Chinas KI-Aktien haben rund 480 Milliarden Dollar Börsenwert verloren. Fondsmanager sprechen vom Platzen einer Blase. Der Absturz kommt auch für den Westen zu einem heiklen Zeitpunkt.
China erlebt gerade einen der heftigsten Kursstürze seiner jüngeren Börsengeschichte. Der chinesische Technologieindex STAR 50 hat seit seinem Hoch im Sommer fast 40 Prozent eingebüßt. Rund 480 Milliarden Dollar Börsenwert sind verschwunden. Fondsmanager sprechen bereits vom Platzen einer Blase. Ist das ein chinesisches Problem oder ein Warnsignal für die Weltmärkte?
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Wie ist die Lage in China?
Der Absturz beendet eine zweijährige Rally chinesischer Technologieaktien, die weit über die Gewinne an westlichen Märkten hinausging. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Neuemissionen. Die Aktien des Roboterherstellers Unitree wurden beim Börsengang von Privatanlegern 8000-fach überzeichnet. Seit dem Debüt im August haben sie sich halbiert. Der Chiphersteller CXMT verlor binnen eines Monats mehr als ein Viertel seines Wertes.
Der Kurssturz zieht zudem weite Kreise. Laut Goldman Sachs machten KI-nahe Unternehmen 42 Prozent der Marktkapitalisierung chinesischer A- und H-Aktien aus und stellten 57 Prozent des Handelsumsätze. Der breite Leitindex CSI 300 fiel vom Juni-Hoch um rund ein Fünftel und rutschte zeitweise in einen Bärenmarkt.
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Warum ist die Blase geplatzt?
Einen einzelnen Auslöser gab es wohl nicht. Als Ursachen werden hohe Bewertungen, Zweifel an der Nachfrage nach KI-Technik und drohende Verbote für chinesische Technik in Rechenzentren in den USA und anderen Staaten genannt. Fondsmanager Wang Zhuo aus Shanghai warnt zudem vor einem strukturellen Problem: Auch chinesische KI- und Chipunternehmen könnten in einen Preiskampf geraten.
Dahinter steht nämlich die Frage, die alle KI-Investoren umtreibt: Wann verdienen die Investitionen Geld? Ein Bericht von Forschern um Endeavour Tian und Logan Wright zeigt , dass die Investitionen in die chinesische KI-Infrastruktur 2026 um 103 Prozent auf rund 932 Milliarden Yuan steigen werden. Alibaba, Tencent und Baidu verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 zusammen einen negativen Free Cashflow von 16 Milliarden Yuan. Das nährt die Zweifel, wann sich die Investitionen auszahlen sollen.
War's das, oder kommt noch was?
Besonders hart trifft der Absturz private Anleger, die den chinesischen Markt stark prägen.Für Peking ist das ein Dilemma. Die Regierung will Haushalte dazu bewegen, mehr Erspartes in Aktien anzulegen, um die Technologiebranche zu finanzieren.
Das dürfte nun schwierig werden - vor allem, weil die Befürchtung, dass sich die Lage noch verschärft, nicht unbegründet ist. Der STAR 50 wird trotz des Absturzes immer noch mit dem 100-Fachen der Gewinne gehandelt. Zeitweise lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 250. Der Nasdaq 100 kommt auf etwa das 30-Fache.
Kann das auch den Westen treffen?
Bisher ist der Crash auf das Reich der Mitte begrenzt. Die Märkte im Westen haben bislang moderater korrigiert. Trotzdem wächst die Sorge - so hat auch der Internationale Währungsfonds vor einer Schuldenspirale beim KI-Ausbau gewarnt.
Vor allem in den USA dürfte es Diskussionen geben - da nun auch der Mega-IPO des KI-Konzerns Anthropic bevorsteht. Das Unternehmen hat am 26. Oktober 2026 seinen öffentlichen Prospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Der Umsatz lag im ersten Halbjahr 2026 bei 16,3 Milliarden Dollar, der Verlust bei 80 Milliarden Dollar.
Der größte Teil davon entfällt auf einmalige Bewertungseffekte von 72,4 Milliarden Dollar. Die letzte Finanzierungsrunde im Mai bewertete Anthropic mit 965 Milliarden Dollar. Bloomberg zufolge könnte der Börsengang bereits Mitte November stattfinden, mit einer Bewertung von rund zwei Billionen Dollar.
Der China-Absturz zeigt nun aber, wie schnell die Stimmung kippt, wenn Bewertungen hoch sind und Gewinne fehlen. Das ist ein Problem, das auch im Westen so gut wie alle KI-Konzerne, -Investoren und -Profiteure betrifft.
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Häufige Fragen
Was ist der STAR 50?
Der STAR 50 bündelt die wichtigsten chinesischen KI- und Chipwerte, die an der Shanghaier Technologiebörse notiert sind. Dazu zählen der Roboterhersteller Unitree sowie die Chiphersteller CXMT, MetaX und Moore Threads. Die Aktien werden vor allem von Kleinanlegern gekauft.
Droht jetzt auch an der Wall Street ein Crash?
Eine Ansteckung zeichnet sich bislang nicht ab. Ob sich die Lage im Westen verschärft, hängt davon ab, ob die hohen Gewinnerwartungen und Investitionen in KI langfristig gerechtfertigt sind.
Findet der Börsengang von Anthropic trotz des Absturzes bald statt?
Das ist offen. Anthropic selbst sagt, ein Börsengang hänge von der Prüfung durch die SEC, den Marktbedingungen und weiteren Faktoren ab. Der Zeitplan mit einem möglichen Start Mitte November ist deshalb nicht gesichert.
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