Ein Marktkommentar zur aktuellen Lage und Ausblick auf alles was jetzt wichtig wird.
Das Positive gleich vorweg: Die Börsen lassen sich in diesem Jahr von schlechten Nachrichten kaum beeindrucken. Klar, es rumpelt immer wieder, und die Kurse geben nach, aber sie erholen sich auch schnell wieder. Schuld hat mal der Iran-Krieg, dann die Preise für Energie und schließlich die Sorge vor Inflation. Und da sich alles gegenseitig bedingt, bisweilen alles zusammen. Und dann sitzt da an der Spitze der US-Notenbank Fed mit Kevin Warsh ein Neuer, den man auch nicht so recht einschätzen kann, zumal er weit „normaler“ agiert als befürchtet. Es sei mehr die hartnäckige Inflation, die ihn nicht schlafen lässt, als die schwächelnde Wirtschaft, sagt er. Hört, hört! Demnach wären Zinssenkungen zwar weiter möglich, aber frei nach Loriot, dann doch eher sinnlos, pardon, unrealistisch.
Und trotz allem halten sich die Kurse so erstaunlich gut, dass man lifestylig fast von Resilienz sprechen mag. Getragen werden die Kurse jedenfalls von guten Unternehmensgewinnen und den hohen Investitionen rund um künstliche Intelligenz. Diese Stärke ist erfreulich. Sie verdeckt aber schon seit längerer Zeit ein Problem, das vor allem Anleger betrifft, die nicht nur in Aktien investieren, sondern ganz gern und weil man das schon immer so gemacht hat, Anleihen dazumischen. Eine bewährte Kombination, die jahrzehntelang als die bequemste Idee umsichtiger Geldanlage galt. Denn die Regel war einfach: Fallen Aktien, steigen Anleihen und fangen den Sturz ab. Das funktionierte verlässlich. Bis 2022. Damals fielen Aktien- und Anleihenpreise gleichzeitig, weil die Zinsen stiegen. Und hört man aktuell Mister Warsh reden, beschleicht einen ein ungutes Gefühl.
Klar bringen Anleihen seit dem Zinssprung wieder ordentliche laufende Erträge, als Stoßdämpfer taugen sie aber nur bedingt, solange Inflation und hohe Staatsschulden das Umfeld prägen. Gleiches gilt für den US-Dollar, einst der sichere Hafen schlechthin. Doch zuletzt war es so, dass der Dollar abschmierte, wenn die Zinsen auf US-Staatsanleihen stiegen. Von wegen Schutzfunktion. Und das ist kein Detail am Rande. Es ist ein Grund, die gewohnte Aufteilung des Portfolios grundsätzlich zu überdenken. Man muss flexibler werden, damit das mit der Resilienz — da ist er wieder, der Modebegriff — von Dauer ist. Aktien und Anleihen sind schon in Ordnung, aber auch Rohstoffe gehören zu einem guten Mix, auch Fremdwährungen, die man bislang nicht auf dem Zettel hatte. Denn seien Sie sicher: Der nächste politische Schock oder eine Finanzkrise, durch was auch immer ausgelöst, mag schon um die Ecke sein. Kein Grund zur Panik, aber ein Grund zum Nachdenken. Diversifikation wird nötiger denn je, auch wenn sie sicherlich aufwendiger geworden ist.