Während viele Anleger vor allem auf Dividenden achten, ziehen andere Unternehmen im Hintergrund Milliarden an eigenen Aktien ein. Diese drei Titel stechen dabei besonders heraus.

Der eigene Anteil am Kuchen wird immer größer – ohne dass man dafür auch nur ein einziges neues Stück kaufen muss. Genau das passiert bei Aktienrückkäufen: Wenn ein Unternehmen eigene Aktien am Markt zurückkauft, steigt für die verbleibenden Aktionäre der Anteil am Unternehmen. Das steigert den Gewinn je Aktie und gibt dem Aktienkurs Rückenwind.

Auch Warren Buffetts langjähriger Weggefährte Charlie Munger war ein großer Anhänger solcher Unternehmen. Er bezeichnete sie als „Kannibalen“, weil sie gewissermaßen ihre eigenen Aktien auffressen. Für langfristige Anleger können Rückkäufe zudem steuerlich attraktiver sein als Dividenden, da keine sofortige Steuer auf eine Ausschüttung anfällt.

In diesem Artikel stellen wir drei spannende Unternehmen vor, die in großem Umfang eigene Aktien zurückkaufen und damit ganz im Sinne von Charlie Munger handeln.

General Motors – 8 Prozent Rückkaufquote

Der 117 Jahre alte Auto- und Nutzfahrzeughersteller konnte seine Aktienzahl in den vergangenen zwölf Monaten um rund acht Prozent reduzieren. Seit 2015 hat GM für 42,7 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückgekauft und die Aktienanzahl damit um rund 45 Prozent reduziert.

Im Oktober genehmigte GM ein neues mehrjähriges Rückkaufprogramm über 20 Milliarden Dollar. Damit könnten fast 30 Prozent der ausstehenden Aktien eingezogen werden. Die hohen Rückkäufe zeigen, dass das Management die Aktie mit einem Forward-KGV von 5,7 offenbar als unterbewertet einstuft. Auch das KBV ist mit 1,03 sehr niedrig und liegt nahe an der psychologisch wichtigen Schwelle von 1,0.

Shell – 6,4 Prozent Rückkaufquote

Der britische Ölkonzern weist eine starke Aktionärsrendite von 9,25 Prozent auf. Neben einer Dividendenrendite von 2,9 Prozent kaufte das Unternehmen zuletzt auch 6,4 Prozent seiner eigenen Aktien zurück. Die hohen Kapitalrückführungen kann sich Shell durchaus leisten: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz dank der hohen Ölpreise infolge des Irankonflikts um fast 45 Prozent. Der Gewinn verdreifachte sich sogar.

Bis 2030 strebt Shell ein jährliches Wachstum des normalisierten Free Cashflows je Aktie von über zehn Prozent an. Die Übernahme von ARC Resources soll zudem die Fördermenge bis 2030 um jährlich rund vier Prozent steigern. Allerdings wurde die Akquisition teilweise mit rund 228 Millionen neuen Shell-Aktien finanziert, was den Effekt der Rückkäufe zum Teil ausgleicht.

Anleger sollten nun die Quartalszahlen am 29. Oktober im Blick behalten.

HCA Healthcare – 8 Prozent Rückkaufquote

HCA Healthcare zählt zu den größten privaten Krankenhausbetreibern der USA und betreibt rund 190 Krankenhäuser sowie zahlreiche ambulante Versorgungseinrichtungen.

In den vergangenen zwölf Monaten hat das Unternehmen die Zahl seiner ausstehenden Aktien durch Rückkäufe um rund acht Prozent reduziert. Aus dem aktuellen Rückkaufprogramm stehen noch rund 4,24 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Der Effekt der umfangreichen Rückkäufe zeigt sich auch in den am Dienstag veröffentlichten Quartalszahlen: Obwohl der Nettogewinn um 3,9 Prozent sank, stieg der Gewinn je Aktie um 4,5 Prozent.

Langfristig profitiert HCA von der alternden US-Bevölkerung und der steigenden Nachfrage nach medizinischer Versorgung. Die größten Risiken bleiben mögliche Änderungen der staatlichen Krankenversicherungssysteme sowie die hohe Verschuldung des Konzerns.

Fazit

Aktienrückkäufe können neben Dividenden eine attraktive Form der Kapitalrückführung an die Aktionäre sein. Insbesondere bei unterbewerteten Unternehmen können sie sogar sinnvoller sein als Dividenden, da das Unternehmen die eigenen Aktien gewissermaßen „mit Rabatt“ zurückkauft. Zudem bieten Aktienrückkäufe langfristigen Anlegern steuerliche Vorteile, da keine unmittelbare Besteuerung wie bei einer Dividendenausschüttung anfällt.

Wer hingegen lieber auf klassische Dividendenaktien setzt, findet im Globale Dividenden-Stars Index von BÖRSE ONLINE eine Auswahl internationaler Unternehmen mit attraktiven und verlässlichen Ausschüttungen.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Warum bezeichnete Charlie Munger manche Unternehmen als „Kannibalen“?

Charlie Munger bezeichnete Unternehmen, die besonders viele eigene Aktien zurückkaufen, als „Kannibalen“. Durch die Rückkäufe sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien, wodurch der Anteil der verbleibenden Aktionäre am Unternehmen steigt.

Sind Aktienrückkäufe besser als Dividenden?

Das hängt von der Bewertung und der finanziellen Situation des Unternehmens ab. Besonders bei unterbewerteten Aktien können Rückkäufe langfristig mehr Wert schaffen als Dividenden. Zudem fällt für Anleger durch den Rückkauf selbst keine unmittelbare Steuer an.

Welche Risiken haben Aktienrückkäufe?

Kauft ein Unternehmen seine Aktien zu überhöhten Preisen zurück, kann dies Aktionärsvermögen vernichten. Problematisch sind Rückkäufe auch dann, wenn sie durch hohe Schulden finanziert werden oder notwendige Investitionen verdrängen.