In China brach der Umsatz in den ersten drei Monaten um 35 Prozent ein, wie Adidas am Freitag mitteilte. Auch weltweit schrumpfte der Umsatz. Erstmals seit dem Corona-Sommer 2020 wurden Währungsbereinigt mit 5,3 Milliarden Euro nun drei Prozent weniger umgesetzt. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft ging um hohe 38 Prozent auf 310 Millionen Euro zurück - auch aufgrund erhöhter Ausgaben für Marketing-Aktivitäten.

In China erwirtschaftet Adidas traditionell die höchsten Renditen. Dort werde der Umsatz 2022 aber stark sinken, erwartet der Konzern. Für das Gesamtjahr rechnet Adidas nun nur noch mit einem Umsatzzuwachs im unteren Bereich der anvisierten Spanne von elf bis 13 Prozent.

Der Gewinn aus fortgeführten Geschäften solle aufgrund der "schwerwiegenden Auswirkungen" der Lockdowns nun nur noch im unteren Bereich der anvisierten Spanne von 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro liegen, teilte das im DAX notierte Unternehmen weiter mit. Die operative Marge solle nur noch etwa auf dem Vorjahresniveau von 9,4 Prozent liegen. Zuvor hatte Adidas 10,5 bis 11 Prozent in Aussicht gestellt.

Vorstandschef Kasper Rorsted sagte, der Konzern bleibe agil. "Wir werden aber unsere langfristigen Wachstumsmöglichkeiten nicht für kurzfristige Gewinnoptimierung aufs Spiel setzen."

Allerdings hofft das Unternehmen, dass seine anderen Regionen in Nord- und Lateinamerika, EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) und Asien-Pazifik so wachsen wie geplant. Die Dynamik der Märkte dürfte den Umsatzrückgang in China kompensieren. "In den östlichen Märkten werden wir im zweiten Quartal in Asien-Pazifik zu Wachstum zurückkehren", versprach Rorsted.

Der Vorstandschef setzt nun auf das zweite Halbjahr, in dem der Umsatz weltweit um mehr als 20 Prozent steigen soll, um die Ziele zu erreichen. Dabei sollen das brummende Geschäft in Europa und den USA, neue Produkte und sportliche Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft im Winter in Katar helfen.

Adidas leidet wegen der langen Lieferzeiten auch noch unter den Nachwirkungen des monatelangen coronabedingten Produktions-Stillstands in Süd-Vietnam im Herbst, wo einige der wichtigsten Fabriken für Adidas-Schuhe und Bekleidung stehen. Allein im ersten Quartal habe das 400 Millionen Euro Umsatz gekostet, im zweiten Quartal dürften es 200 Millionen sein.

Börse Online Einschätzung zur Adidas-Aktie


Die Aktionäre von Adidas reagieren am Freitag-Vormittag verunsichert. Die Aktie verliert etwa viereinhalb Prozent und sackt unter die 180-Euro-Marke.



Börse Online hatte Adidas Mitte Februar bei einem Kurs von 233,30 Euro zum Kauf empfohlen. Die Verschärfung der Corona-Lage in China und auch die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs drücken massiv auf die Anlegerstimmung. Die Adidas-Aktie nähert sich ihrem März-Tief bei 175 Euro. Wird dieses nachhaltig unterschritten, müsste charttechnisch gesehen mit weiteren Verlusten gerechnet werden. Engagierte Anleger setzen sich bei 175 Euro eine Stopp-Marke. Neukäufe sollten zurückgestellt werden.

mmr mit dpa und rtr