährige Italiener auf seinen britischen Teamkollegen, der eine Stunde nach der wohl geplatzten letzten WM-Hoffnung mit Rucksack und viel Frust das Fahrerlager verließ. "Ich bin jenseits der Enttäuschung", sagte er wenige Minuten vorher. "Es ist ja fast zum Lachen."

Wenn es mit den Problemen vor allem am Wagen des 28-Jährigen, aber letztlich auch beiden Mercedes nicht so ernst wäre. "Dass George stehen bleibt, ist für seine Meisterschaft ganz schlecht und auch für uns in der Konstrukteurs-WM ein Knackpunkt", sagte Teamchef Toto Wolff. "Im Moment überwiegt deshalb der Ärger." Das Update-Paket ging nach hinten los. Gut möglich, dass Mercedes wieder zurückschraubt. "Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Teile irgendwo finden im Lkw", meinte Wolff.

Papa Verstappen: "Es geht wieder richtig Berg hoch"

Rundum happy war an diesem ereignisreichen Renntag aber Verstappen - mit sich und dem Team, das seit diesem Jahr den Motor selbst baut. "Wir hatten einen sehr komplizierten und schwierigen Start ins Jahr mit allen möglichen Problemen und waren einfach nicht wettbewerbsfähig genug", erinnerte er sich. Dass es nun geklappt hat, deutete sich in den Grand Prix vorher allerdings schon an. "Der Sieg war wichtig für das ganze Team", betonte auch Verstappens sichtbar emotionaler Vater Jos: "Es geht wieder richtig Berg hoch."

Nach der ersten Pole in diesem Jahr hatte Sohn Max allerdings einen unfassbar schlechten Start und wurde direkt von Antonelli mit Russell im Schlepptau überholt. Davon erholte sich der Niederländer vier Tage nach seinem 29. Geburtstag aber schnell. Eine frühe Safety-Car-Phase spielte auch ihm in die Karten - ohne Zeitverlust konnte er von den Mischreifen für feuchte Verhältnisse auf die Slicks wechseln und schnappte sich beide Mercedes-Piloten. Der Rest war ein Verstappen in Bestform oder wie es sein Teamchef Laurant Mekkies sagte: "Er war unantastbar."/jmx/DP/zb

Quelle: dpa-Afx