Der CEO der Unicredit, steht vor dem größten Coup seiner Amtszeit. Mit der Übernahme der Commerzbank ist er fast am Ziel

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 21. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 44/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Andrea Orcel kam 2021 an die Spitze der Unicredit, und viele erwarteten von ihm vor allem Zukäufe. Lange blieb er, abgesehen von kleineren Übernahmen, den Beweis schuldig. Nun ist er kurz davor, ihn zu liefern. Zuletzt erlaubte die Europäische Zentralbank, den Anteil an der Commerzbank über die Schwelle von 30 Prozent hinaus auszubauen. Mit dem Übernahmeangebot und Derivaten hatte sich der Italiener bereits rund 49,7 Prozent der Stimmrechte gesichert. Fehlen noch die kartellrechtliche Freigabe der Europäischen Kommission, über die Brüssel bis zum 16. November entscheiden will, sowie die Zustimmung der amerikanischen Notenbank und der polnischen Aufsicht, die alle bis zum Jahresende erwartet werden. Orcel begründet den Vorstoß mit einer Vision. 

Europa brauche „vier oder fünf wirklich große Banken“, sagte er der „Börsen-Zeitung“, denn die Institute kämpften gegeneinander statt gegen die übermächtige Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten. Die in 14 Ländern vertretene Unicredit zeige aus seiner Sicht, dass grenzüberschreitende Zusammenschlüsse trotz nationaler Hürden gelingen können. 

Der Ton gegenüber Frankfurt und Berlin bleibt dagegen rau. Im Juli bot er zwar einen konstruktiven Dialog an, nannte als Gesprächspartner aber nur Bundesregierung und Arbeitnehmervertreter, nicht den Vorstand der Commerzbank, und verband das mit der Drohung, notfalls den Aufsichtsrat auszutauschen. Insider werteten das als Affront. 

Nach Informationen des „Handelsblatts“ will er im Januar oder Februar auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die von den Aktionären gewählten Mitglieder des Aufsichtsrats austauschen und danach Vorstandschefin Bettina Orlopp ablösen, deren Vertrag bis 2029 läuft. Auch die beiden Vertreter des Bundes müssten nach diesen Plänen weichen. Finanzminister Lars Klingbeil hatte dagegen gefordert, dem Bund zwei Sitze zu lassen. Der Bund, aktuell noch mit 13,3 Prozent beteiligt, hat seinen Widerstand im Sommer aufgegeben, lehnt das aggressive Vorgehen aber weiter ab.

Synergien in Aussicht gestellt

Für Unicredit-Aktionäre geht es um höhere Gewinne. Orcel verspricht von 2026 bis 2028 ein zweistelliges Wachstum des Nettoergebnisses durch die Transaktion. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital beziffert er auf 15 Prozent, fünf Prozentpunkte mehr als bei Aktienrückkäufen. Auch ohne sofortige Fusion mit der Hypovereinsbank will Orcel durch die Zusammenarbeit Kosten senken. Zugleich plant er Investitionen von 2,2 Milliarden Euro in Personal, Technologie und künstliche Intelligenz bei der Commerzbank. Die Kernkapitalquote der Unicredit soll durch die Übernahme zwar um zwei Prozentpunkte sinken, das geplante Rückkaufprogramm der Unicredit über 4,75 Milliarden Euro wurde gestrichen, in Deutschland sollen zudem 7.000 Vollzeitstellen bei der Commerzbank wegfallen. 

Zugleich hob die Unicredit die Gewinnprognose 2026 auf deutlich über elf Milliarden Euro an. Einige Risiken bleiben jedoch. Einem Reuters vorliegenden vertraulichen EZB-Dokument zufolge steht der Unicredit ein „herausfordernder und langwieriger“ Integrationsprozess bevor. Doch auch davon dürfte sich Orcel nicht abhalten lassen. Die Commerzbank-Aktie ist eine laufende Empfehlung von BÖRSE ONLINE. Seit der Erstempfehlung in Ausgabe 01/2022 liegt die Performance bei 440 Prozent.

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.