Wenn Oracle am Donnerstag seine Quartalszahlen veröffentlicht, könnte es für den KI-Sektor ernst werden. Der Optionsmarkt preist derzeit eine massive Kursbewegung ein – und das trifft auf eine saisonal schwache Börsenphase.

Steht uns diese Woche noch ein KI-Börsenbeben bevor? Das glauben zumindest Skeptiker des aktuellen KI-Investitionsbooms. Am Donnerstag veröffentlicht Oracle seine Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 und der Optionsmarkt preist derzeit bis Freitag eine Bewegung von etwa 11,8 Prozent ein. Die Quartalszahlen dürften damit zu einem entscheidenden Kurskatalysator für die Oracle-Aktie in den kommenden Wochen und Monaten werden.

Doch nicht nur Oracle selbst, sondern der gesamte KI- und Halbleitersektor könnte am Freitag vor einem wichtigen Stresstest stehen. Der Grund: Oracle ist mit seinem riesigen Auftragsbestand und den massiven Investitionen in KI-Rechenzentren ein wichtiger Gradmesser dafür, wie es um die Rentabilität der KI-Investitionen steht. Folgende vier Punkte im Rahmen der Oracle-Zahlen dürften für die weitere Entwicklung der KI-Aktien besonders relevant sein.

1. Wie profitabel sind die KI-Investitionen?

Für den Kurs der Oracle-Aktie und des gesamten KI-Sektors dürfte weniger ein kleines Über- oder Untertreffen der Erwartungen im aktuellen Quartal entscheidend sein als die Aussagen des Managements zur Rentabilität der KI-Capex. Besonders positiv wäre es, wenn Oracle konkrete Angaben dazu macht, nach wie vielen Jahren sich die Investitionen amortisieren. Auch Aussagen dazu, wie viel Prozent der Kapazitäten für 2027 und 2028 bereits verkauft sind oder eine optimistische mehrjährige Umsatz- und Gewinnprognose könnte der Markt honorieren.

2. Wie werden die KI-Investitionen finanziert?

Im Gegensatz zu Amazon, Microsoft und Meta ist Oracle deutlich stärker von Außenfinanzierung abhängig, da die Cashflows aus dem Kerngeschäft bei Weitem nicht ausreichen, um die Investitionen zu stemmen. Die Anleger werden daher genau darauf achten, ob Oracle zunehmend Schwierigkeiten hat, an günstiges Kapital zu gelangen. Müssen teure Anleihen ausgegeben oder deutlich mehr neue Aktien emittiert werden als bislang bekannt? Oder gelingt es Oracle, Teile der Finanzierung an seine Kunden weiterzugeben? Bei diesem Punkt ist für die Oracle-Aktie das negative Enttäuschungspotenzial deutlich größer als das positive Überraschungspotenzial.

3. Wie entwickeln sich die Capex?

Für die Oracle-Aktie dürfte zudem wichtig sein, ob mögliche Erhöhungen der Capex-Prognose mit einer steigenden Nachfrage oder hingegen mit höheren Hardwarekosten begründet werden. Auch für die KI-Infrastrukturwerte ist diese Prognose wichtig, da eine Senkung der Investitionspläne Sorgen vor einem möglichen Wendepunkt beim KI-Ausbau schüren könnte.

4. Gibt es unerwartete Engpässe?

Dass Speicher derzeit Mangelware und dementsprechend teuer ist, ist mittlerweile bekannt. Mit dem immer schnelleren Ausbau der Rechenzentren – vor allem in den USA – entstehen jedoch permanent neue Engpässe, seien es Grundstücke, behördliche Genehmigungen oder Stromanschlüsse. Sollte es in den Oracle-Zahlen Hinweise darauf geben, dass ein oder mehrere dieser Engpässe den Ausbau deutlich verzögern oder verlangsamen, könnte das an den Börsen den gesamten KI-Sektor belasten.

Kann Oracle die KI-Blase wirklich zum Platzen bringen?

Hier muss unterschieden werden, ob bestimmte Probleme nur Oracle selbst oder die gesamte Branche betreffen. Eine Umsatzverfehlung aufgrund einer zu spät erhaltenen Genehmigung wäre beispielsweise zwar negativ für Oracle, würde aber nicht zwangsläufig die anderen Anbieter betreffen.

Negativ für die gesamte Branche wären hingegen klare Hinweise darauf, dass sich die gigantischen Investitionen nicht auszahlen. Aktuell gibt es dafür jedoch kaum Anzeichen. So erklärte Amazon bei seinen letzten Quartalszahlen, dass sich die Server bereits nach etwa drei Jahren amortisieren und anschließend massiven Free Cashflow generieren. Auch schlechte Nachrichten zur Finanzierbarkeit des weiteren Ausbaus könnten den gesamten Sektor belasten.

Fazit

Die Oracle-Zahlen dürften für den KI-Sektor ein wichtiger Stimmungsindikator werden. Anleger sollten vor allem auf Aussagen zur Rentabilität der Investitionen sowie zur Finanzierung achten. Da Konkurrenten wie Amazon zuletzt jedoch äußerst positive Aussagen zur Rentabilität ihrer KI-Infrastruktur gemacht haben, ist es unwahrscheinlich, dass selbst schwache Oracle-Zahlen den gesamten KI-Sektor nachhaltig und dauerhaft nach unten ziehen. Für Oracle selbst dürften die Zahlen jedoch zu einem entscheidenden Kurskatalysator werden.

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Häufig gestellte Fragen:

Wann veröffentlicht Oracle seine Quartalszahlen?

Oracle veröffentlicht am Donnerstag nach US-Börsenschluss die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027.

Warum sind die Oracle-Zahlen für den KI-Sektor so wichtig?

Oracle investiert massiv in KI-Rechenzentren und gilt damit als wichtiger Gradmesser dafür, ob sich der derzeitige KI-Investitionsboom wirtschaftlich auszahlt.

Welche Kennzahlen sind bei Oracle besonders wichtig?

Anleger sollten vor allem auf das Wachstum der Cloud-Sparte OCI, den Auftragsbestand, die Capex-Prognose sowie Aussagen zu Finanzierung und Rentabilität der KI-Investitionen achten.