Die deutschen Autobauer kämpfen weiterhin mit sinkenden Absatzzahlen in China, Preis- und Kostendruck und hohen Transformationskosten. Bei den jüngsten Quartalszahlen überraschte Mercedes positiv, BMW und Volkswagen enttäuschten. Porsche stabilisiert sich – doch reicht das aus?

Die Lage der deutschen Autoindustrie ist weiterhin angespannt. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die globalen Absätze von Volkswagen um 6,5 Prozent, von Mercedes-Benz um 7,0 Prozent und von BMW um 4,2 Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang in China aus: VW verlor dort 25,9 Prozent, BMW 20,4 Prozent und Mercedes 28,3 Prozent. Zum Vergleich: Der chinesische Markt selbst schrumpfte insgesamt um gut 20 Prozent. Gleichzeitig verschärfen die dortigen Elektroautohersteller den Wettbewerb mit kurzen Modellzyklen, aggressiven Preisen und immer neuen Software-Innovationen. In Europa hilft die wachsende Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen Herstellern wie VW zwar, sie kann die aufgerissene China-Lücke aber nicht schließen.

Gemeinsame Probleme

Einige Probleme haben alle vier Hersteller gemeinsam: Sie leiden unter hohen Fixkosten in Deutschland und komplexen Modellpaletten sowie einem ungünstigen Produktmix, müssen gleichzeitig teure Investitionen in Elektroautos und Software stemmen. Hinzu kommen geopolitische Risiken, Handelskonflikte und hohe Finanzierungskosten.

Die deutschen Hersteller müssen gleichzeitig Preise und Margen verteidigen, ihre Kosten senken und neue Technologien finanzieren – ein schwieriger Spagat. Das Center for Automotive Management erwartet, dass die Belastungen für die deutschen Hersteller auch im Gesamtjahr anhalten. International gesehen schlagen sich Stellantis und Hyundai bislang besser, während Toyota zwar ebenfalls Absatz einbüßt, aber profitabler und breiter aufgestellt ist.

Halbjahreszahlen 2026: Licht und Schatten

Die Zahlen zum zweiten Quartal bestätigen das gemischte Bild. Volkswagen verfehlte die Erwartungen und verdiente im Quartal weniger als im bereits schwachen Vorjahr. Zudem hat der Vorstand seine Umsatzperspektive für 2026 vorsichtiger formuliert. Positiv anzumerken war der robuste freie Cashflow-Zufluss. Mercedes-Benz schnitt besser ab: Dort lag die Marge im Pkw-Geschäft trotz Belastungen aus China bei vier Prozent. Das ist für einen Premiumhersteller alles andere als gut – aber besser als die Konkurrenz. Mercedes senkte zwar seine Umsatzprognose für 2026, bestätigte aber das Margenziel und kündigte eine weitere Milliarde Euro für Aktienrückkäufe an.

Bei BMW fiel der Umsatz im zweiten Quartal um knapp 8 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro. Das EBIT sank um 39 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro. Dadurch brach die operative Marge im Autogeschäft auf 2,3 Prozent ein. Auch BMW bestätigte dennoch den – bereits gesenkten – Ausblick. Porsche meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 17,23 Milliarden Euro, steigerte aber gleichzeitig das operative Ergebnis um ein Drittel auf 1,35 Milliarden Euro. Die Marge verbesserte sich dadurch auf 7,8 Prozent. Auch hier wurde die Prognose bestätigt.

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Die Unternehmen im Einzel-Check

Volkswagen-Aktie: Niedrige Bewertung, große Baustelle

Herausforderungen: Volkswagen muss die schwache China-Position, Überkapazitäten und die insgesamt hohe Komplexität des Zwölf-Marken-Konzerns in den Griff bekommen. Die Rendite im Volumengeschäft ist niedrig, während die Marke Porsche, die jahrelang dicke Gewinne abwarf, ebenfalls unter Druck steht. Der Konzern plant deshalb weitere Einsparungen und einen erneuten drastischen Stellenabbau samt Werksschließungen. Entscheidend wird sein, ob neue Modelle, die speziell für China entwickelt werden, und die Softwarestrategie zusammen mit dem US-Partner Rivian schnell genug Früchte tragen.

Das spricht für die Aktie: Die VW-Vorzugsaktie ist mit einem KGV von 4,4 günstig bewertet und bietet eine hohe erwartete Dividendenrendite von rund sieben Prozent. Der Konzern verfügt über starke Marken, eine breite globale Präsenz und erhebliches Kostensenkungspotenzial. Der unerwartet stabile freie Cashflow gibt Spielraum für Dividenden, Rückkäufe und den Umbau des Konzerns.

Dagegen spricht: Die niedrige Bewertung zeugt vom Misstrauen der Anleger. Absatz- und Margenprobleme könnten noch länger anhalten, und die Abhängigkeit vom chinesischen Geschäft bleibt hoch. Analysten reagierten zuletzt zwiegespalten: JPMorgan bestätigte am 24. Juli sein Votum „Neutral“ mit Kursziel von immerhin 110 Euro und verwies auf die verfehlten Erwartungen. Gleichzeitig hob die Bank den Cashflow hervor. Die Deutsche Bank beließ VW am 27. Juli auf „Buy“, senkte jedoch das Kursziel von 120 auf 115 Euro. Im Vergleich mit dem aktuellen Kurs von rund 75 Euro entspräche das einem Aufwärtspotenzial von mehr als 50 Prozent.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Mercedes-Benz: Starkes Quartal, schwacher Ausblick

Herausforderungen: Mercedes leidet ebenfalls unter der Nachfrageschwäche in China, Wertminderungen und Verlusten bei chinesischen Gemeinschaftsunternehmen. Der Umsatzausblick für 2026 wurde deshalb gesenkt. Zudem muss der Konzern zeigen, dass die geplante Elektrifizierung der Flotte ohne dauerhafte Margenverluste gelingt und die Luxusstrategie auch bei vorsichtigeren Kunden trägt.

Das spricht für die Aktie: Das zweite Quartal fiel besser aus als befürchtet. Die Marge im Pkw-Geschäft blieb bei 4 Prozent, die Transportersparte und die Finanzdienstleistungen stützten das Ergebnis. Rückkäufe und die solide Bilanz sind Pluspunkte bei Mercedes. Die Aktie bietet zudem eine vergleichsweise hohe Dividende.

Dagegen spricht: Der Rückgang in China trifft Mercedes besonders hart. Zumal jetzt auch noch Preisdruck im Premiumsegment droht. Ein Teil der positiven Cashflow-Entwicklung resultierte aus dem Verkauf von Daimler-Truck-Anteilen, ist also nicht beliebig wiederholbar. Bernstein stufte die Aktie am 29. Juli mit „Market-Perform“ ein. In der Reaktion auf die Quartalszahlen bezeichnete JPMorgan-Analyst Jose Asumendi das Quartal als stark, Jefferies sah die Resultate über den Erwartungen, verwies aber auf offene Fragen zu China. Das Konsenskursziel von 53,35 Euro liegt immerhin zwölf Prozent über dem aktuellen Kurs. Die Deutsche Bank hält sogar 73 Euro für angemessen, ein Kurspotenzial von 53 Prozent.

Mercedes-Benz (WKN: 710000)

BMW-Aktie: Neue Klasse als Hoffnungsträger

Herausforderungen: BMWs China-Geschäft brach im zweiten Quartal um fast ein Drittel ein. Gleichzeitig sank die operative Marge im Autogeschäft deutlich, sodass der Konzerngewinn nach Steuern gegenüber dem Vorjahr sogar um 35 Prozent fiel. Der neue Vorstandschef Milan Nedeljkovic muss die Kosten senken, die Komplexität reduzieren und den Konzern durch die Anlaufkosten der „Neuen Klasse“ führen. Deshalb will BMW nun 8000 Arbeitsplätze abbauen, voraussichtlich die Hälfte davon in Deutschland. Für Anleger bleibt die Frage, ob und wie schnell sich die neue Elektroplattform in der Profitabilität niederschlägt.

Das spricht für die Aktie: BMW verfügt über eine starke Premiummarke, eine vergleichsweise ausgewogene Antriebspalette und eine solide Bilanz. Die neue Modellgeneration „Neue Klasse“ könnte den Absatz und das Technikprofil der Marke verbessern. Das Management hat den Ausblick trotz der schwachen Zahlen bestätigt und die Effizienzprogramme beschleunigt.

Dagegen spricht: Gewinn und China-Absatz sinken deutlich, während Restrukturierungskosten im zweiten Halbjahr zusätzlich belasten werden. Eine schnelle Rückkehr zur Zielmarge von 8 bis 10 Prozent ist daher nicht zu erwarten. Am 30. Juli bekräftigte Jefferies die Einstufung „Hold“. Das passt zum Bild einer Aktie mit langfristiger Produktchance, aber kurzfristig hohem Ergebnisrisiko.

BMW Vz. (WKN: 519003)

Porsche AG: Profitabilität stabilisiert sich

Herausforderungen: Porsche kämpft ebenfalls mit einer schwachen Nachfrage in China, aber zusätzlich auch in den USA, einem lückenhaften Modellangebot sowie hohen Kosten für die Neuausrichtung. Die Elektromobilität entwickelt sich langsamer als geplant, weshalb Porsche nun wieder stärker auf Verbrenner setzen will. Ein Nachfolger für das einst erfolgreiche Volumenmodell Macan, das als E-Auto floppte, ist aber nicht in Sicht. Der angekündigte Stellenabbau und weitere Sparmaßnahmen zeigen, dass die Krise bei Porsche nicht allein konjunkturell bedingt ist.

Das spricht für die Aktie: Die Marke besitzt hohe Preissetzungsmacht und noch immer eine starke Kundenbindung. Zudem meldet Porsche als einziger deutscher Autobauer eine wieder steigende Marge: Im ersten Halbjahr stieg die operative Marge auf 7,8 Prozent. Klar, dass das Management die Jahresziele bestätigte. Die sogenannte Value-over-Volume-Strategie soll nun helfen, Rabatte zu vermeiden und die Profitabilität zu schützen.

Dagegen spricht: Der Umsatz sinkt weiterhin, die Absatzzahlen stehen unter Druck und die Investitionskosten in neue Modelle sind hoch. Die Aktie bleibt damit eine Turnaround-Wette. Jefferies-Analyst Philippe Houchois bescheinigte Porsche am 29. Juli eine starke operative Profitabilität und eine über den Erwartungen liegende bereinigte Marge. Das Konsenskursziel liegt zudem mit 47,46 Euro nur knapp über dem aktuellen Kurs und bietet somit wenig Phantasie. Allerdings gibt es Analysten, die sogar 64 Euro für möglich halten.

Porsche AG (WKN: PAG911)

Deutsche Hersteller im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich verlieren die deutschen Hersteller derzeit an Boden. Toyota bleibt beim globalen Volumen führend und kann die China-Schwäche teilweise mit Verkäufen in den USA abfedern. Hyundai-Kia ist mit einem Absatzminus von nur 1,6 Prozent im ersten Halbjahr robuster als die deutschen Konzerne. Stellantis wuchs dank neuer Modelle und einer Erholung in Nordamerika um 10,8 Prozent, meldete aber – ähnlich wie die Deutschen – desillusionierende Halbjahreszahlen. Renault dürfte wegen der Europa-Orientierung weniger stark von China getroffen sein, bleibt aber bei Volumen und Gewinn weit hinter VW. Im ersten Halbjahr verdienten die Franzosen unter dem Strich 700 Millionen Euro.

Ford verlor ebenfalls deutlich und kämpft in den USA mit einem schwierigen Marktumfeld. BYD büßte im chinesischen Heimatmarkt 39 Prozent ein, expandiert aber international und hat sich bei Elektroautos technologisch und kostenseitig zu einem gefährlichen Wettbewerber gemausert.

Das Fazit für Anleger

Für deutsche Autoaktien spricht die niedrige Bewertung und das Erholungspotenzial. Dagegen stehen die strukturell höheren Kosten und der Verlust von Marktanteilen in China. Für Privatanleger ist daher entscheidend, nicht nur auf Dividenden zu schauen, sondern auf neue Modelle, Cashflow und glaubwürdige Kostensenkungen.

Orientiert man sich an den Kurszielen der Analysten, bieten derzeit Mercedes und - überraschenderweise - Volkswagen das größte Kurspotenzial. Porsche könnte asl Turnaround-Wert interessant sein, wenn es dem Sportwagenbauer tatsächlich gelingt, seine Marge weitzer zu erhöhen. Dagegen muss BMW erst einmal zeigen, ob das Sparprogramm ausreicht, wie schnell es umgesetzt werden kann und was es kostet. Von der technischen Ausftellung und der Modellpalette her, bieten die Münchener unter allen vier genannten Herstellern gleichwohl das konsistenteste Bild.

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Häufige Fragen zum Thema

Welche Informationen gibt es zum Stellenabbau bei BMW?

Die Rahmenbedingungen für BMW würden sich in den kommenden Jahren verschärfen, sagte BMW-Chef Milan Nedeljkovic am Mittwoch auf einer Bertriebsversammlung. Der Konzern will dpa-Informationen zufolge rund 8.000 Stellen streichen, um Kosten zu sparen. Der Personalabbau soll unter anderem auch über ein Abfindungsprogramm erfolgen.

Wie hoch ist die Dividendenrendite bei Mercedes Benz?

Die Rendite beträgt auf Basis der erwarteten Dividende aktuell 7,0 Prozent(Stand 30.7.2026).

Welche neuen Sparmaßnahmen plant Volkswagen?

Volkswagen plant angesichts eines kräftigen Gewinn- und Absatzrückgangs im Jahr 2026 das bislang tiefgreifendste Transformations- und Sparpaket der Firmengeschichte. Kernpunkte sind Investitionskürzungen um bis zu 50 Milliarden Euro und ein möglicher zusätzlicher Stellenabbau von bis zu 50.000 bis 100.000 Mitarbeitern weltweit. Außerdem stehen in Deutschland Medienberichten zufolge bis zu vier Werke zur Disposition: Die VW-Werke in Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm. 

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Mercedes-Benz, Porsche AG, Volkswagen Vz..

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Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..