Der Société-Générale-Stratege Albert Edwards warnt vor einer gefährlichen Kombination aus massiven KI-Investitionen, hohen Erwartungen und bislang unbewiesenen Erträgen. Er sieht Parallelen zur Lage vor der asiatischen Finanzkrise von 1997.

Der Boom rund um künstliche Intelligenz hat die Aktienmärkte in den vergangenen Jahren auf Rekordhöhen getrieben. Milliarden fließen in Rechenzentren, Chips und neue KI-Infrastruktur. Albert Edwards, Analyst bei der Société Générale, erinnert die aktuelle Entwicklung jedoch an die Jahre vor der asiatischen Finanzkrise.

Der für seine pessimistischen Markteinschätzungen bekannte Stratege hatte bereits vor der Asienkrise von 1997 gewarnt. Nun sieht er Parallelen zwischen damals und heute. In den 1990er-Jahren sorgte das sogenannte „asiatische Wirtschaftswunder“ für große Zuversicht. Immer mehr Kapital floss in die Region. Doch die Produktivitätsgewinne konnten mit den hohen Erwartungen nicht Schritt halten.

Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt BÖRSE ONLINE bei Google bevorzugen. 

KI-Boom: Viel Kapital, aber noch zu wenig Ertrag

Genau dieses Muster beobachtet Edwards nun im KI-Sektor. Unternehmen investieren in beispiellosem Umfang in Technologie und Infrastruktur. An den Aktienmärkten wird dabei vielfach bereits vorweggenommen, dass diese Investitionen künftig enorme Effizienz- und Umsatzsteigerungen ermöglichen werden.

Der Nachweis dafür steht allerdings noch aus: Ob die Investitionen tatsächlich zu einer nachhaltig höheren Produktivität und zu ausreichenden Renditen führen, lässt sich bislang nicht eindeutig erkennen. Für Edwards ist das ein Warnsignal. Ein steigender Aktienmarkt allein beweise nicht, dass die zugrunde liegenden Investitionen wirtschaftlich gerechtfertigt seien.

Das Problem besteht nach seiner Einschätzung weniger darin, dass künstliche Intelligenz keinen Nutzen bringen könnte. Anleger und Unternehmen könnten den langfristigen Erfolg der Technologie jedoch schon heute vollständig einpreisen, obwohl die tatsächlichen Gewinne erst noch erwirtschaftet werden müssen.

Wenn Sie auf der Suche nach sicheren Aktien sind, dann sollten Sie unbedingt einen Blick auf den BÖRSE ONLINE Stabile Werte Index werfen.

Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

Das Risiko liegt beim Kapital und seiner Verfügbarkeit

Die Erfahrungen aus der Asienkrise zeigen laut Edwards, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Solange Kapital reichlich und günstig zur Verfügung steht, können Unternehmen und Volkswirtschaften hohe Investitionen finanzieren. Ändern sich jedoch die Bedingungen an den Finanzmärkten, geraten Geschäftsmodelle mit hohem Kapitalbedarf besonders schnell unter Druck.

Ein ähnlicher Mechanismus könnte auch den KI-Boom treffen. Sollten die erwarteten Produktivitätsgewinne ausbleiben oder deutlich später eintreten, könnten Investoren ihre Renditeerwartungen zurücknehmen. Das würde nicht nur die Bewertungen einzelner KI-Aktien belasten. Auch die großen Technologieunternehmen müssten möglicherweise ihre Investitionspläne überprüfen.

Weiterführende Links

Fazit: Kommt der große KI-Börsencrash?

Edwards’ Warnung ist damit ernst zu nehmen, aber das bedeutet nicht,dass es bald zum großen Börsencrash kommt. Wenn die großen Technologieunternehmen ihre hohen Investitionen in dauerhaft steigende Umsätze, Margen und freie Cashflows umwandeln können, bleibt wohl eine große Korrektur aus. Wenn die Erträge jedoch hinter den Erwartungen zurückbleiben, droht eine Neubewertung der gesamten KI-Infrastruktur – und damit genau das Szenario, vor dem Edwards warnt.

Gegen Edwards’ pessimistische Einschätzung spricht vor allem, dass die Monetarisierung neuer Technologien häufig zeitverzögert einsetzt. Unternehmen müssen erst einmal in Rechenleistung, Software und Daten investieren, bevor sich die daraus entstehenden Produktivitätsgewinne vollständig in den Geschäftszahlen zeigen. Zudem verfügen die großen Technologieanbieter über hohe Cashflows, profitable Kerngeschäfte und eine breite Kundenbasis. 

Sie können ihre KI-Infrastruktur daher länger finanzieren als Unternehmen in früheren Boomphasen. Auch die Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten wächst weiter, während Anleger insbesondere jene Anbieter belohnen, bei denen sich ein direkter Zusammenhang zwischen Investitionen und zusätzlichen Umsätzen erkennen lässt. Dass die Rendite heute noch nicht vollständig sichtbar ist, bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass sie ausbleibt. 

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Sie ihr Geld am besten anlegen können, dann kann sich ein Probeabo von BÖRSE ONLINE für Sie lohnen.

Häufige Fragen

Droht den KI-Aktien ein Crash wie 1997?

Albert Edwards, Analyst bei der Société Générale, sieht Parallelen zwischen dem heutigen KI-Boom und der Situation vor der asiatischen Finanzkrise. In beiden Fällen fließt seiner Einschätzung zufolge viel Kapital in eine überzeugend klingende Wachstumsgeschichte, während die tatsächlichen Produktivitäts- und Renditegewinne noch nicht vollständig belegt sind. 

Warum warnt Albert Edwards vor dem KI-Boom?

Edwards befürchtet, dass Anleger die langfristigen Chancen künstlicher Intelligenz bereits vollständig in den Aktienkursen berücksichtigen. Sollten die erwarteten Gewinne, Cashflows und Produktivitätssteigerungen ausbleiben oder später eintreten, könnten die Bewertungen insbesondere bei hoch kapitalisierten KI-Aktien unter Druck geraten.

Welche Risiken bestehen für KI-Aktien?

Zu den wichtigsten Risiken zählen enttäuschende Renditen auf hohe Investitionen, steigende Finanzierungskosten und eine nachlassende Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Wenn die Unternehmen ihre milliardenschweren Investitionen nicht in ausreichende Gewinne umwandeln können, dürfte der Bewertungsdruck zunehmen.

Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Kooperationsvereinba-rung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von dem Emittenten Vergütungen.