BASF will seine Agrarsparte im Jahr 2027 an die Börse bringen. Für die Aktionäre wäre das mehr als ein normaler Spin-off. Denn nach neuesten Schätzungen ist ihr Wert viel höher als bisher gedacht.
Mitte Juli gab BASF bekannt, dass der Chemieriese im Zuge des Konzernumbaus seine Agrarsparte an die Börse bringen will, möglicherweise schon 2027. Nun zeigt sich: Der Zeitplan ist offenbar enger gesteckt als bisher gedacht. So akquirieren etwa das Presse- und das Investor-Relations-Team schon fleißig neue Mitarbeiter, wie Einträge auf LinkedIn zeigen.
Im DAX-Konzern steckt ein ganzer DAX-Wert
Wie in solchen Fällen üblich will BASF bei einem IPO nicht die Kontrolle abgeben, sondern nur einen Minderheitsanteil platzieren. Das würde es dem Konzern ermöglichen, frisches Kapital zu heben, um Schulden abzubauen. Zugleich würde eines seiner profitabelsten Geschäftsfelder sichtbar.
Das könnte schon bald auch Einfluss auf den dahindümpelnden Kurs der BASF-Aktie haben. Denn wie ebenfalls kürzlich bekannt wurde, taxieren Experten den Wert der Tochter auf 20 bis – man höre und staune – 30 Milliarden Euro. Damit wäre die Sparte allein an der Börse mehr wert als Adidas, Henkel oder Vonovia. Zudem entspricht diese Bewertung zwei Dritteln des aktuellen Börsenwerts, obwohl die Sparte zuletzt „nur“ ein Drittel des Gewinns beitrug. Logische Folge: Die BASF-Aktie wäre aktuell klar unterbewertet.
Agrar als Cashmaschine
Vorausgesetzt, BASF kann es wirklich schaffen, die Bewertung in Richtung der 30-Milliarden-Marke zu treiben, dann wäre wohl eine Neubewertung der BASF-Aktie fällig. Der Chemiekonzern leidet seit Jahren unter dem Konglomeratsabschlag, den der Markt auf alle breit aufgestellten Chemie- und Industrietitel legt. BASF-Chef Markus Kamieth will diesen Makel beseitigen und die wahre Qualität der einzelnen Einheiten freilegen.
Dass ausgerechnet die Landwirtschaftssparte an die Börse soll, ist kein Zufall. 2025 kam das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut auf rund 10 Milliarden Euro Umsatz, rund 2 Milliarden Euro bereinigten Gewinn und 1,5 Milliarden Euro freien Cashflow. Damit ist die Einheit einer der solidesten Cashlieferanten der Ludwigshafener.
Meilenstein im Konzernumbau
Ein IPO böte BASF einen doppelten Hebel: Zum einen ließen sich mit den Mitteln aus dem IPO Schulden abzahlen, was die Bewertung hebt. Zum zweiten könnte BASF die Gewinne der Tochter als Mehrheitsgesellschafter weiterhin in seinen Bilanzen verbuchen und würde also auch danach noch von diesem zukunftsträchtigen Geschäft profitieren.
Die Transaktion ist ein weiterer Baustein der übergeordneten Strategie: Nach dem Teilverkauf des Lackgeschäfts an Carlyle und weiteren Abspaltungen fokussiert sich BASF immer stärker auf das Kerngeschäft. Stärke, nicht Breite, lautet die neue Logik unter CEO Kamieth. Basischemie, Kunststoffe, Additive und ausgewählte Inhaltsstoffe sollen den Kern bilden. Alles andere kommt auf den Prüfstand oder wird ausgelagert.
Börse schaut genau hin
Ein Börsengang der Agrarsparte von BASF ist auch deshalb spannend, weil sie, anders als etwa der Agrarbereich von Bayer, ganz ohne Skandale und grundsolide dasteht. Investoren, die dort das Monsanto-Thema leid sind, auch wenn Bayer nun auf eine Lösung zusteuert, könnten auf genau so eine Gelegenheit gewartet haben. Ähnliches gilt für Tech-Investoren, die derzeit immer stärker auf Value umschichten. Auch in so eine Anlagestrategie könnte eine „bereinigte“ BASF-Aktie oder ihre Agrartochter gut hineinpassen.
Klar ist: Wenn BASF diesen Deal erfolgreich durchzieht, wird der Chemieriese nicht kleiner, sondern in Summe vermutlich wertvoller.
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Häufige Fragen zum Thema
Ist BASF immer noch eine Dividendenaktie?
Ja. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 rechnen Analysten mit einer unveränderten Dividende von 2,25 Euro. Das entspricht auf dem aktuellen Kursniveau einer überdurchschnittlich hohen Rendite von 4,3 Prozent.
Wann wird BASF seine Agrarsparte abspalten?
Aussagen des Unternehmens zufolge wird ein IPO im Jahr 2027 „angestrebt“. Jüngste Aktivitäten lassen vermuten, dass ein Börsengang schon im ersten Halbjahr das Ziel ist.
Warum könnte ein IPO der Agrarsparte zu einer Neubewertung der BASF-Aktie führen?
Experten taxieren den Wert der Sparte auf 20 bis 30 Milliarden Euro. Im Vergleich zum derzeitigen Börsenwert von BASF, der bei 44 Milliarden Euro liegt, entspräche das der Hälfte oder sogar bis zu zwei Dritteln davon. Damit wäre das restliche Geschäft wohl unterbewertet, denn die Agrarsparte steht nur für ein Drittel des Konzerngewinns.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.