Die wieder wachsende Furcht der Anleger vor dem Brexit und seinen Folgen für die Weltwirtschaft hat am Montag auf den europäischen Börsen gelastet. Die anziehenden Rohstoffpreise dämpften die Nervosität etwas, so dass Dax und EuroStoxx50 mit 10.094 und 2996 Punkten jeweils kaum verändert notierten.

"Wir befinden uns in der letzten Phase der Brexit-Debatte", sagte Investment-Manager Jonathan Roy vom Vermögensverwalter Charles Hanover. Daher trennten sich einige Anleger bereits von Unternehmen mit großem Großbritannien-Engagement. "Sie schauen sich Aktien an, denen deutliche Verluste drohen, sollten die Briten für den Ausstieg aus der EU stimmen." Das Referendum ist für den 23. Juni geplant.

Jüngsten Umfragen zufolge bauen die EG-Gegner ihren Vorsprung aus und liegen mit bis zu 48 Prozent vorn. Die EU-Befürworter kommen dagegen nur auf 41 bis 43 Prozent. Die Veröffentlichung dieser Ergebnisse setzte das Pfund Sterling unter Druck. Es verbilligte sich zeitweise um jeweils rund ein Prozent auf 1,4355 Dollar und 1,2654 Euro. Im Gegenzug griffen einige Investoren verstärkt deutschen Schuldtiteln, die als sichere Anlage gelten. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, näherte sich bis auf etwa eineinhalb Punkte seinem Rekordhoch von 166,63 Zähler.

DOLLAR BLEIBT SCHWACH - WARTEN AUF YELLEN-REDE



Unterdessen litt die US-Währung unter den Nachwehen der schwachen Arbeitsmarktdaten aus der Vorwoche. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, notierte wegen der schwindenden Aussicht auf eine baldige US-Zinserhöhung nur knapp über seinem Drei-Wochen-Tief vom Freitag. Der Euro kostete mit 1,1344 Dollar rund zwei US-Cent mehr als unmittelbar vor Bekanntgabe der Beschäftigtenzahlen.

Nun warteten Börsianer gespannt auf einen Auftritt der US-Notenbankchefin Janet Yellen am Montagabend (MESZ). "Vor dem Hintergrund der enttäuschenden Arbeitsmarktdaten werden Händler auf Anzeichen achten, ob Yellen die US-Wirtschaft weniger positiv bewertet als vor einer Woche", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Die Fed berät in der kommenden Woche über ihre Geldpolitik.

MINENWERTE PROFITIEREN VON STEIGENDEN ROHSTOFFPREISEN



Die aktuelle Dollar-Schwäche trieb den Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer 0,6 Prozent in die Höhe auf 4716 Dollar je Tonne. Ein fallender Dollar macht Rohstoffe für Anleger außerhalb der USA attraktiver. Zu den Profiteuren dieser Entwicklung zählten die Bergbaukonzerne. An der Londoner Börse stiegen Anglo American, Antofagasta, BHP Billiton, Fresnillo, Glencore und Rio Tinto um bis zu 8,9 Prozent.

Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 1,4 Prozent auf 50,33 Dollar je Barrel (159 Liter) und stützte damit die Aktienmärkte ebenfalls. Denn die Kursturbulenzen des "schwarzen Goldes" hatten in den vergangenen Monaten wiederholt für Unruhe an den Börsen gesorgt.

LUFTFAHRTWERTE UNTER DRUCK



Unter Druck gerieten dagegen die Luftfahrtwerte, nachdem sich die Analysten der Barclays Bank vor einer schwächelnden Nachfrage gewarnt hatten. Lufthansa, Air France-KLM und die British Airways-Mutter IAG verloren bis zu 5,7 Prozent. Die beiden Billig-Flieger Ryanair und EasyJet notierten jeweils gut ein Prozent im Minus.

Reuters