Nach dem heftigen Absturz im Nasdaq am Freitag zeichnet sich heute eine Gegenreaktion bei Neocloud-Anbieten wie CoreWeave oder Nebius und auch bei Chipaktien ab. Ist es schon wieder Zeit einzusteigen?

Am letzten Handelstag der vergangeenn Woche erlebte die KI-Rallye einen heftigen Abverkauf, der sich zum Handelsende sogar noch beschleunigte. Der Technologieindex Nasdaq gab vergangene Woche insgesamt 4,5 Prozent ab und beendete damit seine vierwöchige Gewinnserie. Das ließ für Montag wenig Gutes erwarten, zumal die Börsen in Europa und Asien die Vorgaben vom Freitagabend erst einmal verarbeiten mussten und ebenfalls fielen.

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Doch seit etwa 14 Uhr zeigen die Nasdaq-Futures: Die Zeichen stehen auf Erholung. Der Nasdaq-100-Future legt mehr als ein Prozent zu. CoreWeave, in der vergangenen Woche um mehr als 25 Prozent eingebrochen, sparng vorbörslich um sechs Prozent an, zur ERöffnung um 15.30 Uhr deutscher Zeit waren es dan noch drei Prozent. AMD und Micron verteuern sich im frühen US-Handel jeweils um fast vier Prozent.

Auch Intel notiert am Montag wieder deutlich höher: Die Aktie gewinnt in den ersten Handelsminuten in New York fast fünf Prozent hinzu, nachdem J.P. Morgan den Chipfertiger von „Underweight“ auf „Neutral“ hochgestuft hat. Das Kursziel setzt J.P. Morgan allerdings unverändert bei 85 US-Dollar, das sind sogar rund fünf Prozent weniger als der Schlusskurs vom Freitag.

CoreWeave Inc. (WKN: A413X6)

Weiterführende Links

Intel: Veressertes Chance-Risiko

JPMorgan-Analyst Harlan Sur begründet seine Neutral-Einstufung damit, dass sich das Chance-Risiko-Verhältnis nach dem Kursrückgang um 36 Prozent seit dem Hoch Ende Juni wieder ausbalanciert habe. Er sieht Fortschritte bei der Umsetzung der Restrukturierung in Intels Kernmärkten für Client- und Rechenzentrumsprozessoren sowie bei der nächsten Chip-Generation.

Allerdings verweist auch Sur auf kurzfristige Sorgen um die Nachhaltigkeit der KI-Investitionen. Wer jetzt bei Intel einsteige, setze auf eine operative Aufholjagd unter Chef Lip-Bu Tan und auf steigende Gewinne in den kommenden Quartalen. Bewiesen habe Intel die von der Börse vorweggenommene Trendwende jedoch noch nicht.

Intel (WKN: 855681)

Risikozuschläge auf Hyperscaler-Anleihen auf Stresslevels

Manchen Investoren juckt es in den Fingern, nach dem 25-Prozent-Einbruch der vergangenen Woche jetzt wieder bei CoreWeave einzusteigen. Der Neocloud-Anbieter steht im Zentrum der Sorgen, dass sich die gewaltigen, schuldenfinanzierten Investitionen in KI-Rechenzentren nicht refinanzieren lassen. Investoren haben die Risiken der Unternehmensanleihen zuletzt deutlich höher eingepreist – nicht nur bei CoreWeave. Kreditausfallversicherungen auf CoreWeave-Anleihen erreichten jüngst ein Stressniveau.

Händler von Goldman Sachs warnten am Freitag nach einem Bericht von CNBC, dass die Kreditspreads im KI-Komplex und bei Hyperscalern sich so stark ausgeweitet hätten wie zu keinem anderen Zeitpunkt in diesem Jahr. Beim letzten vergleichbaren CDS-Niveau hätten die betreffenden Aktien zudem noch rund 15 Prozent tiefer notiert.

„Nicht mehr die nächste Gewinnschätzung entscheidet, sondern Finanzierung, Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und Kapitalrendite“, schrieb Goldman Sachs. Schon die Zahlen von Meta und Tesla, die am Mittwoch anstehen, könnten deshalb zum Gradmesser für den gesamten KI-Sektor werden.

Auch SAP meldet am Mittwoch nach US-Börsenschluss Zahlen. Die BÖRSE-ONLINE-Redakteure Klaus Schachinger und Markus Voss kommentierten sie ab 21.45 Uhr live auf unserem YouTube-Kanal. Hier können Sie sich für das Event vormerken.

Einstiegschance bei Coreweave

Im Gegensatz zu diesen Warnungen gab Cantor Fitzgerald am Wochenende eine positive Einschätzung zu CoreWeave ab: Das Analysehaus bekräftigte sein „Overweight“-Votum und sieht nun einen attraktiven Zeitpunkt zum Aufbau oder Ausbau einer Position in der Aktie. Cantor verweist darauf, dass CoreWeave fast die gesamte 2027 ans Netz gehende Rechenkapazität bereits verkauft habe. Zudem gebe es eine Vereinbarung mit Nvidia, die für nicht verkaufte Kapazitäten einstehen würde.

Was sollten Anleger tun?

Sehr Mutige nutzen den Rücksetzer heute schon zum Wiedereinstieg – aber wenn, dann nur mit einer kleinen Position. Sollte es sich nämlich um eine rein technische Gegenbewegung handeln, kann die schnell wieder vorbei sein und die Richtung sogar schon im Tagesverlauf kippen. Dann heißt es schnell und konsequent zu reagieren.

Für langfristig orientierte Anleger kann ein gestaffelter Einstieg in etablierte, profitable Chipwerte wie Micron oder Intel sinnvoll sein. Allerdings mit der Maßgabe, dass die Kurse auch noch weiter fallen können. Dann sollten diese Investoren bereit sein, weitere Tranchen nachzuschieben.

Den exakten Tiefpunkt zu erwischen, geht meistens schief. Anleger sollten den KI-Dip daher selektiv und vorsichtig kaufen – erst nach den Quartalszahlen aus dem Sektor, die in dieser und vor allem in der nächsten Woche anstehen, dürfte sich der Nebel lichten.

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Häufige Fragen zum Thema

Warum sind die Aktien von Coreweave, Iren und Nebius in der vergangenen Woche so stark gefallen?

Die Aktien von CoreWeave, Iren, Nebius und anderen Neocloud-Anbietern sind stark gefallen, weil die Investoren sich große Sorgen um ihre fiannzielle Stabilität machen. Das Signal ging vom Anleiehnmarkt aus. Der Grund dafür ist, dass die Neocloud-Anbieter ihre Infrastruktur über Kredite und Anleihen finanzeiren, deren Finanzierungskosten sich durch den Anstieg der Renditen auf US-Staatsanleihen massiv verteuert haben.

Welche Verbindung hat Nvidia zu Coreweave und Nebius?

Nvidia hat sich an beiden Unternehmen mit jeweils rund zwei Milliarden US-Dollar beetlíligt. An Nebius hält Nvidia damit sogar rund 9,3 Prozent. Im Gegenzug kaufen beide Unternehmen einen großen Teil ihrer KI-Chips bei Nvidia ein, auch mit dem Geld, das sie im Zuge der Beteiligung von Nvidia erhalten haben. Diese Kreisbeziehung wird von Investoren wie Michael Burry immer wieder kritisiert.

Raten Analysten schon zum Wiedereinstieg?

Überwiegend nicht. Für Aufsehen sorgte am Wochenende jedoch eine Einschätzung von Cantor Fitzgerald zu Coreweave. Das Analysehaus bekräftigte sein „Overweight“-Votum und sieht nun einen attraktiven Zeitpunkt zum Aufbau oder Ausbau einer Position in der Aktie. Cantor erinnerte daran, dass CoreWeave fast die gesamte Rechenkapazität, die 2027 ans Netz geht, bereits verkauft habe. Zudem stehe Nvidia die eventuell nicht verkaufte Kapazitäten gerade.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: CoreWeave Inc..