Mit der Smartwatch stößt Apple in das bislang überschaubare Geschäft mit sogenannten "Wearables" vor - also Kleinstcomputern, die am Körper getragen werden. In der Branche wird Apple zugetraut, abermals den Markt umzukrempeln. Zuletzt war dies dem Konzern 2010 mit dem iPad gelungen.

Rivalen wie Samsung, Sony und LG Electronics haben zwar bereits Smartwatches im Programm - bisher allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Einige Branchenexperten erklären dies damit, dass der Markt erst mit einem Produkt von Apple richtig definiert werde. Sie trauen dem US-Konzern einen Milliarden-Umsatz mit dem neuen Gerät zu, das auch in einer Goldausführung zu haben ist. Offen ist, wie sich Apples Vorstoß auf den konventionellen Uhrenmarkt auswirken wird, der besonders in der Schweiz mit Branchengrößen wie Swatch eine wichtige Rolle spielt.

Apple erklärte, der Konzern wolle mit der Uhr ein neues Kapitel seiner Geschichte aufschlagen. Das Management hatte die Latte zuvor selbst hoch gelegt mit dem Versprechen, an der besten Produktpalette seit 25 Jahren zu basteln. Sollte es Konzernchef Cook mit der Apple Watch gelingen, die Erfolgsgeschichte von Mac, iPod, iPhone und iPad fortzuschreiben, könnte er damit aus dem Schatten seines verstorbenen und von Apple-Fans geradezu verehrten Vorgängers Steve Jobs treten. An den Märkten steht Cook unter Druck, die Position Apples als innovatives Unternehmens wieder zu stärken.

"SWATCH-CHEF WIRD HEUTE GUT SCHLAFEN"

Die ersten Reaktionen auf Apples neuen Mini-Computer fürs Handgelenk fielen verhalten aus. "Das war jetzt nicht so cool, wie ich befürchtet habe", sagte der Uhrenmarkt-Spezialist Jon Cox von Kepler Cheuvreux in Zürich. "(Swatch-Chef) Nick Hayek wird heute Nacht wahrscheinlich gut schlafen können." Analyst Daniel Morgan von Synovus Trust Company in Atlanta zeigte sich ebenfalls reserviert: "Ich weiß nicht, ob sie mit dieser Uhr in die richtige Richtung gehen." Die Tatsache, dass die wichtigsten Funktionen nur in Kombination mit einem iPhone zu nutzen seien, schränke den Kreis potenzieller Käufer ein.

Die Kalifornier stellten am Dienstag zudem eine neue iPhone-Serie vor. Die jüngsten Versionen des Alleskönner-Handys unterscheiden sich von den bisherigen Apple-Geräten dieser Art vor allem durch einen größeren Bildschirm. Damit stößt das Unternehmen in das Marktsegment vor, das bisher vom südkoreanischen Erzrivalen Samsung dominiert wurde. Zudem soll jedes neue iPhone künftig mit der Bezahlfunktion Apple Pay ausgerüstet werden, so dass Kunden in Geschäften mit ihrem Handy statt mit einer Kreditkarte bezahlen können.

Apple-Aktien legten während der Veranstaltung in einem unruhigen Handel deutlich zu, drehten aber später ins Minus. Auch die Aktienkurse mehrerer japanischer Zulieferer kamen unter Druck. "Kurzfristig orientierte Investoren verkaufen diese Titel, weil die Apple-Präsentation keine Überraschung brachte", urteilte ein Fondsmanager in Tokio.