Die Merck KGaA übernimmt für 9,9 Milliarden Euro einen US-Laborzulieferer - und BÖRSE-ONLINE-Abonnenten, die am Mittwoch das E-Paper erhielten, verdienen mit. Denn die Redaktion hatte das Übernahmeobjekt bereits auf dem Zettel.

Wer ist eigentlich Bio-Techne? Und warum gibt der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck dafür 11,3 Milliarden Dollar (umgerechnet 9,9 Milliarden Euro) aus?

BÖRSE-ONLINE-Leser, die das E-Paper abonniert haben, kannten den Anbieter von Life-Science-Werkzeugen und Analysetechnologien mit Sitz in Minneapolis spätestens seit Mittwoch. In der aktuellen Ausgabe, die um 10 Uhr als E-Paper freigeschaltet wurde, berichtet die Redaktion, dass sich bei Bio-Techne ein Deal anbahnt.

Der Plan des aktivistischen Investors geht auf

In der Rubrik „Guru-Alarm“ meldet die Redaktion auf Seite 9, dass der aktivistische Investor Ananym Capital bei Bio-Techne auf einen Verkauf drängt. „In einem Brief fordert der Investor das Management auf, eine strategische Überprüfung der Aktivitäten durchzuführen. So soll eine Portfolio-Optimierung in Erwägung gezogen werden, bei der sich das Unternehmen auf die margenstärksten Bereiche konzentrieren soll. Zudem soll auch der Verkauf des ganzen Unternehmens geprüft werden“, schrieb BÖRSE-ONLINE-Redakteur Jörg Lang.

Ananym glaube, dass größere Wettbewerber viel höhere Skaleneffekte erzielen könnten, was sich dann in einem höheren Wert der Bio-Techne-Aktie zeigen würde. „Gemessen am Hoch 2021 hat sich der Kurs mehr als halbiert. Es gäbe bei einem Gebot also einige Luft nach oben“, schloss der Text.

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20 Prozent Kursgewinn BÖRSE-ONLINE-Leser

Da haben wir nicht zu viel versprochen: Merck bietet 73 Dollar je Aktie, ein Aufschlag von 36 Prozent auf den durchschnittlichen Kurs im vergangenen Monat. Die Aktie, die zuvor schon leicht angezogen hatte, legte daraufhin am Donnerstag noch einmal um gut 20 Prozent zu. Die geplante Übernahme sei vom Management beider Unternehmen bereits genehmigt und soll Ende 2026 oder Anfang 2027 abgeschlossen sein, hieß es. Aufsichtsbehörden sowie die Aktionäre von Bio-Techne müssen noch zustimmen. 

Die Aktie des Käufers Merck gab am Freitag, wie bei solchen Übernahmen oft zu beobachten, etwas ab. Allerdings beschränkt sich der Abschlag auf gut zwei Prozent, was darauf hindeutet, dass der Markt den Kaufpreis eher als angemessen beurteilt.

Bio-Techne Corp (WKN: A12ENG)

Merck verspricht Synergien und steigende operative Marge

Die Übernahme werde zwei führende und sich stark ergänzende Life-Science-Unternehmen vereinen, betonte Merck. Der neue Merck-Chef Kai Beckmann sprach von einem „Meilenstein“. „Bio-Techne passt hervorragend zu uns und steht in direktem Einklang mit unserer strategischen Ausrichtung, die darauf abzielt, hochmoderne Produkte und Lösungen für die gesamte Life-Science-Wertschöpfungskette anzubieten - von Forschungslaboren bis hin zu Kunden in der Biotech- und Pharmaindustrie.“

Bio-Techne erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden Dollar und beschäftigt weltweit rund 3.000 Menschen. Mit der Übernahme stärke Merck seine Laborsparte in wachstumsstarken Bereichen wie Zell- und Gentherapien und Präzisionsdiagnostik, sagte Spartenchef Jean-Charles Wirth.

Finanzieren will Merck die Übernahme durch Barmittel und neue Kredite. Man erwarte jährliche Kostensynergien von rund 140 Millionen Euro. Zudem soll die Übernahme nach dem Abschluss unmittelbar die operative Marge steigern. Genau das hatte der Investor Ananym prophezeit.

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Häufige Fragen zum Thema

Was macht Bio-Techne?

Laut Website unterstützen die Produkte von Bio-Techne die wissenschaftliche Erforschung biologischer Prozesse sowie der Art und des Verlaufs bestimmter Krankheiten. Das Labor-Unternehmen hilft Pharmunternehmen damit bei der Entdeckung und Entwicklung von Medikamenten emöglicht die genau Auswertung klinischer Tests und Diagnosen.

Warum kauft die Merck KGaA Bio-Techne?

Merck verspricht sich von der Akquisition große Synergien. Man könne mithilfe von Bio-Techne hochmoderne Produkte und Lösungen für die gesamte Life-Science-Wertschöpfungskette anbieten, von Forschungslaboren bis hin zu Kunden in der Biotech- und Pharmaindustrie.

Was hat die US-Firma Merck & Co. mit der Merck KGaA in Darmstadt zu tun?

Die US-Firma Merck & Co. und die Merck KGaA in Darmstadt waren einst tatsächlich ein gemeinsames Unternehmen. Heute handelt es sich um zwei rechtlich völlig unabhängige Konzerne, die sich erbitterte Markenrechtsstreitigkeiten liefern. Deshalb tritt Merck & Co. außerhalb der USA und Kanadas unter dem Namen MSD auf. Die amerikanische Firma wurde 1891 als US-Tochter des Darmstädter Stammhauses gegründet. Im Ersten Weltkrieg wurden die US-Eigentümer jedoch enteignet. Seitdem agieren beide Unternehmen als eigenständige Firmen.

Enthält Material von dpa-AFX