(Berichtigung: Mittelstreckenjets statt Mittelklassenjets 7. Absatz)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Wegen eines möglichen Kerosin-Mangels am Frankfurter Flughafen hat die Lufthansa
Droht dem Frankfurter Flughafen der Sprit auszugehen?
Aktuell eindeutig nein. Die Flughafengesellschaft Fraport AG versichert, dass die Betriebsfähigkeit trotz Wartung einer wichtigen Pipeline nicht beeinträchtigt sei. Die Lufthansa bezeichnet zudem ihr Vorgehen als "reine Vorsichtsmaßnahme". Die Vorkehrungen zeigten bereits Wirkung und könnten voraussichtlich in "absehbarer Zeit" wieder eingestellt werden, versichert eine Sprecherin des Unternehmens.
Wie wird der Flughafen mit Kerosin versorgt?
Deutschlands größter Flughafen ist über zwei Pipelines, die zur kritischen Infrastruktur zählen, mit den großen Seehäfen an der Nordsee verbunden. Dazu gehört auch die Nato-Pipeline. Details zu der Wartung will Fraport aus Sicherheitsgründen nicht nennen.
Ein weiterer Versorgungsweg läuft über die Wasserstraßen Rhein und Main, die bereits seit dem Sommer unter niedrigen Wasserständen leiden. Tankschiffe können entsprechend weniger Flüssigkeit laden und an die Mainhäfen in Flughafennähe transportieren. Am Flughafen selbst betreiben die Kerosin-Lieferanten gemeinsam ein Tanklager mit einer Kapazität von 186 Millionen Litern. Das reicht laut Fraport ungefähr für zehn Tage.
Warum ist die Lufthansa so besorgt?
Pipeline-Wartung und kaum befahrbare Flüsse waren für die Betriebsplaner der Lufthansa offenbar eine Gemengelage mit einem zu hohen Risiko, dass Flüge aus Spritmangel abgesagt werden müssten. Für den Einkauf ist die Airline selbst verantwortlich, so dass Flugausfälle auch wegen möglicher Entschädigungsansprüche gegenüber den Passagieren teuer werden könnten. Ziel ist ein verlässlicher Flugbetrieb.
Welche Maßnahmen hat Lufthansa ergriffen?
Das Unternehmen hat die Crews angewiesen, bei Flügen nach Frankfurt zusätzlichen Kraftstoff aufzunehmen, um die Vorräte am Rhein-Main-Flughafen zu schonen. Zuvor hatte die "Bild-Zeitung" aus den Anweisungen zitiert. Lufthansa ist der mit Abstand größte Nutzer des Flughafens und hat einen entsprechenden Hebel zur Verfügung.
In den Mittelstreckenjets der A320-Familie sollen demnach bis zu acht Tonnen zusätzlicher Sprit mitgeführt werden. Das ist mehr als ein Drittel der Tankkapazität von rund 20 Tonnen und reicht für einen Mittelstreckenflug von um die 3.000 Kilometer.
Im Normalbetrieb landen Passagierflugzeuge mit nahezu leerem Tank, weil zusätzliches Gewicht Verbrauch und Umweltbelastungen in die Höhe treibt. Bei höherem Landegewicht verschleißen zudem Flugzeugbauteile wie das Fahrwerk schneller, es entstehen also zusätzliche Kosten. Auf Einnahmen will die Lufthansa dann nicht auch noch verzichten, sodass zusätzlicher Sprit nur bis zu der Grenze mitgeführt werden darf, wo sonst Fracht oder Passagiere ausgeladen werden müssten.
Was bedeutet das für die Passagiere?
Einschränkungen für Passagiere gibt es derzeit nicht. Die Fluggesellschaften Lufthansa und Condor fliegen nach eigenen Angaben planmäßig. Sollten Flüge wegen Kerosin-Mangels kurzfristig gestrichen werden, haben Passagiere nach EU-Regeln das Recht auf eine Ersatzbeförderung und Entschädigungen zwischen 250 und 600 Euro, wenn die Airline verantwortlich ist. Ein lokaler, nicht beherrschbarer Kerosin-Mangel kann laut dem Fluggastrechteportal Flightright im Einzelfall dazu führen, dass die Airline keine Entschädigung zahlen muss./ceb/DP/stk
Quelle: dpa-Afx