Amazon-Aktie: Konzern-Gründer Bezos - Großkonzerne sollten überprüft werden
· Börse Online Redaktion
Vor der Preisverleihung protestierten 450 Amazon-Mitarbeiter - manche kamen aus Polen und Spanien - vor der Springer-Firmenzentrale. Die neue SPD-Parteichefin Andrea Nahles und Verdi-Chef Frank Bsirske nahmen an der Aktion teil, die auf die Arbeits- und Tarifpolitik des US-Konzerns aufmerksam machen sollte. Es sei ein "Hohn und eine Schande", dass so ein Preis an so einen Unternehmer gehe, sagte Nahles. Bsirske sprach davon, dass der Amazon-Chef die "Arbeitsbeziehungen amerikanisieren" wolle. "Aber wir wollen nicht zurück ins 19. Jahrhundert", sagte Bsirske unter dem Jubel der Anwesenden. Springer wolle den Preis an eine herausragende Persönlichkeit verleihen, aber er gehe nun an eine Person, die einen Konzern führe, der Steuervermeidung betreibe und Profite am Fiskus vorbeiführe.
Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert hierzulande bereits seit 2013 an. Verdi fordert für die 16.000 Mitarbeiter in den deutschen Amazon-Versandzentren tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. Amazon nimmt indes Vereinbarungen der Logistikbranche als Maßstab, in der weniger bezahlt wird. Darüber hinaus geht es zunehmend auch um den hohen Druck, der auf die Mitarbeiter ausgeübt wird. Von Döpfner nach der Kritik der Gewerkschaften befragt, sagte Bezos: "Nein, sie haben in dem Fall nicht recht." Der Konzern teilte mit, ein sicheres und positives Arbeitsumfeld für Tausende von Menschen in Deutschland mit wettbewerbsfähiger Vergütung und Zusatzleistungen vom ersten Tag zu bieten.
Bezos erhielt als dritter Preisträger den Axel Springer Award. Der US-Amerikaner hat Amazon 1994 gegründet und von einem digitalen Buchhändler zum weltgrößten Onlinehändler mit einem Marktwert von weit mehr als 700 Milliarden Dollar ausgebaut. Forbes zufolge ist Bezos, der auch Besitzer der "Washington Post" sowie der Raketenfirma Blue Origin ist, der reichste Mann der Welt. Bezos versicherte: "Ich bin nicht daran interessiert, eine weitere Zeitung zu kaufen, obwohl ich monatlich Anfragen bekomme." Aber er werde mit 80 Jahren wohl sehr zufrieden mit der Entscheidung sein, die "Washington Post" gekauft zu haben.
Der 54-Jährige, der mit seiner Frau an der Preisverleihung teilnahm und vorab von Microsoft-Gründer Bill Gates und Investorenlegende Warren Buffett für seine Arbeit gelobt wurde, kündigte zudem an, sein Vermögen weiterhin in Blue Origin zu stecken. Derzeit mache er jährlich rund eine Milliarde Dollar flüssig, um die Firma zu finanzieren. "Das werde ich noch eine Weile tun." Dem früheren Wall-Street-Banker zufolge will das Raumfahrtunternehmen Ende des Jahres oder Anfang nächstes Jahres erstmals Touristen mit ins All nehmen.
rtr
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