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Chip-Mangel bremst Daimler und andere Autobauer auch 2022 aus

Chip-Mangel bremst Daimler und andere Autobauer auch 2022 aus
21.07.2021 12:35:02

Die Chip-Krise wird die Autoindustrie nach Einschätzung von Daimler auch im kommenden Jahr nicht loslassen. "Wir erwarten, dass es ein Thema 2022 bleibt, aber es wird eine Verbesserung gegenüber 2021 geben", sagte Finanzvorstand Harald Wilhelm am Mittwoch.

Seit Juni seien die Engpässe bei Halbleitern durch den Corona-Lockdown in Malaysia noch verschärft worden. Dort stünden einige Fabriken still. Daimlers Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars erwartet wegen der Lieferprobleme von Chips jetzt nur noch einen Absatz auf Vorjahreshöhe von knapp 2,1 Millionen Fahrzeugen und keinen deutlichen Anstieg mehr. Das bedeutet, dass mindestens 157.000 neue Mercedes-Pkw weniger vom Band rollen werden als geplant und von der Nachfrage her auch möglich. Auch Volkswagen und BMW macht der Engpass immer mehr zu schaffen.

Für Mercedes-Benz sei das besonders herausfordernd, weil keine Marke mehr Technik in ihren Autos habe und in Zukunft noch mehr Chips verbaut würden, erklärte Vorstandschef Ola Källenius. "Es ist ein lösbares Problem", fügte er aber hinzu. "Wir werden unsere Lehren daraus ziehen und Maßnahmen ergreifen, um uns noch robuster aufzustellen." Denn für einen Teil des Lieferproblems ist die Autoindustrie selbst verantwortlich, da sie sehr kurzfristig disponiert. Die Chip-Hersteller haben damit wenig Planungssicherheit, wenn sie über milliardenhohe Investitionen in neue Fabriken entscheiden. Der weltweit größte Autozulieferer Bosch forderte deshalb, die Autobauer müssten künftig verbindliche Bestellungen aufgeben, was bisher nicht üblich sei. Neben den Nachfrageverschiebungen in der Corona-Pandemie hin zur Elektronikindustrie sind aber auch Sturmschäden in den USA und ein Brand in einer wichtigen Fabrik in Japan Ursachen der Krise. "Es hängt viel vom Zufall ab, das konnte man nicht planen", sagte Källenius.

Da die meisten Chip-Produzenten in Asien sitzen, wollen Europa und die Vereinigten Staaten die heimische Produktion ausbauen, um unabhängiger zu werden. In der Europäischen Union ist ein staatliches Förderprogramm geplant mit dem Ziel, bis 2030 den Anteil Europas an der Chipproduktion weltweit auf 20 Prozent zu verdoppeln. Die US-Regierung will rund 50 Milliarden Dollar in die Branche pumpen, um private Investitionen in bis zu zehn neue Chip-Fabriken anzustoßen.

SPARKURS UND REKORDGEWINN


Im ersten Halbjahr konnte Daimler trotz der Schwierigkeiten einen Rekordgewinn von 10,9 Milliarden Euro vor Steuern und Zinsen einfahren - soviel wie der viel größere Volkswagen-Konzern. Im letzten Rekordjahr 2017 belief sich der Betriebsgewinn im Gesamtjahr auf 14,3 Milliarden Euro. Ein Absatzplus von 36 Prozent und eine hohe Nachfrage nach den besonders profitablen Verbrenner-Modellen wie der Luxuslimousine S-Klasse oder dem Nobel-SUV GLS, vor allem in China, trieben den Gewinn. Der Halbjahresumsatz legte um 25 Prozent zu auf 84,5 Milliarden Euro. Die Rendite von Mercedes-Benz Cars & Vans war das dritte Quartal in Folge zweistellig mit 12,8 Prozent auf bereinigter Basis - für die Marke mit dem Stern ein historisches Ergebnis. Im Gesamtjahr peilt sie zehn bis zwölf Prozent an. Die Auslieferungen von Vans und Nutzfahrzeugen sollen trotz der Chip-Krise deutlich steigen. Auch Umsatz und operatives Ergebnis im Konzern werden wie bisher deutlich über Vorjahr prognostiziert, als die Corona-Krise den Erlös um 15 Prozent sinken ließ.

Zur vollen Kasse trug auch der vor zwei Jahren eingeleitete strikte Sparkurs bei, mit dem sich Daimler Investitionskraft für den Umstieg auf Elektroautos verschaffen will. Bei den Arbeitnehmern, die scharenweise gegen Abfindungen das Unternehmen verlassen, wächst die Kritik an dem Kurs. "Wenn wir volle Auftragsbücher haben und die Gewinne sprudeln, wie soll die Belegschaft da Verständnis haben für Sparmaßnahmen, die über Jahre laufen sollen", sagte Betriebsratschef Michael Brecht der "Automobilwoche". Es genüge, Personal über Altersfluktuation abzubauen. Teure Abfindungsprogramme könnten längst gestoppt werden. Doch jetzt beim Kosten senken nachzulassen wäre die "falsche Mentalität", konterte Källenius. "Das schwäbische Gen des Sparens - weder können wir noch wollen wir es aufgeben, weil das nicht die richtige Strategie für die Transformation wäre."

Am Aktienmarkt ging es für Daimler unterdessen bergab. Die Titel notierten 2,3 Prozent schwächer. Börsianern zufolge drückt die gesenkte Pkw-Absatzprognose auf die Stimmung. Es gebe auch Zweifel, ob der Autobauer eine zweistellige Rendite auf Dauer halten könne, erklärten die Analysten von Barclays. "Für uns ist wichtiger, dass die Nachfrage nach Daimlers Produkten extrem stark bleibt, auch wenn Lieferprobleme zu sinkendem Marktanteil führen können."

rtr

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