Der KI-Boom lässt die Nachfrage nach Speicherchips steigen und treibt die Gewinne der Hersteller an. Doch an der Börse wächst die Skepsis: Steht die Branche vor einem strukturellen Wandel oder droht eine Korrektur?

Halbleiter-Aktien stehen vor einer wichtigen Bewährungsprobe. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob KI die Nachfrage nach Speicherchips dauerhaft antreibt oder lediglich einen weiteren Aufschwung im Halbleitermarkt verstärkt.

Immer auf dem Laufenden bleiben: Jetzt BÖRSE ONLINE bei Google bevorzugen.

Zwei Theorien: Experte warnt vor spätem Optimismus

Brent Donnelly, Präsident von Spectra Markets, stellt zwei mögliche Entwicklungen gegenüber. Nach dem klassischen Muster führen hohe Preise und eine knappe Versorgung dazu, dass Hersteller ihre Kapazitäten ausbauen und Kunden zusätzliche Bestände anlegen. Wenn die von ihm erwarteten neuen Werke 2027 und 2028 die Produktion aufnehmen, könnte das Angebot die Nachfrage übersteigen und die Preise sowie die Gewinnspannen belasten. Donnelly warnt deshalb davor, den Halbleitermarkt vorschnell als dauerhaft nicht zyklisch einzustufen.

Das Gegenargument lautet: Künstliche Intelligenz hat die Speicherbranche strukturell verändert. KI-Sprachmodelle benötigen große Mengen an High Bandwidth Memory (HBM) und herkömmlichem DRAM. Zugleich investieren Cloud-Konzerne hohe Summen in Rechenzentren und sichern sich einen Teil ihrer Speicherversorgung über mehrjährige Liefervereinbarungen. Der langsame Ausbau neuer Kapazitäten könnte die Nachfrage daher zunächst über dem Angebot halten.

Möchten Sie in Halbleiter-Aktien investieren, finden Sie im "Chip Power"-Index die größten Profiteure des Booms.

Chip Power Index (WKN: SL0FTE)

Das bedeutet die Entwicklung für Anleger

An der Börse ist die Skepsis bereits sichtbar. Speicherwerte wie Micron, Samsung und SK Hynix sowie Halbleiter-ETFs gerieten zuletzt unter Druck. Laut Yahoo Finance lagen mehrere große Speicherwerte zuletzt mehr als 20 Prozent unter ihren jüngsten Schluss-Hochs. Auch starke Samsung-Zahlen konnten die hohen Erwartungen an das KI-Geschäft nicht erfüllen, berichtete CNBC am 7. Juli. „Gute Geschäftszahlen reichen am Markt nicht mehr aus, wenn die Erwartungen an das KI-Geschäft noch höher liegen“, kommentiert CNBC die Reaktion auf die Samsung-Zahlen.

Für Anleger bleibt entscheidend, ob die Nachfrage nach KI-Speichern schneller wächst als die neuen Produktionskapazitäten. Ein Kursrückgang ist deshalb noch kein Kaufsignal. Anleger sollten Speicherpreise, Investitionspläne und Gewinnspannen im Blick behalten.

Übrigens: Im Aktienreport "Nvidias geheime Aktien-Wetten" finden Sie vier Werte, die viele Anleger übersehen, jedoch bis zu 200 Prozent Kurschance bieten.

Jetzt den Report lesen

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen

Warum sind Halbleiter-Aktien trotz des KI-Booms unter Druck?

Halbleiter-Aktien reagieren nicht nur auf die aktuelle Nachfrage, sondern auch auf die Erwartungen an künftige Gewinne. Wenn Anleger bereits mit sehr hohen Wachstumsraten rechnen, können selbst starke Geschäftszahlen zu Kursverlusten führen.

Welche Unternehmen profitieren besonders von der Nachfrage nach HBM?

Zu den wichtigsten Anbietern von HBM gehören Micron, Samsung und SK Hynix. Entscheidend für den Erfolg sind unter anderem die technische Qualität, die Produktionskapazitäten und langfristige Liefervereinbarungen.

Wann könnte sich der Markt für Speicherchips entspannen?

Eine Entspannung hängt davon ab, wann neue Produktionskapazitäten tatsächlich relevante Mengen liefern. Selbst wenn Fabriken 2027 oder 2028 anlaufen, können die Hochlaufphase und eine weiterhin hohe KI-Nachfrage den Abbau des Engpasses verzögern.