Böse Überraschung kurz vor Handelsschluss: Volkswagen kassiert seine Jahresziele und schockt den Markt mit einer Gewinnwarnung. Grund sind eine neue Abschreibung von rund 6 Milliarden Euro bei Porsche, die anhaltende China-Schwäche und zusätzliche Restrukturierungskosten.
Volkswagen sorgt kurz vor dem Wochenende für einen neuen Tiefschlag. Um 17:17 Uhr verschickte der Autobauer eine ad-hoc-Mitteilung. Darin senkt der VW-Konzern seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 deutlich und stellt nur noch eine operative Marge "bis zu von einem Prozent" in Aussicht. Die Vorzugsaktie verlor daraufhin am Freitag im XETRA-Handel zeitweise sieben Prozent.
Beim Umsatz bleibt Volkswagen mit rund 315 Milliarden Euro zwar innerhalb der bisherigen Prognosespanne. Diese hatte einen Rückgang von drei Prozent bis zu einer stabilen Entwicklung vorgesehen. 2025 setzte der Konzern 321,9 Milliarden Euro um. Dramatisch ist dagegen der Blick auf die Profitabilität.
Gewinnmarge kollabiert
Volkswagen erwartet für 2026 nur noch eine operative Umsatzrendite von bis zu einem Prozent. Bisher hatte der Konzern vier bis 5,5 Prozent in Aussicht gestellt. Auch die durchschnittliche Analystenerwartung von 4,1 Prozent wird damit klar verfehlt. 2025 lag die operative Marge noch bei 2,8 Prozent.
Die Belastungen summieren sich laut Volkswagen auf rund 10 Milliarden Euro an Sondereffekten. Davon wurden im ersten Halbjahr bereits 0,9 Milliarden Euro verbucht. Bereinigt um diese Effekte würde die operative Umsatzrendite im Gesamtjahr bei rund vier Prozent liegen. Für Anleger ist das allerdings nur ein schwacher Trost: Auch die bereinigte Marge wäre kein Beleg für eine nachhaltige Trendwende.
Porsche wird zum Problem
Der größte Einzelposten ist eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung auf den Goodwill des Geschäftssegments Porsche. Volkswagen beziffert sie auf rund sechs Milliarden Euro. Hintergrund ist die aktualisierte Langfristplanung der Porsche AG und der damit verbundene niedrigere Unternehmenswert.
Zusätzlich belasten weitere rund zwei Milliarden Euro im zweiten Halbjahr. Dazu zählen Restrukturierungsaufwendungen im Rahmen von „Zukunft Volkswagen“, die Ausweitung von Vorruhestandsregelungen, der angestrebte Verkauf von Volkswagen Osnabrück sowie Wertberichtigungen bei vollkonsolidierten Gesellschaften in China. Der Großteil dieser Effekte soll im dritten Quartal verbucht werden.
China und Elektroautos bremsen
Volkswagen nennt als operative Ursachen ein nochmals schwierigeres Marktumfeld, insbesondere in China, sowie eine beschleunigte Verschiebung der Nachfrage hin zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Vor allem Audi und Volkswagen Pkw entwickeln sich schwächer als ursprünglich erwartet.
Damit verschärft sich das bekannte Dilemma: Volkswagen muss gleichzeitig in Elektromobilität, Software und neue Modelle investieren, während das klassische Geschäft in wichtigen Märkten an Dynamik verliert. Hohe Fixkosten und der harte Preiskampf bei Elektroautos setzen die Rendite zusätzlich unter Druck.
An der bisherigen Prognose für den Netto-Cashflow im Automobilbereich hält der Konzern mit drei bis sechs Milliarden Euro fest. Auch die Netto-Liquidität soll 2026 unverändert 32 bis 34 Milliarden Euro erreichen. Das macht immerhin Hoffnung dass die ohne Frage nötige Dividendenkürzung im kommenden Jahr nicht ganz so hart ausfällt wie der Gewinnrückgang.
Das bedeutet die Nachricht für die Aktie
Doch die Hoffnungen der Anleger auf Verbesserungen im operativen Geschäft sind jetzt erstmal dahin. Auf XETRA schloss die VW-Vorzugsaktie nach der Meldung bei 76,52 Euro rund 5,6 Prozent im Minus. Damit blieb der Kurs exakt auf der 9-Tage-Linie stehen, dem dünnsten charttechnischen Indikator, nachdem sie zuvor bei 75,42 Euro ein Tagestief markiert hatte. Das entsprach minus sieben Prozent.
Auf wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis jetzt mit nur noch 5,1 verlockend erscheint: Anleger sollten vorerst die Finger von der VW-Aktie lassen, denn die Hoffnungen auf eine Trendwende sind nun wieder einmal auf Monate hinaus zunichte gemacht worden. Ganz zu schweigen von der Dividende, die bei so einer düsteren Prognose ganz sicher gekürzt werden muss.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
Enthält Material von dpa-AFX