Am Dienstag war das Gerücht zum ersten Mal aufgekommen, am Freitag meldet es nun auch die „Financial Times“: Deutschlands Chemieriese BASF hat beim Konkurrenten Evonik angeklopft. Beide Aktien reagieren stark.
Regelmäßige Leser der Website von BÖRSE ONLINE kannten das Gerücht schon seit Dienstag. „BASF hat laut „Dealreporter“ in diesem Jahr Gespräche über eine mögliche Transaktion mit Evonik geführt“, meldete BÖRSE ONLINE am Morgen im DAX-Bericht. Der Chemiekonzern wolle jedoch zunächst den Börsengang seiner Sparte Agricultural Solutions abschließen, der für Mitte 2027 geplant ist, hieß es bei „Dealreporter“ weiter.
Gerücht vom Dienstag wird konkreter
Drei Tage später wird das Gerücht zunehmend konkret: Die Ludwigshafener seien hinsichtlich einer Übernahme auf die Essener Evonik und ihren Großaktionär, die RAG-Stiftung, zugegangen, schreibt nun auch die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ („FT“) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Der weltgrößte Chemiekonzern wolle mit einem Kauf seinen regionalen Fußabdruck sowie seine Produktpalette ausbauen, unter anderem, um im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stärker dazustehen, heißt es in dem Artikel.
Evonik-Aktie springt zweistellig
Eine so große Übernahme zwischen zwei deutschen Konzernen gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. Immerhin bringt Evonik eine Marktkapitalisierung von mehr als acht Milliarden Euro auf die Waage. Während der Bericht des „Dealreporters“ am Dienstag noch kaum die Kurse bewegte, schlug der FT-Artikel nun richtig ein: BASF-Aktien sackten am frühen Nachmittag um mehr als drei Prozent ab, Evonik-Papiere zogen um elf Prozent an.
BASF, Evonik und die RAG-Stiftung nahmen gegenüber der FT keine Stellung. Die RAG-Stiftung hält 43 Prozent an Evonik und müsste wohl als erste von einem Zusammenschluss überzeugt werden.
Das Chemiegeschäft gilt als zyklisch, weshalb die Branche angesichts der Wachstumsschwäche in Deutschland schon seit einigen Jahren zu kämpfen hat. Hinzu kamen in diesem Jahr stark anziehende Energiepreise infolge des Kriegs im Nahen Osten. Allerdings verbuchten einige Sparten in der Chemie auch eine Sonderkonjunktur, weil die Blockade der Straße von Hormus das Angebot durch Konkurrenten verknappte und die Preise in die Höhe trieb.
Was tun mit der Aktie?
Die Übernahmegerüchte sind noch ganz frisch – und es könnten weitere Interessenten auftauchen. BÖRSE ONLINE hat die Evonik erst kürzlich in Ausgabe 38/2026 ausführlich analysiert. Wenn Sie mehr über den Zielkurs und den Stoppkurs der Redaktion erfahren möchten, können Sie die Ausgabe 38/26 direkt hier als E-Paper kaufen.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufige Fragen zum Thema Evonik
Welche Arten von Chemikalien stellt Evonik her?
Evonik gilt als weltweit führend im Bereich der Spezialchemie. Das Produktspektrum umfasst keine klassischen Massenchemikalien, sondern Wirkstoffe wie Lack- und Beschichtungsadditive, zu denen etwa Harze, Entschäumer und Dispergiermittel gehören. Außerdem stellt Evonik zum Beispiel Kieselsäuren (Silica) her, die zur Steuerung der Viskosität in Reifen, Zahnpast oder Kosmetika dienen. Auch Wasserstoffperoxid oder Aminosäuren gehören zum Produktspektrum.
Warum ist Evonik ein interessantes Übernahmeziel für BASF?
Laut „Financial Times“ will der weltgrößte Chemiekonzern BASF mit einem Kauf von Evonik seinen regionalen Fußabdruck sowie seine Produktpalette ausbauen, auch mit Blick auf Wettbewerber aus China.
Steht die Übernahme von Evonik durch BASF schon fest?
Nein, bisher handelt es ich um Gerüchte – auch wenn die immer stichhaltiger werden. Außerdem hat BASF zunächst einmal den geplanten Börsengang seiner Agrarsparte vor der Brust und dürfte sich erst danach konkret zu Evonik äußern.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.