Am Dienstag zeigt sich der DAX in seiner Bewegung unentschlossen. Das ist jetzt wichtig für den Leitindex. Außerdem stehen die folgenden Themen im Fokus: Iran, K+S, Apple, Bitcoin, Perplexity, SpaceX, Evonik, Google und GSK.
Nach den Verlusten zum Wochenauftakt dürfte sich der deutsche Aktienmarkt am Dienstag zunächst behaupten. Kurz vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den Dax einen Rückgang um 0,1 Prozent auf 24.600 Punkte. Tags zuvor war der Leitindex auf den niedrigsten Stand seit fast drei Wochen abgetaucht und hatte die 21-Tage-Linie unterschritten, die als Indikator für den kurzfristigen Trend gilt.
"Der Dax bleibt auf Richtungssuche. Den initialen gestrigen Kursverlust haben offensichtlich einige Schnäppchenjäger zum Einstieg genutzt. Mit solchen Käufen ist der Dax aktuell nach unten ganz gut abgesichert. Nach oben haben zuletzt jedes Mal zügig Gewinnmitnahmen eingesetzt. Solange sich dieses Bild nicht ändert, wird sich für den deutschen Leitindex keine klare Richtung herauskristallisieren", kommentierte Marktanalyst Thomas Altmann von QC Partners.
Gebremst wird die Kauflaune der Anleger weiterhin von der unsicheren Lage in Nahost. Nach einer neuen gefährlichen Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und Israel haben die Erzfeinde ihre wechselseitigen Angriffe vorerst wieder eingestellt. Beide Seiten drohten jedoch im Fall von Verstößen gegen ihre jeweiligen Bedingungen mit noch härteren Kämpfen. Die ersten gegenseitigen Angriffe seit zwei Monaten drohten, US-Präsident Donald Trumps Bemühungen zur Beendigung des Iran-Kriegs zu untergraben.
Rheinmetall & Co schwächer - Morgan Stanley stuft Sektor ab
Einschlägige Aktien aus dem deutschen und europäischen Rüstungssektor könnten am Dienstag etwas unter einem negativen Analystenkommentar leiden. Die Rheinmetall-Titel lagen im vorbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate mit 0,6 Prozent unter ihrem Xetra-Schlusskurs. Auch die Titel von Hensoldt und Renk bewegten sich dort im Minus.
Nach einer langen Phase mit einer optimistischen Einstellung hat die US-Bank Morgan Stanley ihr Votum für die Branche mit "Equal-weight" auf ein neutrales Niveau abgestuft. Die Strategin Marina Zavolock schrieb zwar, dass sie den Sektor langfristig nach wie vor schätzt. Eine derzeit nur gedämpfte Dynamik dürfe aber nicht ignoriert werden. Es mangele an weiterem Schwung, was die Gewinn- und Kurszielerwartungen betrifft. Im weiteren Jahresverlauf seien aber wieder neue Impulse möglich, betonte sie.
Die Umstufung ist Teil einer größeren Strategie-Studie mit vielen Veränderungen: Für Medizintechnik und Life Science werden die Experten pessimistisch, für Investitionsgüter und Metalle & Bergbau dagegen optimistisch. Halbleiteraktien bleiben die Favoriten der US-Bank, noch ergänzt um Rohstoff- und Finanzwerte.
K+S begibt Wandelanleihe über 300 Millionen Euro
Der Dünger- und Salzkonzern K+S will sich durch die Ausgabe einer Wandelanleihe frische Mittel beschaffen. Ausgegeben werden sollen unbesicherte und nicht nachrangige Wandelanleihen im Gesamtnennwert von rund 300 Millionen Euro mit einer Endfälligkeit im Jahr 2031, wie das im MDAX gelistete Unternehmen am Dienstag in Kassel mitteilte. Dabei sollen die Anleihen laut Mitteilung in bis zu knapp 18 Millionen Stammaktien oder rund 10 Prozent des Grundkapitals wandelbar sein. Ein Bezugsrecht bestehender Aktionäre sei ausgeschlossen. Die Aktie gab vorbörslich nach.
Die Anleihen sollen im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens ausschließlich institutionellen Investoren angeboten werden. Verzinst werden sollen die Papiere mit einem Zinssatz zwischen 0,375 und 0,875 Prozent pro Jahr. Der anfängliche Wandlungspreis soll voraussichtlich mit einer Prämie von 30 bis 35 Prozent über dem Referenzaktienkurs festgesetzt werden.Den Nettoemissionserlös will K+S zur Finanzierung des Anfang Juni angekündigten Kaufs des Salzgeschäfts vom polnischen Chemieunternehmen Qemetica verwenden und für allgemeine Geschäftszwecke.
RAG-Stiftung begibt weitere Umtauschanleihe in Evonik-Aktien
Der Evonik-Großaktionär RAG-Stiftung will eine neue Umtauschanleihe mit einem Gesamtnennbetrag von rund 375 Millionen Euro begeben. Die bis Dezember 2031 laufenden nicht nachrangigen und unbesicherten Schuldverschreibungen sollen in bestehende Stammaktien des Spezialchemiekonzerns Evonik Industries AG umtauschbar sein, wie die Stiftung am Dienstag in Essen mitteilte.
Die neuen Anleihen sollen institutionellen Investoren im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens (Accelerated Bookbuilding) angeboten werden, hieß es weiter. Dabei richte sich das Angebot an Investoren außerhalb der USA. Die RAG-Stiftung hält den Angaben zufolge als größter Evonik-Aktionär derzeit rund 44 Prozent der insgesamt 466 Millionen Evonik-Anteile.
Bereits ausstehend seien drei Umtauschanleihen auf Evonik-Papiere über jeweils 500 Millionen Euro oder insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Eine der Anleihen läuft kommende Woche aus. Die anderen beiden laufen bis 2029 beziehungsweise 2030. Die Evonik-Aktie hat sich im laufenden Jahr mit einem Anstieg von knapp 18 Prozent etwas von ihrem Rückgang die Jahre davor erholt.
In den vergangenen fünf Jahren sank der Börsenwert trotz der Erholung um fast die Hälfte auf zuletzt 7,3 Milliarden Euro.
Nachrichten international
GSK will in Milliardendeal US-Krebsspezialisten Nuvalent übernehmen
Der britische Pharmakonzern GSK baut sein Onkologiegeschäft mit der milliardenschweren Übernahme des US-Biotechunternehmens Nuvalent weiter aus. Dazu will GSK innerhalb von zehn Geschäftstagen ein öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche ausstehenden Stammaktien zu einem Stückpreis von 124 US-Dollar unterbreiten. Der gesamte Wert der Transaktion belaufe sich auf rund 10,6 Milliarden Dollar (9,2 Mrd Euro), teilte GSK am Dienstag mit. Den Angaben zufolge entspricht die Offerte einem Aufschlag von 26 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Kalendertage.
Den Zukauf wollen die Briten hauptsächlich aus neuen und bestehenden Kreditlinien sowie mit vorhandenen Barmitteln finanzieren. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre und der Behörden.
GSK setzt mit der Übernahme seinen Kurs fort, das Krebsgeschäft durch gezielte Zukäufe auszubauen. Mit der Akquisition des Unternehmens aus Boston stärkt der Pharmakonzern seine Onkologie-Pipeline um mehrere zielgerichtete Krebstherapien. Im Fokus stehen vor allem die Wirkstoffkandidaten Neladalkib und Zidesamtinib zur Behandlung des nichtkleinzelligen Lungenarzinoms (NSCLC), wobei die Studien an beiden Mitteln sich bereits in fortgeschrittenen Entwicklungs- oder Zulassungsphasen befinden. Beide Mittel hätten Blockbuster-Potenzial mit einem Umsatz von mehreren Milliarden und könnten bei Zulassung durch die US-Arzneibehörde FDA schon in diesem Jahr auf den Markt kommen, hieß es.
Der Zukauf soll den bereinigten Gewinn je Aktie (core EPS) von GSK im laufenden Jahr und bis 2028 um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz verwässern. An seiner Prognose für 2026 hält das GSK-Management aber fest. Ab 2027 soll sich Nuvalent positiv auf den Umsatz und den bereinigten operativen Gewinn auswirken.
Perplexity plant Börsengang 2028 – KI-Kosten rücken in den Fokus
Der Chef der KI-Suchmaschine Perplexity, Aravind Srinivas, bekräftigte gegenüber CNBC den geplanten Börsengang im Jahr 2028 – unabhängig davon, wie die bevorstehenden IPOs von Anthropic und OpenAI beim Markt ankommen. Gleichzeitig mahnte Srinivas zur Kostendisziplin: Künftig würden Unternehmen nicht mehr wahllos die teuersten KI-Modelle einsetzen, sondern je nach Aufgabe das wirtschaftlich sinnvollste wählen. Perplexity selbst setzt dafür bereits auf einen automatischen Mix verschiedener Anbieter inklusive günstigerer Open-Source-Modelle.
SpaceX sichert sich 920-Millionen-Dollar-Monatsvertrag mit Google vor Börsengang
Kurz vor seinem Börsenstart am 12. Juni hat SpaceX einen Rechenleistungsvertrag mit Google abgeschlossen, der monatliche Zahlungen von 920 Millionen Dollar vorsieht – über die gesamte Laufzeit bis Juni 2029 summiert sich das auf rund 30 Milliarden Dollar. Google erhält dafür Zugang zu über 110.000 Nvidia-GPUs im xAI-Rechenzentrum; ähnliche Verträge bestehen bereits mit Anthropic für 40 Milliarden Dollar. Bemerkenswert ist der beim IPO extrem niedrige Free Float von nur 4,2 Prozent, was zusammen mit der geplanten schnellen Nasdaq-100-Aufnahme zu einer erheblichen künstlichen Angebotsknappheit führen dürfte.
Apple startet KI-Monetarisierung über iCloud+-Abonnements
Auf seiner jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple enthüllt, dass erweiterte Apple-Intelligence-Funktionen – darunter leistungsintensive Bildgenerierung – künftig an iCloud+-Abos geknüpft sein werden, da sie rechenintensive Servermodelle nutzen. Basisnutzung bleibt kostenlos, für höhere Nutzungslimits werden bestehende iCloud+-Tarife ab 0,99 Dollar monatlich aufgewertet. Damit versucht Apple, KI-Mehrwert direkt zu monetarisieren, ohne selbst Milliarden in eigene KI-Infrastruktur zu investieren.
Hitachi und Google Cloud kooperieren bei physischer KI
Der japanische Industriekonzern Hitachi und Google Cloud haben ihre bestehende Partnerschaft ausgeweitet und wollen gemeinsam sogenannte Physical-AI-Lösungen entwickeln – also KI-Systeme für den Einsatz in realen Industrieumgebungen. Im Mittelpunkt steht die Verknüpfung von Hitachis industrieller Lumada-Plattform mit Googles Gemini-KI, um autonome Operationen und Cybersicherheit in komplexen Produktionsumgebungen zu verbessern. Die Partnerschaft zielt vor allem auf Frontline-Worker-Herausforderungen in der Industrie ab.
Bitcoin stabilisiert sich – On-Chain-Daten deuten auf Akkumulation hin
Nach einem wochenlangen Kursrückgang erholt sich Bitcoin leicht auf rund 63.000 Dollar, während On-Chain-Daten zeigen, dass Wallets mittlerer Größe in den vergangenen 60 Tagen mehr als 53.000 BTC zugekauft haben. Der Relative-Stärke-Index liegt auf historisch niedrigen Niveaus, was Analysten als klassisches Akkumulationssignal werten. Große Wallets mit mehr als 10.000 BTC reduzieren hingegen ihre Bestände, was auf eine laufende Umverteilung innerhalb des Marktes hindeutet.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum sucht der DAX gerade nach Richtung und wann könnte sich das ändern?
Der DAX schwankt zwischen Schnäppchenjägern, die Kursrückgänge zum Einstieg nutzen, und Gewinnmitnahmen, die jeden Aufwärtsversuch bremsen. Marktanalyst Thomas Altmann von QC Partners sieht keine klare Richtung, solange sich dieses Muster nicht bricht. Entscheidend dürfte der EZB-Zinsentscheid am Donnerstag sein – er könnte den nächsten klaren Impuls liefern, je nachdem ob und wie stark die Notenbank die Zinsen anhebt.
Was bedeutet der SpaceX-Google-Vertrag über 30 Milliarden Dollar für den bevorstehenden Börsengang?
Kurz vor dem IPO am 12. Juni hat SpaceX einen Rechenleistungsvertrag mit Google abgeschlossen, der bis Juni 2029 monatliche Zahlungen von 920 Millionen Dollar vorsieht. Ähnliche Verträge bestehen bereits mit Anthropic über 40 Milliarden Dollar. Für Anleger ist zudem der extrem niedrige Free Float von nur 4,2 Prozent beim Börsengang relevant – das dürfte in Kombination mit einer geplanten schnellen Nasdaq-100-Aufnahme zu erheblicher künstlicher Angebotsknappheit und entsprechenden Kursschwankungen führen.
Deutet die Bitcoin-Stabilisierung auf eine echte Trendwende hin?
Nach dem wochenlangen Kursrückgang erholt sich Bitcoin leicht auf rund 63.000 Dollar. On-Chain-Daten zeigen, dass Wallets mittlerer Größe in den vergangenen 60 Tagen mehr als 53.000 BTC zugekauft haben – ein klassisches Akkumulationssignal. Gleichzeitig reduzieren große Wallets mit mehr als 10.000 BTC ihre Bestände, was auf eine laufende Umverteilung hindeutet. Eine nachhaltige Trendwende setzt voraus, dass die geopolitischen Spannungen nachlassen und Kapitalabflüsse in KI-Aktien zum Stillstand kommen.