Der Chemiekonzern Bayer muss am Dienstagmorgen ein neues Jahrestief hinnehmen. Satte sechs Prozent verlor die Aktie in den ersten Handelsstunden bereits. Grund dafür ist eine Entscheidung aus den USA.

Mit einem großangelegten Vergleich in Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat versucht Bayer eine endgültige juristische Einigung für die zahlreichen Klagen gegen sein US-Tochterunternehmen Monsanto zu erzielen. Zahlreiche US-Bürger geben an, durch den Einsatzes des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup an Non-Hodgkin-Lymphomen (einer Art von Lymphdrüsenkrebs) erkrankt zu sein. Doch nun gibt es rund um den geplanten Vergleich Neuigkleiten, die am Dienstag für einen Kurssturz bei den Leverkusenern sorgten.

Richterwechsel weckt Sorgen bei Investoren

Satte sechs Prozent büßte die Aktie ein und notierte zeitweilig nur noch unter 33 Euro. Damit liegt der Wert seit Beginn des Jahres rund elf Prozent im Minus. Allerdings konnte sich die Aktie später etwas erholen und kletterte wieder auf 33,31 Euro (Stand: 02. Juni 2026, 11:35 Uhr). Dennoch bleibt ein Verlust von 5,18 Prozent stehen. 

Der Grund: Der Gerichtsstand für den Glyphosat-Vergleich wurde von Missouri nach Kalifornien verliegt. Dort liegt der Fall nun bei Bundesrichter Vince Chhabria. Er gilt als klarer Kritiker der Vergleichsstrategie von Bayer. Bereits im Juni 2020 hat Chhabria einen Vergleichsvorstoß von Bayer abgelehnt. Die milliardenschwere Einigung der Leverkusener könnte nun also wieder auf der Kippe stehen. Bisher gingen Investoren von einer für Bayer günstigen Entscheidung aus.

Und noch ein weiteres Problem verursacht Unruhe am Markt: Im Fall "Durnell" steht in diesem Monat eine Grundsatzentscheidung des Supreme Court an. Bayer hofft, dass eine höchstrichterliche Entscheidung weiteren Glyphosat-Klagen die Grundlage entziehen würde.

Bereits 2023 fiel das erste Urteil zugunsten des Landwirtes und Bayer sollte eine Entschädigung in Höhe von 1,25 Millionen US-Dollar zahlen. Als Grund nannte das Gericht damals das Fehlen eines Warnsymbols, das darauf hingewiesen hätte, dass Roundup Krebs verursachen könne. Bayer bestreitet das und versucht seit Jahren, über Berufungen einen Prozess bis zum Supreme Court zu bringen, um den Fall ein für allemal höchstrichterlich klären zu lassen. Eine Entscheidung zugunsten von Bayer würde dafür sorgen, dass sich die Entschädigungssummen deutlich reduzieren.

Doch der Ausgang ist bisher offen, in ersten Anhörungen zeigten sich die zuständigen Richter in der Meinung gespalten.

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Worauf Anleger jetzt achten sollten

Wer jetzt Bayer verkauft, könnte also später das Nachsehen haben. Der europäische Chemie- und Pharmasektor befindet sich weiterhin in einem deutlichen Positivtrend. Fällt die Entscheidung des obersten US-Gerichtes zugunsten der Leverkusener aus, würde der Kurs vermutlich durchstarten. Allerdings zeigt die Historie, dass Bayer bereits in früheren Berufungsanläufen scheiterte. Dadurch sind die Chancen auf eine Entscheidung zugunsten des Chemieriesen völlig offen. Zunächst halten sich die Börsianer an Fakten. Und da sorgt die Verlegung des Gerichtsstandes für den Vergleich heute für eine negative Marktreaktion.

Dennoch birgt der Titel ein Turnaround-Potenzial. Dementsprechend sollten jetzt alle Augen auf den Supreme Court gerichtet sein. Das Urteil soll bis Ende des Monats verkündet werden.

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