Diese Aktie bietet laut Analysten 120 Prozent Kurspotential. Die günstige Bewertung und 400 Prozent Gewinnwachstum wirken verlockend. Doch wo ist der Haken?
Eine regelrechte Achterbahnfahrt hat die Aktie des südkoreanischen Speicherherstellers SK Hynix im laufenden Jahr hingelegt. Von Januar bis zu ihrem Allzeithoch im Juni hatte sich der Kurs zunächst mehr als vervierfacht, brach seither aber um fast 50 Prozent ein. Auslöser des Crashs waren Warnungen der südkoreanischen Finanzaufsicht vor den Risiken gehebelter ETFs auf Speicherhersteller. Daraufhin setzten bei den zuvor heiß gelaufenen Speicheraktien Gewinnmitnahmen ein, die durch die allgemeine Verschlechterung der Stimmung im Halbleitersektor zusätzlich verstärkt wurden. Durch den starken Kursrückgang ist auch die Bewertung deutlich gesunken und könnte inzwischen ein attraktives Einstiegsniveau erreicht haben.
Der Markt preist bereits den nächsten Abschwung bei SK Hynix ein
Fundamental ist die Lage bei SK Hynix deutlich besser, als der Kurseinbruch der vergangenen Wochen vermuten lässt. TrendForce erwartet für das dritte Quartal 2026 einen Anstieg der DRAM-Preise um 13 bis 18 Prozent und der NAND-Preise um 10 bis 15 Prozent. Damit hat sich das Preiswachstum gegenüber den Vorquartalen deutlich verlangsamt. Einige Marktteilnehmer befürchten daher, dass der Speicherzyklus seinen Höhepunkt bereits erreicht haben könnte.
Schon allein aufgrund der inzwischen hohen Ausgangsbasis dürften die Preissteigerungen künftig geringer ausfallen als in den vergangenen Quartalen. Bei einem Forward-KGV von lediglich 4,5 erwartet der Markt allerdings ohnehin keine dauerhaft hohen Wachstumsraten. Die niedrige Bewertung deutet vielmehr darauf hin, dass viele Anleger vom Erreichen des Zyklushochs und von deutlich fallenden Preisen und Gewinnen in absehbarer Zukunft ausgehen.
Sollte es SK Hynix gelingen, die Gewinne über mehrere Jahre zumindest stabil zu halten, könnte dies daher bereits eine deutliche Neubewertung der Aktie auslösen. Vor allem zwei Gründe sprechen dafür, dass der Markt die Ausgangslage des Speicherherstellers aktuell deutlich schlechter einschätzt, als sie tatsächlich ist.
Grund 1: Dreimal mehr Wafer bedeuten nicht dreimal mehr Speicher
Im Juni erklärte der Vorsitzende der SK Group, Chey Tae-won, dass SK Hynix seine Waferkapazität innerhalb der kommenden fünf Jahre verdoppeln und bis 2034 sogar verdreifachen wolle. Auf den ersten Blick könnte daraus der Eindruck entstehen, dass das Unternehmen dann auch dreimal so viel Speicher produzieren kann. Doch dieser Eindruck täuscht.
Speicherchips werden auf sogenannten Wafern produziert. Dabei handelt es sich um runde Siliziumscheiben mit einem Durchmesser von 300 Millimetern. In zahlreichen Fertigungsschritten werden auf einem Wafer viele identische Schaltkreise erzeugt. Anschließend wird der Wafer in einzelne Stücke zerschnitten, die als Dies bezeichnet werden. Ein Die ist der eigentliche Siliziumchip. Es kann einzeln verpackt oder mit weiteren Dies kombiniert werden. Bei HBM werden beispielsweise mehrere DRAM-Dies vertikal übereinandergestapelt und zu einem HBM-Stack verbunden.
Der springende Punkt: Nicht alle Speicherprodukte benötigen je produziertem Bit die gleiche Waferkapazität. Nach Angaben von Micron verbraucht HBM3E ungefähr dreimal so viel Waferkapazität wie DDR5. Bei HBM4E erwartet Micron sogar ein Verhältnis von mehr als 4:1.
Aufgrund der hohen Nachfrage aus KI-Rechenzentren verschieben die Speicherhersteller ihre Produktion zunehmend von konventionellem DRAM wie DDR5 hin zu HBM. Dadurch wird für die Produktion der gleichen Speichermenge in Bits immer mehr Waferkapazität benötigt. Eine Verdreifachung der Waferkapazität ist deshalb nicht automatisch mit einer Verdreifachung der Bitproduktion gleichzusetzen.
Unterstellt man, dass heute 30 Prozent der Waferkapazität für HBM mit einem Wafer-Verhältnis von 3:1 verwendet werden und dieser Anteil bis 2034 auf 50 Prozent bei einem Verhältnis von 4:1 steigt, würde eine Verdreifachung der physischen Waferkapazität die Bitproduktion nur auf etwa das 2,3-Fache erhöhen.
Über den Zeitraum von 2026 bis 2034 entspräche dies einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum der Bitproduktion von rund elf Prozent. Die physische Waferkapazität würde im selben Zeitraum dagegen um knapp 15 Prozent pro Jahr wachsen.
Grund 2: Hohe KI-Nachfrage stützt die Speicherpreise
Wenn die Nachfrage schneller wächst als das Angebot, steigen in der Regel auch die Preise. Wie im vorherigen Abschnitt gezeigt, dürfte das Speicherangebot bis 2034 um durchschnittlich rund 11 Prozent pro Jahr wachsen.
Die Aussagen des Managements deuten jedoch darauf hin, dass selbst dieser deutliche Kapazitätsausbau nicht ausreichen könnte. In einem Interview mit CNBC erklärte SK-Chairman Chey Tae-won, die Kunden hielten selbst die geplante Verdopplung der Waferkapazität innerhalb der kommenden fünf Jahre für unzureichend. „Sie wollen tatsächlich ein Angebot, das fünf- bis sechsmal so hoch ist [als 2026]“, sagte Chey.
Auch SK-Hynix-CEO Kwak Noh-jung rechnet langfristig mit einem anhaltenden Nachfrageüberhang: „Wir erwarten weiterhin, dass die Kundennachfrage selbst über 2030 hinaus höher als unsere Lieferkapazität bleiben wird.“
Diese Einschätzung wird durch Prognosen zum Wachstum der KI-Infrastruktur gestützt. IDC erwartet, dass die weltweiten Ausgaben in diesem Bereich von 318 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 1,21 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 steigen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 31 Prozent.
Kurzum: Selbst wenn die Bitproduktion jährlich um deutlich mehr als die zuvor errechneten elf Prozent steigen sollte, dürfte die Nachfrage in den kommenden Jahren weiterhin schneller wachsen als das Angebot. Das würde für eine anhaltend hohe Auslastung und strukturell erhöhte Speicherpreise sprechen.
Fazit: Günstig bewertete Aktie mit kurzfristigen Unsicherheiten
Der jüngste Kurseinbruch bei SK Hynix wirkt eher wie eine Kombination aus Gewinnmitnahmen und negativem Sentiment als wie die Folge einer tatsächlichen Verschlechterung der fundamentalen Ausgangslage. Die Speicherpreise dürften auch in den kommenden Jahren auf einem hohen Niveau bleiben und könnten sogar weiter steigen.
Mit einem Forward-KGV von lediglich 4,5 erscheint die SK-Hynix-Aktie vor diesem Hintergrund deutlich unterbewertet. Die niedrige Bewertung bietet erhebliches Aufwärtspotenzial, falls die Gewinne länger als vom Markt erwartet auf einem hohen Niveau bleiben.
Kurzfristig bleibt die Kursentwicklung dennoch schwer vorhersehbar. Nach der extremen Rally und dem anschließenden Einbruch können bereits kleinere Nachrichten neue Euphorie oder weitere Panik auslösen. Für langfristig orientierte und risikobewusste Anleger könnte das aktuelle Kursniveau dennoch eine interessante Einstiegsgelegenheit darstellen.
Häufig gestellte Fragen:
Warum ist die SK-Hynix-Aktie so stark gefallen?
Nach einer Vervierfachung seit Jahresbeginn führten Warnungen vor gehebelten Speicher-ETFs, Gewinnmitnahmen und die schwächere Stimmung im Halbleitersektor zu einem Kursrückgang von fast 50 Prozent.
Wie entwickeln sich die Speicherpreise 2026?
TrendForce erwartet für das dritte Quartal 2026 Preissteigerungen von 13 bis 18 Prozent bei DRAM und 10 bis 15 Prozent bei NAND. Das Wachstum verlangsamt sich, die Preise bleiben aber hoch.
Ist die SK-Hynix-Aktie jetzt ein guter Kauf?
Mit einem Forward-KGV von 4,5 erscheint die Aktie günstig bewertet. Langfristig bietet die hohe KI-Nachfrage Chancen, kurzfristig bleiben Kurs und Speicherzyklus jedoch schwer vorhersehbar.