Der britische Online-Modekonzern musste sich neu ausrichten. Das brachte herbe Geschäftseinbußen. Doch mittlerweile sind die ersten Früchte des Umbaus zu sehen. Die Aktie hat schon reagiert.
Für Asos gab es in der Pandemie keine Grenze. Das Geschäft des Online-Modehändlers wuchs, die Aktie kostete 60 Euro. Doch die Erwartungen waren zu hoch, die Aktie verlor massiv. In der Folge rudert der Konzern zurück, musste die Kosten senken und vor allem die Schulden reduzieren. Das ging nicht ohne Verwässerung. 2023 etwa gab es eine große Kapitalerhöhung, die bestehenden Aktionäre wurden um 20 Prozent verwässert.
Rund 40 Prozent des Umsatzes in Höhe von 2,4 Milliarden Pfund stammt aus Eigenmarken. Der Rest kommt aus dem Verkauf von rund 850 Partnermarken wie etwa auch Adidas. Die Eigenmarken werfen den höheren Deckungsbeitrag ab. Um die Trendwende zu schaffen, wurden die Kosten gesenkt, die Lager geleert. Dann erfolgte die Abkehr von den Preisnachlässen. Natürlich hatte das erst einmal zur Folge, dass Asos Kunden und Geschäft verlor. Auf dem Weg nach unten ist es nicht einfach, profitabel zu arbeiten. Allerdings hat Asos Ballast abgeworfen. Zuletzt wurden Lagerhäuser abgegeben, die die laufenden Kosten um einen zweistelligen Millionenbetrag reduzieren werden.
Und langsam stößt die neue Strategie auf Gegenliebe. Zum einen gibt es exklusive Kollektionen, die zum vollen Preis verkauft werden. Daneben wird das Sortiment mit dem Programm „Test und React“ beschleunigt. Weil erst einmal nur kleine Stückzahlen eines Designerstücks gefertigt werden, kann das schnell auf den Markt kommen. Ist die Nachfrage groß, wird nachgelegt. Das ist auch das Modell, mit dem der spanische Konzern Inditex punktet.
Auch wenn die Umsatzzahlen noch gegen Süden zeigen, die neuen Vertriebsmodelle stimmen zuversichtlich. Zuletzt hat sich die Zahl der Neukunden wieder erhöht. Und auch bei den Ertragskennzahlen ist es messbar. Die Rohmarge, eine wichtige Kennzahl im Onlinehandel, legte im ersten Quartal um 3,3 Prozentpunkte zu. Das Betriebsergebnis schaffte einen Sprung von rund 50 Prozent. Im laufenden Jahr soll beim freien Cashflow kein Bargeld mehr verbraucht werden. Dies ist der Vorbote nachhaltig schwarzer Zahlen.
Neben den mittlerweile berechtigten Hoffnungen auf einen Turnaround lädt auch der Aktionärskreis von Asos zu Spekulationen ein. Größter Aktionär ist mit einem Anteil von 29 Prozent die Frasers Group. Zweitgrößter Aktionär mit einem Anteil um 28 Prozent ist Anders Holch Povlsen. Der Däne war aber auch bei About You groß investiert und hat dort den Zusammenschluss mit Zalando unterstützt. Mit einem Anteil von 10,6 Prozent ist er heute größter Anteilseigner von Zalando. Es würde in dieser Konstellation nicht überraschen, wenn Asos von einer anderen Handelsgruppe übernommen würde. Bei der Übernahme von About You hatte Zalando einen mehr als doppelt so hohen Umsatzmultiplikator gezahlt, zu dem Asos heute gehandelt wird.
Fazit
Der Turnaround von Asos ist auf einem guten Weg. Die Kosten sind gedrückt, der Markt zieht langsam an, es gibt latente Übernahmefantasie. Die hochspekulative Aktie ist angesprungen, notiert aber weit unter historischen Bestwerten.