Die Exportstimmung in Deutschland verbessert sich leicht – doch zwischen den Branchen gibt es massive Unterschiede. Wer besonders betroffen ist.
Die deutschen Exportaussichten haben sich im Juni leicht erholt. Nach drei Rückgängen in Folge kletterte der Ifo-Exportklima-Indikator von minus 5,6 auf minus 3,7 Punkte. Ifo-Experte Klaus Wohlrabe bleibt jedoch zurückhaltend: „Die Exporteure sind noch skeptisch, ob die geopolitische Unsicherheit nachhaltig abnimmt. Zudem ist die internationale Konkurrenz weiterhin stark."
Exportstimmung in Deutschland verbessert sich - mit großen Unterschieden
Das Bild, das die einzelnen Branchen zeichnen, könnte kaum unterschiedlicher sein. Die Getränkehersteller blicken mit einem Wert von plus 18,1 Punkten so optimistisch auf das Auslandsgeschäft wie kaum eine andere Branche – allerdings gehören sie nicht zu den Schwergewichten der deutschen Exportwirtschaft. Aber auch die Elektroindustrie, ein relevanterer Akteur, erwartet ebenfalls einen deutlichen Anstieg ihrer Exporte.
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Der Maschinenbau hingegen liegt mit minus 3,4 Punkten knapp über dem Gesamtdurchschnitt. Die Chemische Industrie präsentiert sich mit minus 4,8 Punkten zwar noch unterdurchschnittlich, hat sich im Vergleich zum Mai jedoch um mehr als zehn Punkte verbessert und den Einbruch im Vormonat weitgehend ausgeglichen.
Autobauer mit schlechtestem Wert überhaupt - Papiere schwächeln an der Börse
Düster hingegen ist die Lage in der Automobilindustrie – einer der bedeutendsten Säulen des deutschen Exportgeschäfts. Mit minus 17,9 Punkten verzeichnet sie nicht nur einen der schlechtesten Werte überhaupt, die Stimmung hat sich gegenüber dem Vormonat zusätzlich um 2,8 Punkte eingetrübt. Einzig das Papiergewerbe schneidet mit minus 21,5 Punkten noch schwächer ab.
Auch an der Börse tun sich die Papiere deutscher Autobauer schwer und befinden sich mit der Ausnahme von Porsche in einer Abwärtsbewegung. Immerhin hat die US-Bank JPMorgan Volkswagen mit einem Kursziel von 110 Euro aktuell auf "Neutral" belassen. Mit dem bestätigten Verkauf der Mehrheit an der Motorentochter Everllence würde der Autobauer seine finanzielle Position im Rahmen der Unternehmenstransformation deutlich stärken, schrieb Jose Asumendi in seiner am Donnerstag veröffentlichten Einschätzung.
Bei BMW hat dagegen das US-Analysehaus Bernstein Research vor kurzem das Kursziel für den Münchner Autobauer von 108 auf 85 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf "Outperform" belassen. Zuvor hatte BMW die Jahresziele für den Umsatz, die operative Marge (Ebit) und den Cashflow im Autogeschäft gesenkt. Auch das hatte für weitere Kursverluste nicht nur bei den Münchnern selbst, sondern auch den anderen Autobauern gesorgt.
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Enthält Material von dpa-AFX
Häufige Fragen
Was misst der Ifo-Exportklimaindikator?
Er erfasst die Exporterwartungen deutscher Unternehmen für die kommenden drei Monate. Je höher der Wert, desto optimistischer schätzen die Firmen ihr Auslandsgeschäft ein. Ein negativer Wert signalisiert, dass mehr Unternehmen mit sinkenden als mit steigenden Exporten rechnen.
Warum ist die Autoindustrie besonders unter Druck?
Die deutsche Automobilbranche leidet unter einer Kombination aus schwacher globaler Nachfrage, wachsendem Wettbewerb – insbesondere aus China – sowie dem kostspieligem Umbau hin zur Elektromobilität. Diese strukturellen Herausforderungen spiegeln sich auch im Exportklima wider.
Warum geht es den deutsche Autobauern an der Börse so schlecht?
Die Börse bildet die oben genannten Probleme der deutschen Autobauer ab - eben einer Kombination aus schrumpfenden Gewinnen, starker Konkurrenz in China und enormen Investitionskosten. Die Aktienkurse von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW haben in den vergangenen Jahren stark nachgegeben - beispielsweise kam es zu einem 6-Jahres-Tief bei Mercedes und Mehrjahrestiefs bei VW und BMW.
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