Am 12. November legt die Allianz Zahlen für das dritte Quartal vor. Für Anleger stellt sich im Vorfeld die Frage, ob das Halbjahr die Stärke der Allianz richtig abbildet.

Die Allianz hat ein gutes Jahr hinter sich. Im ersten Halbjahr stieg das operative Ergebnis um 8,6 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Das Management hat sein Ziel für 2026 von 17,4 Milliarden Euro (plus/minus eine Milliarde) bestätigt. Die Aktie notiert am 3. November um 10 Uhr bei 439 Euro. Damit ist der Kurs nicht so weit weg von seinem Jahreshoch, und die Erwartungen an die nächsten Zahlen sind entsprechend hoch.

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Ein Jahr mit Rückenwind für die Allianz

Der Kursverlauf zeigt, wie der Markt das Halbjahr bewertet hat. Laut Marktdaten ging das Papier im Sommer stetig nach oben. Mitte August lag die Aktie rund 11,6 Prozent über dem Niveau vom Jahresbeginn und bewegt sich nach einem kurzen Einbruch im September wieder nach oben und hat Ende Oktober wieder die 50-Tages-Linie durchbrochen.

Das operative Geschäft trägt diese Entwicklung. Im zweiten Quartal erzielte der Konzern ein operatives Ergebnis von 4,9 Milliarden Euro, 10,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Schaden-Kosten-Quote lag im ersten Halbjahr bei 91,4 Prozent und damit unter der für 2026 erwarteten Spanne von 92 bis 93 Prozent. Goldman Sachs hob das Kursziel im August von 450 auf 465 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Die Allianz wurde außerdem im Interbrand-Ranking als wertvollste Versicherungsmarke der Welt ausgezeichnet, mit einem Markenwert von 30,7 Milliarden US-Dollar.

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Allianz (WKN: 840400)

Was Anleger aber auch beachten sollten

Im zweiten Quartal zeigte sich aber auch ein Widerspruch, den Anleger nicht übersehen sollten. Während das operative Ergebnis wuchs, sank der bereinigte Überschuss der Anteilseigner um 12,7 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Die Allianz nannte dafür Sondereffekte: einen Veräußerungsgewinn im Vorjahr und Ausgleichszahlungen nach dem Verkauf der Beteiligung an indischen Gemeinschaftsunternehmen. 

Dazu kommt ein Posten, der in den Berichten weniger Beachtung fand: Laut einer Auswertung von ad-hoc-news belasteten Restrukturierungsaufwendungen von 643 Millionen Euro das zweite Quartal. Sie betreffen unter anderem die Abschaltung alter IT-Systeme. Das Management verspricht sich davon mehr Effizienz auf mittlere Sicht, kurzfristig drückt es jedoch die Gewinne.

Was die Analysten für das dritte Quartal erwarten

Die Erwartungen an das dritte Quartal sind vorsichtiger als zuletzt. Im Schnitt rechnen Analysten, unter anderem von Barclays, Goldman Sachs, J.P. Morgan und Berenberg, mit einem operativen Ergebnis von 4,3 Milliarden Euro. Die Spanne reicht von 4,2 bis 4,5 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal lag der Wert bei 4,9 Milliarden Euro, im ersten Quartal 2026 bei 4,5 Milliarden Euro.

Die Erwartungen im Einzelnen:

- Schaden- und Unfallversicherung: operatives Segmentergebnis von rund 2,1 Milliarden Euro, Combined Ratio von 93,8 Prozent. Darin enthalten sind geschätzte Naturkatastrophenschäden von 4,7 Prozentpunkten und ein negatives Run-off-Ergebnis von 3,0 Prozentpunkten.

- Leben und Kranken: operatives Ergebnis von 1,5 Milliarden Euro, Neugeschäftswert von 1,1 Milliarden Euro bei einer Neugeschäftsmarge von 5,7 Prozent.

- Asset Management: operatives Ergebnis von rund 945 Millionen Euro und Nettomittelzuflüsse von Drittkunden von 28 Milliarden Euro.

Rechnet man den Schätzwert von 4,3 Milliarden Euro gegen das Vorjahresquartal, ergibt sich allerdings ein Rückgang von rund 12 Prozent. Ob das an Naturkatastrophen, am Run-off oder an der Einmalbelastung durch die Restrukturierung liegt, wird der Bericht zeigen.

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Was Anleger am 12. November beobachten sollten

Drei Punkte entscheiden über die Reaktion am Markt:

1. Bestätigung des Jahresziels: Bei 9,4 Milliarden Euro nach sechs Monaten sind rund 54 Prozent des Mittelwerts von 17,4 Milliarden Euro erreicht. Für die Mitte der Prognose müssen im zweiten Halbjahr noch rund 8 Milliarden Euro hinzukommen. Das ist machbar, aber kein Selbstläufer, weil Schäden und Kapitalmärkte nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt sind.

2. Entwicklung des Anteilseignergewinns: Wenn operatives Wachstum und Überschuss für Aktionäre wieder in dieselbe Richtung laufen, würde das die Qualität des Ergebnisses sichtbar machen.

3. Kapitalrückflüsse: Die Allianz betreibt ein laufendes Aktienrückkaufprogramm. Aussagen zu Dividende und Rückkäufen wären ein starkes Signal, sind aber aus den bisherigen Zahlen nicht abzuleiten.

Die Allianz hat operativ ein starkes Jahr geliefert, und die Aktie hat das im Kurs honoriert. Das dritte Quartal dürfte aber schwächer ausfallen als das Vorjahr, und der Konzern muss zeigen, dass die Ertragskraft auch im Schlussquartal hält und sich im Anteilseignergewinn niederschlägt. 

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz.